Unternehmensanleihen als Heilsbringer

Unternehmensanleihen als Heilsbringer

 


In Zeiten negativer Realzinsen werden Stiftungen verstärkt Unternehmensanleihen empfohlen. Ist dieser Ansatz wirklich der Ausweg aus dem Dilemma, dass Stiftungen neben dem realen Erhalt des Stiftungsvermögens auch Erträge für die Finanzierung Ihrer Förderaktivitäten generieren sollen? Diese Frage stellt sich Thomas Wüst, Geschäftsführer der Valorvest Vermögensverwaltung.

Sichere Anleihen bieten keine Rendite

Anleihen großer deutscher Konzerne mit guter Bonität helfen Stiftungen zumeist nicht aus diesem Dilemma. So bietet eine Daimler-Anleihe mit etwa sechsjähriger Restlaufzeit derzeit eine Rendite von knapp 1,5 Prozent. Trotzdem herrscht am Markt für Neuemissionen eine wahre Goldgräberstimmung. Mit der von Siemens Ende August am Markt unterbrachten Anleihe mit zweijähriger Laufzeit und einem Zinskupon von 0,375 Prozent wird nicht einmal das unternehmerische Risiko bezahlt.

Thomas Wüst
Thomas Wüst

Der Markt für Firmenbonds ist sehr vielfältig. So bieten Euro- Unternehmensanleihen mit Nachrangcharakter, längerer Restlaufzeit oder Ratings außerhalb des Investment-Grades durchaus attraktive Renditen. Auch Anleihen von Unternehmen, die ihren Firmensitz in den Südländern der Eurozone oder Irland haben, rentieren trotz Investment-Grade-Ratings zumeist auf einem höheren Renditeniveau als vergleichbare Emissionen deutscher Unternehmen. Eines ist jedoch klar: Um in den Genuss attraktiverer Renditen zu kommen, muss die Bereitschaft vorhanden sein, gewisse Risiken zu tragen. Ohne dass es konkrete Vorschriften der Stiftungsaufsicht gibt, wird gemeinnützigen Stiftungen in der Regel gestattet, bis zu einem Drittel des Stiftungsvermögens in derart risikobehafteten Investments anzulegen.

Möglichkeiten für Stiftungen

 

Werden dem Stiftungsvermögen Anleihen von Unternehmen mit schwächerer Bonität oder längerer Restlaufzeit beigemischt, ist ein Risikomanagement unabdingbar. Einzelne Anleihepositionen außerhalb des Investment-Grade- Ratings sollten maximal 2,5 Prozent des Stiftungsvermögens betragen. Angesichts der Aussagen der Zentralbanken, die Geldpolitik bis 2015 expansiv auszurichten, können Stiftungen auch länger laufende Anleihen beimischen. Die Restlaufzeit einer Anleihe sollte jedoch umso kürzer sein, je schlechter die Bonitätseinstufung des Unternehmens ist.

Alternativ lässt sich das High-Yield-Segment auch durch breit diversifizierte, ausschüttende Rentenfonds abdecken, bei denen Stiftungen aber auf die fondsinternen Kosten achten müssen. Zwischenzeitlich gibt es auch Exchange Traded Funds (ETFs), die dieses höher rentierliche Anlagesegment zu günstigen Konditionen abdecken. Sind in der Stiftungssatzung ethische oder ökologische Kriterien der Anlagepolitik definiert, gelten diese auch für Unternehmensanleihen.

Künftig verstärkt auf Firmenbonds von Emittenten guter Bonität zu setzen, hilft einer Stiftung nur bedingt weiter. Wenn Stiftungen dazu bereit sind, in dem aufsichtsrechtlich gestatteten Rahmen höhere Risiken in der Anlagepolitik in Kauf zu nehmen, sind attraktivere Renditen möglich. Damit gemeinnützige Stiftungen möglichst gut durch die Phase der „Financial Repression“ kommen, ist jedoch mehr als der Einsatz von Corporates notwendig. So bieten auch währungsgesicherte Anleihefonds aus den Emerging Markets noch attraktivere Renditeniveaus. Aufgrund ihres sehr langfristigen Anlagehorizonts ist für Stiftungen ein Aktienanteil zur breiteren Diversifikation des Stiftungsvermögens empfehlenswert – auch mit Blick auf die teilweise attraktiven Dividendenrenditen. Warum sollen Stiftungen von der aktuellen Situation an den Finanzmärkten, durch die sich börsennotierte Unternehmen Kapital zu sehr günstigen Konditionen über die Ausgabe von Anleihen beschaffen können, nicht auf direktem Wege über Aktien profitieren?