Investieren in Rohstoffe: Immer Ärger ums Öl

Öl ist wieder sehr begehrt. Aus diesen Gründen könnte ein weiter steigender Preis sogar das Ende für die Opec bedeuten.

Der Öl-Preis ist im ersten Halbjahr 2021 um rund 50 Prozent gestiegen. Ein solcher Anstieg erfreut die Produzenten und belastet die Verbrauchenden. Doch er weckt auch Begehrlichkeiten und Neid. Für die Opec könnte der steigende Preis sogar das Ende bedeuten.

Seit Jahren beharken sich die in der Opec zusammengeschlossenen Öl-Staaten, wenn es um Produktionsmengen, Förderkürzungen oder -ausweitungen geht. Das gemeinsame Ziel, einen sowohl berechenbaren wie einigermaßen hohen Öl-Preis zu erreichen, wurde immer wieder verfehlt. Mal produzierte ein Mitglied mehr, um seinen Haushalt aufzufüllen, mal ein anderes, um seine Anlagen besser auszulasten. Und einige Male wurde die Produktionsmenge als Druckmittel innerhalb der Opec eingesetzt.

Die Interessen der Ölländer sind sehr unterschiedlich. Während etwa Russland Geopolitik mit dem Öl-Preis betreibt, wollen andere wie Venezuela nur irgendwie Geld verdienen. Während bei einigen das Öl oberflächennah einfach aus dem Boden quillt, müssen andere tief bohren und aufwendig pumpen, um an das schwarze Nass zu kommen. Mit der Folge, dass die Kosten der Produktion sehr unterschiedlich ausfallen.

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So liegen die durchschnittlichen Förderkosten je Barrel in Saudi-Arabien bei rund 24 Dollar je Barrel, im Rest der Opec-Staaten bei durchschnittlich 40 Dollar. Russland liegt bei rund 45 Dollar Kosten je Barrel. Die Förderkosten in Mexiko und Brasilien reichen schon an die 70 Dollar je Barrel und mehr. Insofern gibt es innerhalb der Reihen der Ölstaaten sehr unterschiedliche Interessen.

Dazu kommt, dass gerade die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Förderanlagen in den vergangenen Jahren ausgebaut und modernisiert haben, aber bislang noch nicht annähernd das volle Potenzial fördern konnten. Gerade beim gegenwärtigen Preis würden manche in der Opec gerne mehr verkaufen, um klamme Haushalte schnell zu sanieren. Sie drängen darauf, die Produktion hochzufahren und nehmen den Druck auf die Preise in Kauf. Andere wollen bedächtiger vorgehen, um sich die hohen Preise so lange wie möglich zu sichern. Denn wittert der Markt eine Überproduktion, werden die Preise in den Keller gedrückt.

Insofern ist es wenig wahrscheinlich, dass sich die Opec-Staaten schnell auf eine gemeinsame Linie einigen. Doch je höher die Preise steigen, desto mehr kommen andere Länder ins Spiel. Beim gegenwärtigen Preis von rund 75 US-Dollar lohnt sich schon fast wieder die Förderung aus kanadischem Ölsand, dessen Förderkosten bei rund 80 Dollar liegen. Möglich also, dass die Opec an diesem Preis zerbricht.

Über den Autor: Uwe Zimmer

Uwe Zimmer ist Finanzexperte aus Köln.