Wild West war einmal – Bitcoins werden reguliert

Wild West war einmal – Bitcoins werden reguliert

Die Wertsteigerungen bei den Kryptowährungen Bitcoins sind beachtlich. Genau das macht den Reiz aus, in diese Währungen zu investieren. Denn oftmals ist es nicht der Glaube an ein neues Währungssystem oder eine unregulierte Handelbarkeit sondern allein die Gier nach Gewinnen, die Spekulanten antreibt, Kryptowährungen zu kaufen.

Mit der Abspaltung des Bitcoin Cash Coins von der eigentlichen Bitcoin-Währung kommt eine weitere Kryptowährung auf den großen Spielplatz. Bei der Abspaltung war die Volatilität beachtlich hoch, typisch für Digitalwährungen. So stand die Währung zum Start bei etwa 394 US-Dollar und stieg nach Freigabe des Handels durch Bitcoin-Börsen kurzeitig auf 756 US-Dollar, um dann wieder auf rund 260 US-Dollar zu fallen.

Ob beide Kryptowährungen nebeneinander friedlich existieren können oder ob die eine Währung die andere überflüssig macht, mag zu diesem Zeitpunkt niemand beantworten. Die horrenden Kursbewegungen während der Aufspaltung und die damit verbundenen Gewinne sowie Verluste zeigen einmal mehr wie interessant, aber zugleich, wie gefährlich dieser Markt ist.

Deutlich wird das durch Zahlen aus den vergangenen ICOs (Initial Coin Offerings), was kurz gesagt Crowdfunding-Kampagnen sind, die selbst erzeugte beziehungsweise geschaffene Kryptowährungen (sogenannte Token) ausgeben, die wiederum einen Anteil an dem herausgebenden Unternehmen darstellen. Durch den frühzeitigen Einstieg erhoffen sich Anleger eine große Rendite. So hat das ICO „Banor“, das größte, das je gestartet wurde, knapp 150 Millionen Dollar einsammeln können. „Status“, ein weiteres ICO, erreichte knapp 100 Millionen Dollar.

Es ist leicht vorstellbar, dass einige Personen damit sehr reich geworden sind. Solche Summen wecken Begehrlichkeiten und ziehen ungebetene Gäste an. Weil das System der Digitalwährung auf Kryptografie basiert, ist es interessant für Hacker, die oftmals leichtes Spiel haben, gewisse Algorithmen zu ihren Gunsten zu ändern. So kam es bei dem ICO eines israelischen Unternehmens zu einer irregeleiteten Überweisung von sieben Millionen Dollar an einen Hacker.

Die Geschehnisse rufen sowohl die Börsenaufsicht der Vereinigten Staaten (SEC) als auch die Europäische Zentralbank auf den Plan. Die SEC geht dabei mit ihren geplanten Schritten einen radikalen Weg, der auf Verständnis und auf Irritation bei Investoren stößt. So plant die SEC, die Token als reguläre Wertpapiere einzustufen und dem für Wertpapiere geltenden Gesetz zu unterstellen. Eine wichtige Folge daraus wäre die Besteuerung der aus der Investition generierten Erträge.

Die Regulierung hat noch einen weiteren Hintergrund. Kryptowährungen sind aufgrund ihrer Beschaffenheit des anonymen Handels eine Möglichkeit, Geldwäsche in großem Stil zu betreiben. Den ICO „The DAO“ hat die SEC bereits geprüft und kam zu dem Ergebnis, dass es sich bei den verteilten Token um Wertpapiere handele und die SEC somit Vorabinformationen und ein offizielles Angebot des ICO hätte erhalten müssten.

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Zu einer Anzeige kam es trotzdem nicht. Die SEC sieht diese Mitteilung als Warnschuss für alle folgenden ICOs und erhofft sich, den Markt zu sensibilisieren. Sie möchte keinen direkten Einfluss auf folgende ICOs nehmen, sondern vielmehr dem Markt eine breitere öffentliche Akzeptanz ermöglichen. Dass die Digitalwährungen den Schritt der SEC beinahe erwartet haben, zeigt sich daran, dass die Kurse der Kryptowährungen keinen überproportionalen Kursschwankungen ausgesetzt waren.

Für kommende ICOs ist der Schritt der SEC mit Kosten verbunden, denn ein Registrierungsprozess bindet Zeit sowie Kapital, welches nicht in das eigentliche Projekt fließen kann. Weniger aktiv aber nicht weniger aufmerksam zeigt sich die Europäische Zentralbank. Man schaue sich die Geschehnisse am Markt an, aber die virtuellen Währungen sind in den Augen der Europäischen Zentralbank ein Nischenprodukt und Mario Draghi sehe trotz eines Marktkapitals von 100 Milliarden Dollar keinen Zusammenhang zwischen virtueller Währung und Realwirtschaft. Trotz dieser Aussage sei eine internationale Regulierung notwendig.

Die Zeiten, in denen es bei Kryptowährungen und ICOs zugeht wie im Wilden Westen, scheint vorbei. Es wird sich zeigen müssen, ob dem Markt der Digitalwährungen die Regulierung eher nutzt oder schadet. Nichtsdestotrotz ist das Potenzial der Kryptowährungen und vor allem der Blockchain nicht abzusehen.

Hintergrund:

Der Ursprung der Kryptowährungen ist auf das Jahr 2008 zurückzuführen – der Zeitpunkt, an dem die Weltwirtschaft mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen hatte und das Vertrauen in die vorhandene Banken- und Währungsordnung verletzt war. Das Zahlungssystem, Bitcoin, losgelöst von staatlicher Kontrolle, gelangte immer weiter in den Vordergrund und stieß bei vielen Menschen auf große Neugierde.

Wichtigster Punkt, warum Kryptowährungen immer populärer wurden, ist der, dass die Währungen keiner zentralen Autorität unterliegen und somit nicht auf dem Vertrauen in das bestehende Währungssystem basieren, sondern auf der Legitimation durch Kryptografie. Das bedeutet auch, dass Transaktionen, gefördert durch den technischen Fortschritt, schneller und kostengünstiger als bisher durchgeführt werden können. Die dahinterliegende Technologie, die alle Transaktionen speichert und verifiziert, heißt Blockchain und ist das eigentliche Fundament jeder Kryptowährung.

Dr. Andreas Schyra ist Geschäftsführer des IPAM – Institut für professionelles Asset Management GmbH in Essen.