Wert und Wachstum – worauf kommt es bei Aktien an?

Es scheint das ewige Duell der Anlagestrategien: Defensive Value- oder offensive Growth-Aktien? Darauf kommt es wirklich an.

In den vergangenen Monaten hatten die sogenannten Wert-Aktien bedingt durch den breiten Aufschwung der Weltwirtschaft einen guten Lauf, während Wachstumsaktien das Nachsehen hatten. Die erlebten zuletzt ein Comeback.

Während sich die Dax-Werte im vergangenen Monat unterm Strich nicht nennenswert bewegten, machte der TecDax im gleichen Zeitraum knapp vier Prozent an Boden gut. Anfang Juli erreichte der TecDax mit 3.643 Punkten sein bisheriges Allzeithoch.

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Dennoch ist Vorsicht geboten. Zwar bestimmen aktuell eher die Bullen die Stimmung des TecDax. Ob sie weiterhin die Oberhand behalten werden, dürfte unter anderem von den Quartalszahlen dies- und jenseits des Atlantiks abhängen, die in den kommenden Wochen nach und nach vorgelegt werden. Die Unternehmen des US-Technologieindex Nasdaq beginnen früher mit der Vorlage ihrer Zahlenwerke und dürften damit die Richtung vorgeben. Für Anleger gilt es an diesem Punkt besonders aufmerksam die Entwicklung zu beobachten.

Growth-Aktien sind zurück

Das Comeback der Growth-Aktien und Technologiewerte könnte durchaus noch eine Weile anhalten. Einerseits ist der Trend zur Digitalisierung, Automatisierung, künstlicher Intelligenz oder Cloud-Technologien ungebrochen. Andererseits verknüpfen immer mehr Unternehmen aus dem Growth-Bereich mittlerweile die Eigenschaften von zukünftigem Wachstum und substanziellem Wert. Gute Beispiele dafür sind Amazon (ISIN: US0231351067), Google (ISIN: US02079K1079) oder Microsoft (ISIN: US5949181045). Im TecDax sind das Unternehmen wie SAP (ISIN: DE0007164600), Deutsche Telekom (ISIN: DE0005557508), Jenoptik (ISIN: DE000A2NB601) oder Qiagen (ISIN: NL0012169213).

Anders als der Internet-dominierte Nasdaq repräsentiert der TecDax zudem mehr Brachen. Im heimischen Technogolgie-Index sind Unternehmen aus den Bereichen Biotechnologie, IT-Dienstleistungen, Telekommunikation, Softwareentwicklungen, Informationstechnik und Windenergie enthalten. Alles etablierte Papiere mit Wachstumspotenzial.

Wie lange der aktuelle Trend, weg von traditionellen Werten mit guten Bewertungen und soliden Gewinnen hin zu Wachstum und der Hoffnung auf künftige Gewinne anhält, ist wie immer an der Börse schwer zu kalkulieren. Es hängt nicht zuletzt von geld- und steuerpolitischen Entwicklungen sowie der künftigen globalen Wirtschaftsentwicklung ab.

Unabhängig von den kurzfristigen Entwicklungen sollten im Rahmen des langfristigen Vermögensaufbaus mit Aktien neben Value- künftig auch Growth-Aktien Bestandteil eines diversifizierten Portfolios sein. Denn die traditionelle Trennung von Value- und Growth-Aktien hat nicht mehr uneingeschränkt Gültigkeit. Für Anleger heißt das: Sie müssen im gesamten Anlage-Kosmos Unternehmen identifizieren, die Wert und Wachstum gleichermaßen abdecken.

Über den Autor: Markus Zschaber

Markus Zschaber ist Geschäftsführender Gesellschafter der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus C. Zschaber mbH in Köln.