Wie Anleger von der aktuellen Börsenentwicklung profitieren

Ein Blick auf die Börsenentwicklung in Deutschland erweckt den Anschein, dass die wirtschaftliche Krise bereits überstanden ist. So können Anleger jetzt vorgehen.

Der Dax notiert (zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Texts) mit einem Stand von über 13.000 Punkten schon fast wieder auf dem Niveau vom Januar und mit Ausnahme einzelner Turbulenzen rund um Wirecard und der Rettung der Lufthansa wirkt alles wie immer. Doch der Schein trügt: Trading- und Investment-Experte Fuat Akar rät zur Besonnenheit, erklärt, wie Anleger mit Short ETFs eine attraktive Alternative zum aktiven Investment nutzen können und was Börsenwissen mit dem Führerschein zu tun hat.

Risikomanagement an der Börse: So wird ein Totalverlust à la Wirecard verhindert

Das Wirecard-Debakel hat viele Investoren in eine Art Schockstarre versetzt. Nicht wenige Aktieninhaber mussten angesichts der Insolvenz des Unternehmens nahezu Totalverluste hinnehmen. Doch wie hätten Trader ein solches Szenario verhindern können? Laut Fuat Akar kommen dabei zwei wichtige Faktoren zusammen:

1. Ob Trader oder Investor: Unternehmen genauer anschauen

In Bezug auf Wirecard hätte ein genauerer Blick in das Unternehmen bereits einige Warnzeichen hervorgebracht. So ließ sich bereits seit Anfang September 2018 ein fallender Trend ausmachen. Die Wirecard-Aktie konnte seitdem nie wieder ihr altes Niveau erreichen. Hier bewahrheitete sich aus Trader-Sicht eine alte Weisheit: „Niemals in ein fallendes Messer greifen“.

Die Sonderprüfungen der Bilanzen wären für viele Investoren zudem ein zu großes Risiko gewesen, um tatsächlich einzusteigen. Wer trotz eines solches Damokles-Schwertes Wirecard-Aktien gekauft hat, um ein Schnäppchen zu sichern, begab sich ganz klar auf das Terrain der klassischen Spekulation. Das kann gut gehen, muss es aber leider nicht.

2. Risikomanagement: Niemals alles auf eine Karte setzen

Darüber hinaus sollten Investoren niemals alles auf eine Karte setzen. Mit einem richtigen Risikomanagement wird verhindert, dass ein Trade am Ende zu hohe Verluste mit sich bringt. Ich rate daher unbedingt Stop-Loss Order zu setzen.

Short-ETFs: Eine spannende Alternative zum aktiven Trading

Trading – also der Handel an der Börse und auch langfristige buy&hold Investments in einzelne Aktien erfordern viel Wissen, welches sich Anleger erst über einen längeren Zeitraum hinweg aneignen können. Wer direkt einsteigen und dabei sein Risiko kontrollieren möchte, fährt in der aktuellen Börsenlage mit Short positionierten ETFs nicht schlecht.

ETFs bieten generell viele Vorteile:

  • Kein Investment in ein einzelnes Wertpapier (bessere Risikostreuung)
  • ETFs bilden oft Bereiche ab, die auf Indizes, bestimmte Branchen, Länder, Technologien oder Unternehmenstypen spezialisiert sind
  • Geringe Management-Gebühren, da die Fonds passiv gemanagt werden

Mein Tipp für Anleger in der aktuellen Krisen-Zeit: Auf Short-ETFs setzen. Ein gutes Beispiel ist der doppelt gehebelte Short ETF auf den Dax von Lyxor (WKN: LYX0FV). Fällt der Dax, steigt der Kurs der ETF-Papiere um den entsprechenden Wert. Eine sehr gute Alternative zum aktiven Short-Trading und gut geeignet zur Beimischung! Da ich in einem Kinderdepot kein Short-Selling tätigen darf, habe ich diesen Titel im steuerfreien Anlagendepot meiner beiden Kinder. Manchmal muss man etwas kreativ sein.

Finanzielles Know-how gleicht einem Führerschein an der Börse

Es gibt gefühlt eine Million verschiedener Strategien, um an der Börse Erfolge zu feiern. Doch ohne das nötige finanzielle Know-how geht nichts. Wer nicht die Basics beherrscht, kann die Zusammenhänge an der Börse nur schwer durchschauen und macht schnell Verluste. Zusammen mit meiner Frau Marta haben wir aus eigenem Interesse unser privates Vermögen zu schützen eine Trading-Strategie bei der unsere Teilnehmer maximal ein Prozent ihres Kapitals riskieren und auf diese Weise systematisch fünf Prozent Rendite pro Woche (Durchschnitt) erzielen.

Wer auf ETFs setzt, streut zwar das Risiko, jedoch kann es trotzdem zu Problemen kommen, wenn eine ganze Branche kriselt oder in einer Region die Zeichen auf Rezession stehen. Unsere Trading-Strategie löst den Airbag aus, tauscht Positionen und begrenzt so das Risiko. Diese Strategie ist auf alles anwendbar, was einen Börsenkurs hat: Indizes, Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle und selbstverständlich auch ETFs.

An den Börsen entsteht eine Blase – eine Einschätzung

Wer sich das Geschehen an der Börse genauer anschaut, wird schnell merken, dass sich gerade eine riesige Blase aufbaut. Der Dax befindet sich auf dem Niveau von 2017, was in etwa dem Stand von Januar 2018 entspricht und im Januar 2020 sogar um knapp 500 Punkte überschritten wurde. Diese Kurse lassen sich durch die wirtschaftliche Entwicklung in keiner Weise rechtfertigen. Große Unternehmen zeichnen riesige Verluste: Daimler meldete in Q1 einen Gewinnrückgang von knapp zwei Millarden Euro und in Q2 einen Verlust von zwei Milliarden Euro und die Lufthansa musste sogar mit milliardenschweren Hilfen vor der Pleite gerettet werden.

Das aktuelle Kursfeuerwerk basiert zu einem großen Teil auf den großen Mengen an billigem Geld, mit denen die EZB die Märkte flutet. Anleger sollten sich einfach fragen: „Haben wir aktuell die gleiche Situation wie im Januar 2018 oder Januar 2020?“. Die Antwort: Nein. Aus diesem Grund gehe ich davon aus, dass diese Kursblase bald platzen wird. Wenn Trader auf fallende Kurse setzen, könnten sie davon in naher Zukunft profitieren. Mit ein Grund dafür, warum ich Short-ETFs aktuell als interessante Option betrachte.

Über den Autor: Fuat Akar

Fuat Akar (verheiratet mit Marta Akar, zwei Kinder) ist Gründer und Geschäftsführer der von Ex-Bundespräsident Christian Wulff als TOP CONSULTANT 2018 ausgezeichneten Unternehmensberatung Prozessreich. Er besitzt mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Führung von Unternehmen wie der WÜRTH Elektronik Gruppe. Zusammen mit seiner Frau Marta hat er eine Akademie gegründet, in der sie Menschen systematisch coachen und über das richtige Mindset und das Zusammenspiel von drei Säulen (Trading, Business und Immobilien) helfen finanziell unabhängig zu werden.