Dividenden gross

Hohe Dividendenrenditen sind kein Garant für Qualität

Angenommen, die gesehenen Korrekturen an den Märkten waren übertrieben, dann sind Aktien auf dem aktuellen Niveau preiswert. Aus dieser Überlegung kann der Blick auf dividendenstarke Titel interessant sein. Allerdings sollte der Focus nicht nur auf einer möglichst hohen Dividendenrendite liegen.

Wenn die Märkte die Übertreibungen abbauen – und das werden Sie, genau wie sie das nach den Krisenjahren 2000 und 2008 getan haben – profitieren Dividendentitel. Einerseits über Kursgewinne, andererseits führen die aktuellen Kaufkurse zu einer überdurchschnittlich hohen Dividendenrendite.

So zahlen Daimler und BMW regelmäßig eine hohe Dividende. 2018 waren es bei Daimler 3,65 Euro je Aktie, was bei einem Aktienkurs von 68,50 Euro im Mai 2018 einer Rendite von 5,3 Prozent entsprach. Für 2019 erwarten Analysten die gleiche Ausschüttung, was bei einem aktuellen Kurs von 51,80 Euro einer satten Rendite von sieben Prozent entspräche. Beim Mitbewerber BMW sieht es ähnlich verlockend aus.

Allerdings sollte der Focus nicht nur auf einer möglichst hohen Dividendenrendite liegen. Die deutlichen Kursverluste der gesamten Automobilwerte sind dem Abgasskandal,
den Handelsstreitigkeiten und den Versäumnissen bei der Entwicklung elektrisch angetriebener und autonom fahrender Fahrzeuge geschuldet. Sie sind also nicht, wie andere Unternehmen in Sippenhaft genommen worden, sondern mitverantwortlich für die Marktschwäche.

Gleiches gilt für die Energieunternehmen, die historisch zu den regelmäßigsten und großzügigsten Dividendenzahlern zählten, was oft an ihren kommunalen Eigentümern liegt. Auch hier sind die Zukunftsaussichten nach der eingeleiteten Energiewende und dem abzusehenden Kohleausstieg unsicher, was sich wiederum in den Kursen dieser Unternehmen widerspiegelt.

Für langfristig orientierte Investoren kann es daher jetzt interessant sein, Schwerpunkt auf Aktien mit einem soliden Geschäftsmodell und einer attraktiven Dividendenrendite zu legen. Eine globale Ausrichtung in einem aktiv gemanagten Dividendenfonds ist dabei einem passiven ETF auf einen Dividenden-Index zu bevorzugen.

Denn ein ETF bildet konsequent seinen zugrunde liegenden Index ab. Bezogen auf den deutschen Div-DAX erwirbt der Anleger automatisch alle Aktien mit der höchsten Dividendenrendite, die wiederum das mathematische Ergebnis der Rechnung – Ausschüttung durch Aktienkurs – wiedergibt. Allein betrachtet sagt eine hohe Rendite aber nichts über die Solidität des Unternehmens aus.

Günstige Kaufkurse und hohe Ausschüttungen mögen verlockend aussehen, der Deutsche Aktienindex ist jedoch aktuell ein gutes Beispiel dafür, dass vermeintlich preiswert nicht immer auch gut ist.

Über den Autor

Ralph Rickassel, Vermögensberater bei der PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf.