Small- und Mid-Caps: Kleiner ist besser

Im aktuellen Niedrigzinsumfeld suchen Anleger händeringend nach Investmentalternativen. Zur Portfoliobeimischung sollte der Blick auf sogenannte Small- und Mid-Caps gerichtet werden.

Eine genaue Definition, was Small und Mid Caps sind, gibt es nicht. Als Richtwert haben sich für europäische Mid Caps eine Marktkapitalisierung zwischen 0,5 und zwei Milliarden Euro und für Small Caps weniger als 0,5 Milliarden Euro etabliert. In den USA zählen jedoch auch Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 10 Milliarden US-Dollar zu den kleineren Unternehmen. Diese Unternehmen weisen zwar langfristig meist höhere Schwankungsbreiten auf, historisch gesehen zeigen sie aber gegenüber größeren Unternehmen ein deutliches Outperformance-Potenzial.

Die Ursachen dafür sind vielfältig

1) Kleinere und mittlere Unternehmen werden in der Regel von weniger Analysten untersucht, weshalb dieses Marktsegment höheren Ineffizienzen unterliegt. Während große Unternehmen meist von 20 und mehr Analysten betrachtet werden, sind dies bei kleineren amerikanischen Unternehmen oft weniger als zehn Analysten und bei europäischen nicht selten nur ein Analyst.

2) Übernahmen erweisen sich als Performancetreiber. Große Unternehmen suchen nach innovativen kleineren Unternehmen, um ihr Portfolio zu ergänzen, oder sind auf der Suche nach Synergiepotenzialen. Dafür sind sie bereit, Aufpreise zu zahlen.

3) In kleineren europäischen Unternehmen stecken oft Hidden Champions. Das Geschäftsmodell ist meist einfach zu überblicken und weist hohe Markteintrittsbarrieren aus. Da sie sich oft in einer Frühphase ihrer Entwicklung befinden, zeichnen sie sich in der Regel durch starke Expansionen mit soliden Wachstumsraten und Cashflows aus.

4) Auch wenn sich einzelne kleinere Unternehmen als volatiler erweisen als größere, bieten sie im Portfolio Diversifikationsmöglichkeiten. Die Entwicklung weist geringere Korrelationen auf und unterliegt im Gegensatz zu größeren Unternehmen weniger stark internationalen Kapitalmarktströmungen, da diese mehrheitlich von unternehmensspezifischen Nachrichten und Entwicklungen abhängig sind.

5) Zudem besitzen Nebenwerte häufig Ankeraktionäre (strategische Investoren oder Gründungsmitglieder), die am langfristigen Erfolg des Unternehmens interessiert sind und selbst in volatilen Marktphasen an ihrem Investment festhalten.

6) Insbesondere für amerikanische Small und Mid Caps könnte sich der Handelskrieg positiv auswirken, da neue inländische Lieferanten gesucht werden könnten, um Lieferkettenprobleme zu schließen. Weiterhin sollten sie sich als größter Nutznießer der Steuersenkungen erweisen und durch den geplanten Bürokratieabbau in den USA profitieren. Darüber hinaus sind sie vor allem durch organisatorisches Wachstum gekennzeichnet, während größere Unternehmen ihre Gewinne weiter stark durch (teils fremdfinanzierte) Aktienrückkäufe steigern.

Allerdings ist die Entwicklung bei kleineren und mittleren Unternehmen deutlich volatiler als bei größeren. Dafür haben sie ein im Durchschnitt etwa doppelt so starkes Umsatz- und Gewinnwachstum, sodass sie ein höheres Risk-Return-Verhältnis besitzen.

Über den Autor: Patrick Kümmel

Patrick Kümmel ist Leiter Investment Office der LUNIS Vermögensmanagement AG in Frankfurt am Main.

Tipp: Warum man beim Investieren nicht alles auf eine Karte setzen sollte, erfahren Sie in unserem Wissensbeitrag zum Thema Diversifikation.