Rente im EU-Vergleich: Warum deutsche Rentner ärmer sind als in anderen Ländern

Etwa die Hälfte des letzten Nettolohns erhalten Arbeitnehmer mit der höchsten Anzahl an Rentenpunkten in Deutschland. Studien zufolge werden jedoch mindestens 80 Prozent gebraucht, um den eigenen Finanzbedarf in der Rente zu decken. Andere Länder können Rente besser.

Ohne private Altersvorsorge sind wir schon jetzt aufgeschmissen. Und es kommt noch schlimmer, denn das Rentenniveau soll bis 2050 nochmal drastisch sinken. Während hierzulande die Sorgen steigen, setzen unsere Nachbarn in der EU auf modernere Lösungen. Besonders bei der Nachhaltigkeit – also ob ein Rentensystem auch in Zukunft aufrecht erhalten werden kann – schneidet Deutschland international schlecht ab (Melbourne Mercer Global Pension Index). Wie genau sich die Rentensysteme vom deutschen Modell unterscheiden, zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag.

Umlagefinanziertes System gerät ins Bröckeln

Menschen werden immer älter und immer weniger Arbeitnehmer finanzieren die Rentenzahlungen. Bereits heute müssen die Rentenkassen mit Steuereinnahmen subventioniert werden. Die Politik spricht nicht ohne Grund aufgeregt über eine Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre.

Am besten auf die Herausforderungen einer älter werdenden Bevölkerung vorbereitet, sind laut dem Mercer-Index die Niederlande (81 Punkte) und Dänemark (80,3 Punkte). Was machen die Länder besser und was kann Deutschland aus den Modellen lernen?

Tipp: Vermögensaufbau zum Nulltarif? Nutzen Sie das kostenfreie ETF-Sparplan-Angebot der ING *! Jetzt Depot eröffnen! *

Dänemark setzt auf mehrere Pfeiler für die Rente

Dänemark setzt beim Rentensystem auf mehrere Pfeiler. Die Volkspension, die hauptsächlich über Steuereinnahmen finanziert wird, erhält jeder Bürger in gleicher Höhe. Die Basis beträgt bei 6.347 Kronen (ca. 850 Euro). Je nach persönlichen Umständen (verheiratet, alleinstehend etc.) erhalten Bürger weitere Zulagen. Wer seit dem 15. Lebensjahr mindestens 40 Jahre in Dänemark gelebt hat, erhält den Höchstsatz.

Zusätzlich baut das dänische Modell auf die betriebliche Altersvorsorge, die ab einer bestimmten Einkommenshöhe verpflichtend ist und auf private Versicherungen, die steuerliche Vorteile mit sich bringen. Laut aktuellen Daten der OECD erhalten Dänen mit durchschnittlichem Einkommen im Schnitt eine Netto-Rente in Höhe von 80 Prozent ihres letzten Einkommens. Das liegt weit über dem deutschen Rentenniveau.

Niederlande mit doppelter Nettoersatzquote

Auch in den Niederlanden setzt der Staat auf eine Basisrente in Kombination mit weiteren Pfeilern. Die Basisrente erhält jeder Bürger, unabhängig davon, ob er jemals Geld in die Rentenkasse eingezahlt hat oder nicht. Diese wird aus Sozialabgaben und zum Teile aus Steuereinnahmen finanziert. Der Mindestbetrag liegt bei 1.200 Euro. Für jedes Jahr, das Bürger in den Niederlanden wohnen oder arbeiten, bauen Bürger einen Rentenanspruch von 2 Prozent auf. Der Höchstsatz gibt es folglich nach 50 Jahren.

Zusätzlich können Arbeitnehmer eine Zusatzrente aufbauen. Diese Option wird bereits von über 90 Prozent der Unternehmen angeboten. Außerdem existieren zahlreiche private Vorsorgeangebote. Spannend ist der Vergleich der sog. Nettoersatzquote zwischen Deutschland und den Niederlanden. In Deutschland liegt diese bei 51 Prozent (Anteil der Nettorente am letzten Nettolohn vor der Rente). Zum Vergleich: In den Niederlanden sind es ca. 100 Prozent. Natürlich gelingt dies nicht ohne die Anhebung des Renteneintrittsalters. Bis 2022 soll dieses auf 67 Jahre und 3 Monate ansteigen.

Tipp: Sie möchten vorsorgen? Hier gelangen Sie zum Vorsorgerechner von extraETF.

Fazit

Neben den Niederlanden und Dänemark bietet auch Schweden ein vorbildliches Modell, das vorsieht, dass 2 Prozent der Rentenbeiträge in kapitalmarktorientierte Anlagen fließen. Das sorgt durch die Kurssteigerungen für mehr Geld im Rentenalter, während das Risiko aufgrund des langfristigen Anlagehorizontes zu vernachlässigen ist.
Die Altersvorsorge in Deutschland braucht zweifelsohne einen Neustart.

Es gibt viele Vorbilder, an denen wir uns ein Beispiel nehmen können. Unabhängig davon muss ich zum Abschluss noch eines loswerden: Warten Sie nicht darauf, dass andere Verantwortung für Ihre finanzielle Zukunft übernehmen – besonders nicht die Politik, das kann dauern. Gehen Sie Ihre Altersvorsorge proaktiv an und bauen Sie privat vor.

Definieren Sie einen fixen Anteil Ihres monatlichen Einkommens und parken Sie dieses konsequent über einen ETF-Sparplan in ein breit gestreutes Portfolio. Damit verschaffen Sie sich eine Menge Freiheiten, die Sie mit Ihrer Familie im Ruhestand in vollsten Zügen genießen werden.

Tipp: Die neue Ausgabe vom Extra-Magazin ist da: Früher in Rente mit ETFs!