Pro&Contra: Crasht Trump die Märkte?

Pro&Contra: Crasht Trump die Märkte?

Die unberechenbare Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump und seine umstrittene Wirtschaftspolitik der Trumponomics könnten die Börsen weltweit abstürzen lassen. Oder birgt seine Steuer- und Investitionspolitik eher Chancen auf satte Gewinne an den Aktienmärkten? Zwei Vermögensberater geben ihre Einschätzung.

Pro – Trump wirkt wie ein Brandbeschleuniger

Sowohl der Abwertungswettlauf der Währungen als auch die viel zu hohe weltweite Verschuldung gepaart mit manipulierten Niedrigstzinsen sind das Kernproblem. Bisher gibt es dazu keine vernünftige und nachhaltige Lösung. Kommt es nach Brexit und einem Protektionismus seitens der USA noch zu einem populistischen Unfall in Europa, wird es wohl schwer, die manipulierten und teils überteuerten Aktienmärkte auf dem jetzigen Niveau zu halten.

Man sollte auch bedenken, dass für den Fels in der Brandung – Deutschland – die Entwicklungen in Großbritannien, USA und höchstwahrscheinlich auch in Frankreich extrem negative Folgen für den deutschen Export mit sich bringen könnten. Großbritannien, USA und Frankreich sind die drei wichtigsten Exportpartner für Deutschland. Die Auswirkungen auf die restliche, schwache EU und die Eurozone wären verheerend.

Ein weiteres Problem wäre eine massive Ausweitung der amerikanischen Staatsverschuldung durch Trumps Fiskal- und Infrastrukturprogramm. Sollte Donald Trump mit den hohen Einfuhrzöllen ernst machen, könnten die Gläubiger von US-Treasuries als eine Art Rache ihre gehaltenen Papiere auf den Markt werfen. Ein damit verbundener Zinsanstieg in den USA wird über einen dann möglichen festeren Dollar zu extremen Problemen für die Emerging Markets führen, da die meisten dieser Länder sowohl an den US-Zins als auch den US-Dollar gekoppelt sind. Dabei scheinen US-Gläubiger schon jetzt nervös zu sein. 2016 wurden US-Treasuries in dreistelliger Milliardenhöhe abgestoßen. Diese Entwicklung setzt sich seit Trumps Amtsantritt fort.

Zuletzt schwindet weltweit das Vertrauen in die Politik der Notenbanken – der letzte Hort des Geldes. Crashgefahren an den Aktien- sowie Anleihemärkten sind also genügend vorhanden. Da könnte Trump wie ein Brandbeschleuniger wirken.

Zum Autor: Bernd Flothmann

Trump

Bernd Flothmann ist Vermögensverwalter bei der I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH, in Neuss. Er ist seit über 13 Jahren in einer bankenunabhängigen Vermögensverwaltung tätig und war davor über 18 Jahre im Wertpapiergeschäft einer Großbank in der Vermögensverwaltung beschäftigt.

Contra – Einen Trump-Crash wird es nicht geben

Auch, wenn der neue US-Präsident für Vieles zu Recht verurteilt wird – bezüglich wirtschaftlicher Impulse sollte man ihn nicht unterschätzen. Der US-Präsident wird massiv die Steuern senken, Unternehmen und Banken von ihren Regulierungsfesseln befreien und über staatliche Ausgabenprogramme die Wirtschaft ankurbeln. Dadurch verbessern sich die Margen der Unternehmen, die Gewinne werden angeschoben.

Daneben sprechen weitere Faktoren für stabile US-Börsen: Der Häusermarkt zeigt gute Wachstumsraten, der Konsum ist dank höherer Löhne äußerst robust. Hinzu kommen Aktienrückkaufprogramme, die zu einer Stütze für die Aktienmärkte geworden sind. So haben 2016 die im S&P 500 abgebildeten Gesellschaften 600 Milliarden US-Dollar für den Rückkauf eigener Aktien ausgegeben.

2017 dürften es noch mehr werden. Trump will, dass US-Konzerne ihre im Ausland gehaltene Liquidität zurück nach Amerika holen. Insgesamt sind dies bis zu 1,2 Billionen Dollar, die – einmal repatriiert – zum Großteil in Aktienrückkaufprogramme fließen dürften.

Auch sollte man nicht vergessen, dass US-Unternehmen in Summe nur 30 Prozent ihrer Umsätze im Ausland erwirtschaften. Ein global aufflammender Protektionismus schadet europäischen und asiatischen Konzernen, deren Wohl viel stärker vom Welthandel abhängt, deutlich mehr. Läuft die US-Wirtschaft gut, ist die stärkere Inlandszentrierung positiv für die US-Unternehmen. Natürlich ist nicht alles rosig: So wächst die Produktivität der Firmen kaum noch, die Kapazitätsauslastung liegt bei mageren 75 Prozent.

Trumps America First wird daher zunächst kaum für neue Investitionen sorgen. Nachdem die erste Euphoriewelle abgeebbt ist, kann es deshalb zu Rückschlägen kommen. Doch ein Absturz ist nicht zu befürchten. Zumal die Aktie gegenüber Anleihen die attraktivere Anlageklasse bleibt.

Zum Autor: Michael Reuss

Trump Michael Reuss ist geschäftsführender Gesellschafter bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH in München und ein langjähriger Vermögensanlage-und Finanzberater.

 

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