John Bogle – Der Indexfonds-Pionier

John Bogle - Der Indexfonds-Pionier

John Bogle, Gründer der Vanguard Group, legte durch die Etablierung passiver Indexfonds für Privatanleger den Grundstein für die heute sehr populären und weit verbreiteten ETFs. Daneben befolgt er bei seinen Investmententscheidungen stets einige Grundregeln, die seiner Meinung nach beachtet werden müssen, um langfristig erfolgreich an den Finanzmärkten investieren zu können.

Das Leben des John Bogle

John „Jack“ Bogle wurde am 8. Mai 1929 in New Jersey (USA) geboren. Er wuchs unter keinen einfachen Bedingungen auf, da seine Familie schwer von der sogenannten „Great Depression“ beeinflusst wurde. Die Folgen für die Familie waren so schlimm, dass sie ihr Haus verkaufen mussten, der Vater dem Alkohol verfiel und die persönlichen Probleme schlussendlich in der Scheidung seiner Eltern mündeten. Lediglich einem Stipendium war es zu verdanken, dass John Bogle die High School in New Jersey besuchen konnte. Schon dort fiel er durch herausragende Leistungen, schwerpunktmäßig im Bereich Mathematik, auf. Diese herausragenden Leistungen bestätigten sich im weiteren Verlauf seiner Ausbildung durch Abschlüsse an der berühmten Blair Academy, der Princeton University mit Schwerpunkt „Economics und Investment“ und der University of Pennsylvania.

Nach seinem Abschluss im Jahr 1951 arbeitete er bei der Wellington Management Company und durchlief dort schnell diverse Posten, bis er letztlich zum Chairman dieses Unternehmens ernannt wurde. Erst eine fehlgeschlagene Fusion, welche zur Folge hatte, dass er entlassen wurde, verursachte den ersten schwarzen Fleck in seiner bislang reibungslos verlaufenden Karriere. Diese wie er selbst sagt „extrem unbedachte Entscheidung“ und somit die Entlassung eröffneten ihm jedoch erst die Möglichkeit, dass er die Vanguard Group gründen konnte, die sich heute zum zweitgrößten Vermögensverwalter der Welt entwickelt hat und dass er somit seine persönliche Erfolgsgeschichte weiterschreiben konnte.

Der Indexfonds-Pionier

Seine Erfolgsgeschichte beruht im Wesentlichen auf der Etablierung von Indexfonds für Privatanleger. Diese legten in damaligen Zeiten den Grundstein für die heute sehr populären Exchange Traded Funds (ETFs), welche bestimmte Aktienindizes abbilden. Der Unterschied von Indexfonds im Vergleich zu den klassischen Investmentfonds besteht darin, dass diese passiv den Referenzindex nachbilden. Er hatte damals erkannt, dass die Kosten für aktiv gemanagte Investmentfonds für viele Privatanleger zu teuer und dadurch abschreckend wirken. Zudem können Investmentfonds auf lange Sicht die Vergleichsindizes nach Abzug der Kosten nicht konstant schlagen. Er stellte fest, dass bei verwalteten Fonds im Schnitt jährliche Kosten von 1,6 Prozent verrechnet werden. Zusätzlich zu diesen ohnehin höheren Gebühren fallen ebenfalls Transaktionskosten an, welche beim Kaufen und Verkaufen der einzelnen Titel die jährliche Rendite durchschnittlich um 0,8 Prozent schmälern. Ein Indexfonds hingegen verrechnet im Schnitt „nur“ 0,4 Prozent jährlich. Dieser doch signifikante Unterschied sorgt dafür, dass nicht viele gemanagte Aktienfonds diese passiven Indexfonds kontinuierlich schlagen konnten. John Bogle rechnete aus, dass allein in den USA jedes Jahr 400 Milliarden Dollar an Gebühren und Provisionen an die Finanzinstitute fließen. Passend dazu machte er die Aussage „Da wird schnell klar, warum die Kunden des Börsencasinos so wenige Yachten besitzen und die schönsten Schiffe im Hafen denjenigen gehören, die das Casino betreiben.“

Schwerer Start

Aus diesen von ihm genannten Gründen begann John Bogle deshalb bei seiner 1974 gegründeten Fondsgesellschaft Vanguard ein neues Anlageprodukt zu etablieren. Er entschied, die Vertriebsgebühren abzuschaffen und zudem Indexfonds für Privatpersonen aufzulegen. Dafür wurde er zu Beginn von seiner Konkurrenz verspottet und musste ebenfalls Monate warten, bis dieses Angebot genehmigt wurde. Doch durch seine volle Überzeugung für dieses Produkt harrte er aus und strafte seinen Kritiker nach einem holprigen Start Lügen. Mit den Worten „Normalerweise sagt man: Du bekommst, wofür du zahlst. Bei Anlagen in Indexfonds ist es genau umgekehrt: Hier bekommst du etwas für das du nicht bezahlen musst,“ machte er den Anlegern deutlich, was sein Hauptanliegen bei diesen Produkten war. Es lässt sich somit zusammenfassen, dass John Bogle aufgrund dieser Überzeugungen und Handlungen mit den Indexfonds für Privatanleger einen großen Schritt in der Entwicklung der Finanzprodukte auf dem heutigen Stand – Stichwort Exchange Traded Funds (ETF) – gemacht hat.

Bogles Investmentgrundsätze

Neben der Einführung der Indexfonds hat John Bogle eine klare Meinung und damit verbunden viele Investmentprinzipien, die er aktiv äußert und in seiner Anlagestrategie beherzigt. In seinem bekanntesten Buch „Common Sense on Mutual Funds: New Imperatives for the Intelligent Investor„, veröffentlicht im Jahr 1999, beschreibt er, warum nach seiner Ansicht ein Langzeitportfolio bestehend aus Indexfonds mit geringen Kosten ein Portfolio mit aktiv gemanagten Investmentfonds schlägt. Des Weiteren beinhaltet dieses Buch acht Grundregeln, die er Investoren an die Hand geben würde.

Die acht Grundregeln des John Bogle

  1. Suche Fonds mit niedrigen Kosten
  2. Berücksichtige zusätzlich anfallende Managementgebühren
  3. Bewerte vergangene Fondsperformances nicht über
  4. Nutze die vergangene Performance, um die Beständigkeit und das Risiko zu bewerten
  5. Hüte dich vor Stars (speziell Manager von Investmentfonds)
  6. Lasse dich nicht von Vermögensgrößen leiten
  7. Besitze nicht zu viele Fonds
  8. Kaufe dein Fondsportfolio – und dann halte es

Aus diesen Grundregeln lässt sich ein erstes Zwischenfazit zu der grundsätzlichen Investmentstrategie von John Bogle ziehen. Er steht für „einfaches“ investieren über einen langen Zeithorizont. Das schafft er durch Investments in Indexfonds, welche sich dadurch charakterisieren, dass sie geringe Kosten, niedrige Turnover-Raten und ein passives Management besitzen. Hierbei macht er keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Investorentypen, da er die Meinung vertritt, dass dieser Ansatz universell für alle passend ist. Ein weiterer Vorteil dieser eher passiven Strategie ist, dass dadurch „Entscheidungen aus der Emotion heraus“ minimiert werden können. Dieser Punkt spiegelt ebenfalls einen Grundgedanken Bogles wider, der sagt, dass der Hauptfehler der meisten Anleger darin besteht, dass diese eher als „Spekulanten“ (kurzfristige Spekulation) als als „Investoren“ (langfristige Investments) an den Finanzmärkten agieren. Er ist der Überzeugung, dass Spekulanten im Gegensatz zu Investoren auf lange Sicht Geld an der Börse verlieren.

Neben diesen bisher genannten Grundregeln findet man immer wieder einige weitere Schwerpunkte in den Ausführungen von John Bogle, die im Folgenden kurz thematisiert werden:

Reversion to the Mean

John Bogle ist ein Anhänger des Konzeptes der sogenannten Mean Reversion (Mittelwertrückkehr). Dieses besagt, dass Märkte bzw. Branchen im Lauf der Zeit zu Übertreibungen neigen, die später jedoch wieder ausgeglichen werden. So folgt auf eine Phase des starken Anstiegs dem Konzept nach eine Phase von sinkenden Kursen, sodass die zukünftigen Kurse immer wieder zum historischen Mittelwert zurückkehren. Bogle ist daher der Meinung, dass auf lange Sicht keine Unterschiede zwischen verschiedenen Aktientypen bzw. Branchen gegeben sind, außer die fundamentale Situation ändert sich maßgeblich.

Time is your friend, impulse is your enemy.“

Kultur

Für John Bogle ist die Kultur eines Unternehmens deutlich wichtiger als die Strategie. Diese Haltung wird dadurch verdeutlicht, dass Bogle mit Vanguard in der kompletten Unternehmenshistorie aus Prinzip noch nie ein anderes Unternehmen übernommen hat. Ihm geht es in seinem Unternehmen eher darum, bestimmte Kulturen – bspw. die Kultur niedriger Kosten – zu etablieren und die richtigen Leute einzusetzen als Ressourcen von außen dazuzukaufen. Regelmäßigkeit: Nach Ansicht von John Bogle sollten Anleger regelmäßig in Aktien investieren. Hierbei können Sparpläne helfen, da so kontinuierlich Positionen aufgebaut werden. Häufig investieren Anleger in Zeiten von fallenden Kursen nicht, obwohl genau dann der richtige Zeitpunkt zum Zukaufen gegeben ist. Außerdem ist es durch diese kontinuierlichen Einzahlungen nicht nötig, die Börse jeden Tag zu beobachten, was die Gefahr birgt, sich durch Emotionen zu falschen Entscheidungen verleiten zu lassen.

Steuern

Anleger sollten zudem Steuerverpflichtungen in ihrer Anlagestrategie berücksichtigen. Meist haben Indexfonds den Vorteil, nicht so hohe Steuerabzüge im Vergleich zu klassischen Indexfonds zu verursachen. Diese Unterschiede können erhebliche Folgen für die Endperformance des Portfolios bedeuten. Außerdem können sich Anleger Fonds aussuchen, die im Management aktiv durch bestimmte Praktiken den Steueraspekt überproportional berücksichtigen. Alles in allem lässt sich zusammenfassen, dass sich John Bogle dadurch auszeichnet, eine klare Meinung bezüglich Investmentstrategien zu vertreten. Er setzt auf ein ausgewogenes Portfolio an Indexfonds – welche er für Privatanleger überhaupt erst auf den Markt gebracht hat – und diese über einen langen Anlagehorizont im Depot zu halten.

„If you have trouble imaging a 20% loss in the stock market, you shouldn‘t be in stocks.“

Die Inhalte zu diesem Beitrag stammen aus folgenden Quellen:

Die Serie „Börsengurus“ wird präsentiert von HSBC Trinkaus & Burkhardt AG.