Trotz temporären Einbußen haben Dividendenstrategien eine Zukunft

Gut 45 Milliarden Euro Dividende wollten Deutschlands Unternehmen ihren Aktionären dieses Jahr überweisen. Das wird durch die Coronakrise nun erheblich weniger. So ärgerlich dies für Dividendenstrategien und geplante Ertragsausschüttungen ist, so wenig Einfluss sollte dies auf die strategischen Entscheidungen dividendenorientierter Anleger nehmen.

Vorzüge von Dividendenstrategien

Dividenden spielen in der Vermögensallokation generell eine entscheidende Rolle. Sie stellen einen weitestgehend planbaren Cashflow dar und dienen als Stabilisator in unsicheren beziehungsweise stark volatilen Aktienmärkten.

Das gilt gerade in Zeiten, in denen klassische Zinspapiere, die traditionell für die laufenden Erträge in einem Portfolio zuständig waren, tief in der Krise stecken und diese Funktion auf absehbare Zeit nicht mehr ausüben werden. Hoffnungen, dass sich Zinspapiere stabilisieren könnten, haben sich durch Corona brutal zerschlagen.

Doch auch Dividendenpapiere sind aktuell kein Garant für stabile Erträge. Schließlich haben die sich zusammenbrauende Rezession und der aktuelle wirtschaftliche Shutdown viele börsennotierte Unternehmen zu der Entscheidung gedrängt, die diesjährigen Dividendenzahlungen zu kürzen oder gleich ganz zu streichen. Das ist nachvollziehbar. Die Unternehmen machen ihre Ausschüttungen von den wirtschaftlichen Prognosen abhängig. Zudem soll die Liquidität kurzfristig gestärkt werden.

Unternehmen und die Dividende in der aktuellen Situation

Selbst Konzerne mit hoher Substanz, die seit Jahren stabile Dividenden zahlen und diese aus den laufenden Gewinnen realisieren, sehen sich einer Ausnahmesituation gegenüber. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Daher wird die derzeitige Krise, die vorbeigehen wird, nicht dazu führen, dass die langfristige Konzentration auf Dividendenzahlungen schädlich ist. Werte mit Substanz, geringer Verschuldung, laufenden Cashflows und Zukunftspotenzial werden nach der Krise und in einer breiten Erholungsphase der Wirtschaft wieder die erwarteten Dividenden zahlen.

Im DAX liegt die Dividendenrendite durchschnittlich bei 2,5 bis 3,5 Prozent. Die Top-Titel erreichen durchaus Werte von rund 5 Prozent. Gleichzeitig liegen die realisierten Dividendenrenditen seit 2013 über den Renditen von Unternehmensanleihen mit fünfjähriger Laufzeit. Aus den historischen Dividendenzahlungen lassen sich Rückschlüsse auf die Qualität einer Aktie und damit generelle Kaufsignale ableiten: Eine hohe Ausschüttungsquote steht meist für Stabilität und Ertragskraft eines Unternehmens und damit dessen Aktie.

Qualität zahlt sich aus

Wichtig erscheint derzeit eine dezidierte Titelselektion. Diese sollte den Fokus auf stabile und nachvollziehbare Fundamentaldaten legen. Sind diese gesichert, können die Unternehmen in den kommenden Jahren ihren Verpflichtungen nachkommen.

Wichtig ist auch, woher die Dividenden stammen. Echte Substanz zeigen die Unternehmen, die die Ausschüttungen aus dem Cashflow leisten, nicht aus dem Kapital. In einer professionellen Dividendenstrategie sind heute mehr denn je die Stabilität der Dividendenzahlungen und die aktuelle Finanzierungsquote wesentlich wichtiger als die reine Höhe der Dividende.

Über den Autor: Dyrk Vieten

Dyrk Vieten ist Geschäftsführer der ficon Vermögensmanagement GmbH in Düsseldorf.

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