ein-prozent-zins

Keine 1,0 % Zinsen mehr für Tagesgeld

2003 erhielten Verbraucher auf Sparanlagen mit 3-monatiger Kündigungsfrist laut Bundesbank noch mehr als zwei Prozent p. a. Guthabenzins. Inzwischen liegt der Zinssatz nahe der Marke von 0 Prozent. Nur wenige Experten halten angesichts solcher Zahlen das Sparbuch noch für sinnvoll. Unter dieser Entwicklung leiden aber nicht nur Sparbücher. Auch das Tages- und Festgeld ist in den letzten Jahren massiv unter Druck geraten. Gerade das flexibel verfügbare Tagesgeld hat die Zinsschnitte der EZB – als Reaktion auf die Krisen zurückliegender Jahre – sehr schnell zu spüren bekommen.

Gab es hier bei einigen größeren Direktbanken zuletzt noch die Möglichkeit, zumindest 1 Prozent p. a. als Guthabenzins abzugreifen, ist es damit inzwischen endgültig vorbei. ING (► Zum Testbericht) und Advanzia haben ab Oktober den Zins nach unten angepasst. Damit gibt es beim Tagesgeld keine 1 mehr vor dem Komma. Besonders hart trifft es Sparer, die bei der ING ein Tagesgeldkonto nutzen. Seitens der Direktbank werden 0,75 Prozent beim Zins abgezogen. Nach Ablauf von vier Monaten wird noch einmal drastisch an der Zinsschraube gedreht.

Börsenchart
Abbildung 1: Die Zinsen für Spareinlagen sind auf einen neuerlichen Tiefpunkt gefallen – dies befeuert auf der anderen Seite die Börsen.

Drastische Zinssenkung bei letzten Anbietern

Mit den Zinsschnitten der beiden Banken ist es mit Zinsen beim Tagesgeld, welche die 1 vor dem Komma hatten, nun endgültig vorbei. Diese Erkenntnis ist für Sparer in jedem Fall bitter. Schließlich galten solch Aktionsangebote zuletzt noch als der Fels in der Brandung.

Dass sich ING und Advanzia zu diesem Schritt entschlossen haben, ist am Ende logische Folge einer Entwicklung, welche die EZB vor Jahren losgetreten hat. Seit die Europäische Zentralbank massiv an der Zinsschraube gedreht hat, mahnen Kritiker die „Enteignung“ der Sparer an. Welche Kreise diese Entwicklung zieht, ist spätestens jetzt erkennbar.

Tagesgeld ist nicht die einzige Sparanlage, welche den Druck immer stärker zu spüren bekommt. Auch beim Festgeld haben zuletzt wieder Banken den Rotstift angesetzt. Und dass die Sparbücher keine Rendite mehr abwerfen ist schon lange keine News mehr. Wird sich an dieser Situation mittelfristig etwas ändern?

Die Zinspolitik will die Konjunktur stärken

Die EZB verfolgt mehrere Ziele. Auf der einen Seite geht es ihr darum, die Inflation nicht zu stark schrumpfen – aber auch nicht extreme Ausmaße annehmen zu lassen. Der Richtwert liegt bei ungefähr zwei Prozent. Auf der anderen Seite ist erklärtes Ziel der EZB die Stärkung der Konjunktur.

Vor genau diesem Hintergrund finden Zinssenkung und Anleihekäufe statt. Warum greift die Zentralbank gerade zu diesen geldpolitischen Maßnahmen? Über die Zinssenkung wird es Banken leichter gemacht, sich mit Liquidität zu versorgen. Auf diese Weise wollen die Frankfurter Währungshüter eine höhere Kreditvergabe an Unternehmen erreichen.

Sprich: Bekommen Firmen von den Banken leichter – und günstiger Geld – treibt diese freie Liquidität die Konjunktur an. Parallel hat ein niedriger Zinssatz auch auf den privaten Konsum Auswirkungen. Mehr Verbraucher überlegen sich, was sie mit ihrem Geld anfangen. Der Kauf oder Bau einer Immobilie wird attraktiver. Damit profitieren:

  • Makler
  • Handwerksbetriebe
  • Energieberater
  • Baustoffhersteller

indirekt von den niedrigen Leitzinsen. Privater Konsum wird auch dadurch angetrieben, dass die Kreditzinsen für Ratenkredite und Finanzierungen am Point of Sale (PoS) sinken. Dies zeigt sich auf Vergleichsportalen, bei denen man über das Internet einen Kredit abschließen kann. Die Angebote werden stetig günstiger und die Banken locken zudem immer wieder mit Aktionen.

Die Zinspolitik der EZB hat am Ende also nicht nur Verlierer. Allerdings ist der Nutzen dieser Politik – zumindest für den Einzelnen – nicht langfristig positiv. Jeder Euro, der heute beim Sparzins verlorengeht, kann später nicht mehr aufgeholt werden.

Um die Zinspolitik der EZB die Altersvorsorge nicht zu stark aufzehren zu lassen, rücken seit Jahren Alternativen bei der Geldanlage in den Mittelpunkt.

Alternative ETF: Eine gute Wahl

Die Gründe für zurückliegende Zinsschritte der EZB sind nachvollziehbar. Und mögen makroökonomisch begründet sein. In der Praxis bedeuten die niedrigen nicht automatisch, dass Banken mehr Geld an Unternehmen verleihen. Einer höheren Kreditvergabe stehen unter anderem Eigenkapitalvorschriften gegenüber, welche den Kreditinstituten einen klaren Rahmen aufzeigen. Interne Richtlinien setzen der Vergabe zudem weitere Grenzen. Erst im Juli 2019 berichtete Börse-Online über eine entsprechende Geschäftspolitik der Kreditinstitute.

Andererseits ziehen Börsen die freie Liquidität an. Das heißt: Investmentbanker der Kreditinstitute pumpen Kapital eher in die Wertpapiermärkte. Seit der Finanzkrise 2007/2008 haben sich die Kurse an den Börsen nicht nur erholt. Beispiel DAX: Im 10 Jahres Zeitraum hat der deutsche Aktienindex seinen Kurs nicht nur verdoppelt, sondern zeitweise sogar verdreifachen können.

Ähnliche Entwicklungen sind auch bei anderen Indizes, wie:

zu beobachten. Der Höhenflug an den Börsen wirft natürlich die Frage auf, wie Sparer und Kleinanleger von diesem Trend profitieren. Im Direkthandel mit Aktien gibt es Risiken, die aktives Portfolio-Management erforderlich machen.

ETFs sind als Indexfonds in diesem Zusammenhang eine gute Alternative, da Anleger durch den Durchschnittskosten-Effekt auch in Bärenmärkten keine so massiven Verluste – wie im Vergleich zum Einzelinvestment – hinnehmen müssen. Auf der anderen Seite performt das Portfolio mit den ETFs in Bullenmärkten positiv. Zwei Aspekte, die – in Kombination mit der besseren Diversifikation – ETFs als Alternative zu Sparprodukten interessant machen.

Kompass Wirtschaft
Abbildung 2: Auch eine Geldanlage in ETFs sollte entsprechend geplant werden.

Fazit: ETFs als Alternative zum Tagesgeld

Mit dem Zinsschnitt der letzten großen Anbieter, die beim Tagesgeld noch jenseits der 1,0 Prozent Guthabenzins lagen, verdunkeln sich die Wolken über Sparern immer mehr. Losgetreten durch die Zinssenkungen der EZB sind Sparerträge immer schwieriger zu erwirtschaften. Unterm Strich bleibt nur die Frage, in welche Anlageformen das Kapital umgeschichtet werden kann. Trotz der Renditechancen scheuen Anleger – auch unter dem Eindruck der Dotcom-Blase und der Finanzkrise 2007/2008 – den Einstieg ins Wertpapiertrading. ETFs bieten die Chance, eine Brücke zu schlagen. Anleger erreichen damit automatisch eine Risikostreuung und partizipieren bei eher passiv eingestellter Anlagestrategie von der positiven Entwicklung auf dem Parkett. Und ETFs werfen aktuell deutlich mehr Ertrag ab als ein Tagesgeldkonto oder das Sparbuch bei einer Bank.