Trump braucht den schwachen Dollar

Die Risiken mehren sich, dass die US-Währung schwächer wird. Das wiederum würde massiv die Performance der in Euro geführten Depots drücken.

Die Kursschwankungen des Euro zum Dollar halten sich seit einiger Zeit in engen Grenzen. Fast vergessen sind hierzulande die negativen Auswirkungen eines schwachen Dollars auf Anlagedepots. 2008 lag der Euro noch bei 1,60 Dollar. 2015 erreichte er fast die Parität. Dazwischen gab es teils extreme Ausschläge. Seit fünf Jahren liegt die Schwankungsbreite zwischen 1,05 und 1,25 Dollar.

Für einen schwächeren Dollar spricht, dass die USA regelmäßig ihren Schuldenstand relativ zur Wirtschaftsleistung erhöhen. In absoluten Beträgen türmen die USA jährlich über 1.000 Milliarden Dollar neue Schulden auf. Das entspricht der Hälfte der Gesamtschulden Deutschlands und das Jahr für Jahr!

Die Folge: Die USA wenden etwa drei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für die Zinslast auf, Deutschland nur 0,6 Prozent. Die USA könnten Gefahr laufen, durch zu hohe Zinsen in eine gefährliche Negativspirale bei den Zinskosten zu geraten. Das würde den Dollar schwächen.

Der Kapitalmarkt merkt, dass wohl nur mit einem erneuten Aufkaufprogramm von Anleihen durch die amerikanische Notenbank der Absatz von neuen US-Staatsanleihen gewährleistet werden kann. Ein schwächerer Dollar könnte den Vereinigten Staaten beim Absatz ihrer Staatspapiere helfen. Auch der amerikanischen Konjunktur würde ein schwacher Greenback helfen. Präsident Trump wird deshalb gerade im ersten Quartal versuchen, Druck auf die Notenbank auszuüben, um die Zinsen weiter nach unten zu drücken, was den US-Dollar unattraktiver macht.

Schließlich würde die sich abzeichnende Konjunkturerholung in Europa vermehrt internationale Investoren anlocken und damit den Euro erstarken lassen. Befeuert werden könnte dies durch politische Bemühungen die Konjunktur in Europa anzukurbeln.

Vor diesem Hintergrund würde mich eine Dollarschwäche 2020 nicht überraschen. Eine solche Entwicklung würde den Weltaktienindex belasten, da dieser zu über 60 Prozent aus amerikanischen Werten besteht. Eine enttäuschende Performance von US-Werten und Währungsverluste würden aus Sicht eines Euro-Anlegers zur bitteren Pille. Die USWährung bleibt dennoch im Sinne der Risikostreuung ein wichtiger Bestandteil in einem globalen Portfolio. Ob die Währung künftig einen positiven Beitrag zur Depotentwicklung leistet, erscheint jedoch fraglich.

Über den Autor: Gottfried Urban

Gottfried Urban ist Geschäftsführer der Urban & Kollegen GmbH Vermögensmanagement in Altötting.

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