Volkswirtschaften in Europa vor wichtigem Schritt zur Bewältigung von Corona

Mit den bereits angekündigten Lockerungen bestehender Shutdown-Maßnahmen in Europa ist für das bevorstehende Halbjahr ein breiter wirtschaftlicher Aufschwung absehbar.

Angesichts des fortschreitenden Impffortschritts in der Eurozone kann man auch davon ausgehen, dass in den kommenden Wochen weitere Einschränkungen zurückgefahren werden. Gestützt wird diese Aussicht von anhaltenden fiskalischen Unterstützungsmaßnahmen der Nationalstaaten – nicht zuletzt auch durch die voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2021 startenden Auszahlungen aus dem EU-Wiederaufbaufonds. Diese werden vor allem für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, die nachhaltige Transformation der Wirtschaften sowie die Steigerung der Resilienz der Gesundheitssysteme, investiert. Auf Frankreich entfallen 40 Milliarden Euro des insgesamt 750 Milliarden Euro schweren Fiskalpakets der EU, durch die ein Teil des im September 2020 auf den Weg gebrachten Wirtschaftsplans „France Relance“ finanziert wird.

Die staatlichen Unterstützungen haben in Frankreich bereits 2020 zu einem erheblichen Haushaltssaldo von Minus zehn Prozent geführt. In diesem Jahr ist mit einem Rückgang von etwa acht Prozent zu rechnen. Im Ergebnis dürfte die Staatsverschuldung – bezogen auf das BIP von knapp 100 Prozent vor der Krise – auf über 120 Prozent ansteigen. Allein in diesem Jahr werden französische Staatsanleihen mit einem Gegenwert von knapp 20 Prozent des BIP emittiert werden. Aufgrund der anhaltend niedrigen Risikoprämien im Vergleich zu Bundesanleihen ist die Bedienung der Staatschulden jedoch bis auf weiteres gesichert. Solange die EZB an Ihren Anleihekaufprogrammen festhält, dürfte sich daran auch nichts ändern.

Die Aussichten für Europa

Nach einem relativ hohen Einbruch im Vorjahr um 8,3 Prozent hat die wirtschaftliche Dynamik in Frankreich zuletzt deutlich zugelegt. Anders als für die gesamte Eurozone und Deutschland konnte für die französische Volkswirtschaft im ersten Quartal ein positives Wachstum in Höhe von 0,4 Prozent (im Vergleich zum Vorquartal) vermeldet werden. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet gemäß aktueller Schätzungen aus April ein Wachstum in Höhe von 5,8 Prozent in diesem und 4,2 Prozent im kommenden Jahr und damit ebenfalls mehr als für die gesamte Eurozone (4,4 bzw. 3,8 Prozent). Dabei profitiert auch die französische Industrie bereits seit Monaten von einer starken Exportnachfrage aus China. Perspektivisch wird zudem die Nachfrage der wichtigsten Exportabnehmer Frankreichs, Deutschland (14 Prozent der französischen Exporte in 2019), der USA (8,5 Prozent) und Italien (7,6 Prozent) aufgrund des in den jeweiligen Volkswirtschaften absehbar ebenfalls sehr hohen Wachstums in den kommenden Monaten zunehmen, wenngleich die neben Medikamenten wichtigsten Exportgüter Frankreichs eng mit der Flugzeugindustrie zusammenhängen, deren Erholung eher langsamer voranschreiten dürfte.

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Die Ende April von Staatspräsident Macron angekündigten sukzessiven Öffnungsschritte sehen bis Ende Juni auch eine Beendigung von Ausgangsbeschränkungen vor – u.a. erfolgte per 19. Mai eine weitgehende Aufhebung von Einschränkungen für den Einzelhandel und die Gastronomie im Außenbereich. Damit stehen auch die für etwa 15 Prozent der gesamten französischen Wertschöpfung stehenden, besonders von den Corona-Restriktionen betroffenen Dienstleistungssegmente des sozialen Konsums, vor einer deutlichen Erholung. Auch in Frankreich dürfte die Auflösung eines größeren Konsumstaus die Entwicklung in den kommenden Monaten vorantreiben. Entsprechend ist mit einem deutlichen Anstieg der Unternehmensstimmung im Bereich der Dienstleistungen, bspw. gemäß Markit-Einkaufsmanagerindizes, zu rechnen.

Wahlen in Frankreich

Mittelfristig werden auch politische Entwicklungen in Frankreich wieder mehr Beachtung finden. Zunächst stehen im Juni 2021 Regionalwahlen an, die als Stimmungstest für den Präsidenten und seine Partei gelten. Im Frühjahr 2022 finden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Aus heutiger Sicht ist erneut Marine Le Pen die wichtigste Herausforderin Macrons mit guten Chancen auf den Sieg. Sollte sich ein Machtwechsel abzeichnen, wäre an den Kapitalmärten zumindest mit zwischenzeitlichen Unsicherheiten zu rechnen. Bis dahin aber bleiben die Perspektiven für französische Aktien analog der Situation in der gesamten Eurozone positiv. Wirtschaftlicher Aufschwung und anhaltend niedrige Zinsen unterstützen generell reale Anlageklassen. Besonders die Schwergewichte des französischen Standardwerteindex CAC 40 aus den Branchen Konsum dürften weiter vom globalen wirtschaftlichen Aufschwung profitieren.

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Über den Autor: Carsten Mumm

Carsten Mumm ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel.