Sparen wird bestraft – Umdenken bei der Geldanlage ist gefragt

Fast 200 Banken und Sparkassen erheben für Privatkunden Negativzinsen. Allein zum Jahreswechsel führten 24 Kreditinstitute ein Verwahrentgelt ein oder verschärften bestehende Regelungen. Umdenken bei der Geldanlage ist gefragt.

Mittlerweile sind bei vielen Instituten die Normalsparer betroffen. Einige Banken langen bereits ab dem ersten Euro zu. Zeitgleich wachsen die Sparguthaben der Bundesbürger weiter an. Seit Ausbruch der Pandemie legen die Deutschen noch mehr Geld zur Seite.

Noch nie hatten die Bundesbürger so viel Geld auf der hohen Kante. Nach Berechnungen der DZ Bank dürfte das Geldvermögen der privaten Haushalte im Jahr 2020 um 393 Milliarden Euro auf den Rekordwert von 7,1 Billionen Euro zugenommen haben. Das Geld liegt größtenteils auf Girokonten und wird nicht angelegt.

Was tun in Sachen Geldanlage?

„Wohin mit meinem Geld?“ ist die derzeit am häufigsten gestellte Frage von Investoren. Dabei ist die Anzahl der Deutschen, die in Aktien investieren, in den letzten Monaten gestiegen. Die Corona-Krise hat der Aktienkultur in Deutschland zumindest nicht geschadet. Vor allem 15- bis 25-Jährige investierten in Wertpapiere. Dadurch hat sich die Aktionärsstruktur verjüngt. Allerdings liegt Deutschland im internationalen Vergleich immer noch auf einem der hinteren Plätze.

Zu groß sind bei vielen Anlegern die Vorbehalte. Häufig ist nur ein sehr kleiner Teil des verfügbaren Vermögens in Aktien investiert. Denn gerade das Jahr 2020 war für Aktien ein Jahr der Extreme. Der deutsche Leitindex Dax war noch Anfang des Jahres auf einen Höchststand gestiegen, doch mit der sich zuspitzenden Corona-Krise stürzten die Börsen ab. Im März markierte der Dax ein Tief bei 8441,71 Punkten. Danach machte er rund zwei Drittel der Verluste wieder gut. Im Dezember erreichte er neue Rekorde und beendete das Jahr mit 13718,78 Punkten. Immerhin ein Jahresplus von rund 3,5 Prozent.

Tipp der Redaktion: Achten Sie aber immer auf eine breite Streuung. Orientieren Sie sich grundsätzlich an unseren Musterportfolios.

Bei solchen Schwankungen fühlte sich so mancher in seinen Vorurteilen bestätigt und ignoriert die Vorteile. Mit breiter Streuung und langfristigem Anlagehorizont bietet die Aktienanlage überlegene Renditechancen, und die Risiken kurzfristiger Kursschwankungen lassen sich beherrschen. Im Gegensatz dazu verliert das in Sichteinlagen vermeintlich sicher geparkte Geld nur sicher an Wert.

Inflation als Gefahr für die Geldanlage

Vor allem die Inflation könnte sich zu einer Bedrohung entwickeln. Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass mittel- und langfristig die Teuerungsrate wieder steigen wird. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft stellt sich gar auf eine Inflationsrate von 2,6 Prozent ein. Keine bedrohliche Inflationsrate. Aber mit der Inflation ist es wie mit Ketchup aus der Flasche. Man muss lange auf die Flasche klopfen, bis der Ketchup kommt. Aber wenn er kommt, dann ziemlich gewaltig.

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Anleger, die sich um Inflation und Stabilität unseres Geldsystems sorgen, sollten jetzt handeln. Statt das Geld auf dem Konto liegen zu lassen, sollten sie in Sachwerte investieren. Zu den liquiden Sachwerten gehören Aktien. In der Vergangenheit haben diese meistens sogar besser abgeschnitten, wenn die Inflation moderat stieg. Bei Inflationsraten zwischen vier und sechs Prozent sind Aktien der beste Inflationsschutz. Die meisten Beobachter rechnen für 2021 mit einem positiven Aktienumfeld. Bestraft werden vermutlich nur die Sparer, die falsch sparen.

Über den Autor: Markus Richert

Markus Richert ist Finanzplaner bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln.