Von Carlos Link-Arad28. September 2021
David Döbele (Pumpkincareers): "Ich setze im Portfolio fast ausschließlich auf ETFs"

24-jähriger Startup-Gründer: Darum setze ich in meinem Portfolio fast ausschließlich auf ETFs

Was denken Studenten über Geldanlage? Gehört das eigene Unternehmen zur Altersvorsorge? Und wie sieht das Portfolio eines 24-jährigen Gründers aus? Antworten auf diese Fragen liefert uns David Döbele, Gründer der Karriereberatung Pumpkincareers aus Frankfurt am Main.

Herr Döbele, viele Gründer gehen das Thema private Altersvorsorge eher passiv an – wie sieht es bei Ihnen aus?

Eigentlich sehr aktiv. Schließlich ist mein Unternehmen meine beste Altersvorsorge – und hieran arbeite ich täglich äußerst aktiv. Das Thema Altersvorsorge gehe ich aber nur passiv an – um mich mit Aktieninvestments genügend zu beschäftigen, fehlt mir schlichtweg die Zeit. Es lohnt sich für mich viel mehr, meine Zeit in meine Mitarbeiter und mein Unternehmen zu investieren als in aktive Anlagestrategien. Deshalb setze ich in meinem Portfolio auch fast ausschließlich in ETFs.

Können Sie uns einen kleinen Einblick geben, wie Sie Ihr Portfolio zusammenstellen?

Mein Portfolio besteht zu einem Teil aus reinem Cash für Notfälle. Diese „eiserne“ Reserve wird bei mir nur im Worst-Case-Szenario angerührt. Ansonsten ist mein Geld über einen FTSE All-World-ETF angelegt und ich investiere zusätzlich in wenige Einzelaktien, zu denen ich eine besondere Bindung habe. Darunter gehören beispielsweise Alphabet-Aktien (Google) oder ein ganz kleiner Anteil an Kryptowährungen, weil ich den Markt besonders spannend finde.

Insgesamt betrachte ich mein Portfolio als defensiv. Ein weiterer Bestandteil meines Nettovermögens ist die Beteiligung an meinem Unternehmen. Derartige Assets halte ich für besonders wertvoll, da ich das Wachstum und die Wertentwicklung aktiv durch meine unternehmerischen Entscheidungen beeinflussen kann. Diese Unabhängigkeit von externen Entscheidungsgebern ist unbezahlbar.

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Den Schwerpunkt in Ihrem Portfolio bilden neben der Beteiligung an Ihrem Unternehmen also ETFs?

Exakt, für aktive Investments fehlt mir die Zeit, da ich einen Großteil meiner Woche im Unternehmen mit meinem Co-Founder und Mitarbeitern verbringe. Da meine Beteiligung eine große Gewichtung in meiner Vermögensstruktur einnimmt, gehe ich den Rest meiner Altersvorsorge – wie oben bereits erwähnt – relativ defensiv ein, um hier Stabilität aufzubauen. Langfristiges Ziel ist es, mit unseren Unternehmen einen stabilen Einkommensstrom aufzubauen, mit dem wir problemlos unseren privaten Finanzbedarf und Lifestyle decken können.

Über Ihr Unternehmen haben Sie viel Kontakt mit Studierenden. Wie gehen diese jungen Leute mit Finanzen um? Haben Sie da Erfahrungswerte sammeln können?

Äußerst heterogen. Insbesondere unter BWL-Studierenden gibt es viele, die sich mit Aktieninvestments und Börse viel in der Freizeit beschäftigen, gegebenenfalls sogar Day Trading in der Vorlesung betreiben und regelmäßig an Börsenspielen teilnehmen. Gleichzeitig gibt es auch andere, die absolut keine Zeit dafür finden. Diejenigen, die sich sehr aktiv mit dem Thema beschäftigen, erzielen teilweise sehr beachtliche Renditen. Meistens erfahre ich jedoch nur von den Erfolgstories, sodass ich hier keine verlässliche Einschätzung geben kann. Rendite ist – zumindest in vielen Fällen – ein entscheidender Treiber.

Insgesamt spüre ich, dass sich – unter anderem durch den Einfluss von Neo-Brokern wie Trade Republic * – deutlich mehr junge Leute zur Börse hingezogen fühlen. Mir persönlich geht es ähnlich. Auch wenn oft noch mit den „fragwürdigen“ Anreizen investiert wird, halte ich diese frühe Auseinandersetzung mit der Finanzwelt für einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung.

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Sie hatten nach dem Studium die Möglichkeit, einen gut bezahlten Job anzunehmen. Wie kam die Entscheidung zur Selbstständigkeit?

Ich habe mich weniger gegen die hoch dotierten Jobs bei Beratungsgesellschaften oder im Banking entschieden als für die Selbstständigkeit und für das Unternehmertum. Ich habe in diesem Bereich einfach noch mehr Möglichkeiten gesehen, mich so zu entfalten, dass ich meine Potenziale zu 100% realisieren kann. Ich kann heute genau das tun, womit ich den meisten Mehrwert für mich und mein Unternehmen erziele. Wenn das Timing stimmt und man auf ein gut funktionierendes Geschäftsmodell aufbaut, mit dem man einer breiten Zielgruppe bei der Bewältigung signifikanter Herausforderungen helfen kann, dann ist das – aus meiner Sicht und trotz der Risiken – so gut wie immer die beste Option.

Es war allerdings nie so, dass ich gesagt habe: Ich möchte auf Teufel komm raus Gründen, wie man es meiner Meinung nach bei vielen „gefloppten“ Gründerstories beobachtet. Es hat sich alles sehr natürlich entwickelt. Durch meinen Youtube-Kanal, den ich während meines Studiums aufgebaut habe, habe ich mir bereits frühzeitig eine große Reichweite mit über 20.000 Followern aufgebaut. Über diese Reichweite kamen immer mehr Leute auf mich zu, die mich nach Karrieretipps gefragt haben. Das hat bei mir den Impuls ausgelöst, aus dieser Idee nach dem Studium ein Unternehmen zu entwickeln.

Natürlich musste ich vor allem in den ersten Monaten der Gründung finanziell viele Opportunitätskosten in Kauf nehmen. Das war jedoch etwas, was für mich problemlos möglich war, da ich während meines Studiums keinen hohen Lebensstandard gewohnt war. Dadurch habe ich nicht den Drang verspürt, schnell viel Geld zu verdienen und war immuner gegen lukrative Job-Angebote. Auch wenn ich heute weniger als ein Investmentbanker verdiene – in 10-15 Jahren kann das als Gründer dann nochmals gänzlich anders aussehen.

In einer Stadt wie Frankfurt mit knapp 1.000 Euro pro Monat zu leben, war sicherlich eine Herausforderung. Wie genau haben Sie Ihre Finanzen während des Studiums organisiert?

Ich blieb nach meinem Studium tatsächlich noch für knapp anderthalb Jahre in meinem kleinen Studentenzimmer wohnen, um meine Fixkosten zu minimieren, damit wir jeden Cent in das Wachstum unserer Firma sowie in neue Mitarbeiter investieren konnten. Dadurch hatte ich verhältnismäßig geringe Wohnkosten von circa 350 Euro im Monat.

Dadurch, dass ich außer zu arbeiten, nicht viele andere Sachen unternommen habe, gab es auch nicht viele Anlässe mein Geld anderweitig auszugeben. Ich habe nicht wirklich Urlaub gemacht, war abends fast nie in Bars oder Restaurants. Mein gesamtes Geld habe ich nur für Miete, Lebensmittel und gelegentlich für ein neues Hemd ausgegeben. Das restliche Geld floss als Wachstumskapital in unser Unternehmen. Die Fähigkeit mit begrenztem Budget zu leben, ist für jeden Gründer hilfreich. Die Kompromisse der Gegenwart werden in Zukunft kompensiert – da bin ich mir sicher.

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Würden Sie – gerade Studenten – empfehlen, sich frühzeitig mit Altersvorsorge und Investments an der Börse zu beschäftigen?

Absolut – je früher sich Studenten, Auszubildende oder auch Schüler mit dem Thema beschäftigen, desto früher finden sie passende Lösungen zum langfristigen Vermögensaufbau. Auch mir ist bewusst, dass das Rentenniveau stetig sinkt. Dennoch halte ich es persönlich für überzogen, wenn ein Student mit einem 3.000 Euro Depot täglich mehrere Stunden mit Trading verbringt. Das geht oft zulasten des Studienerfolges – nur um möglicherweise ein paar Prozentpunkte besser als die Benchmark zu sein. Rentabler ist aus meiner Sicht ein Investment in Bildung und Praktika. Aus meinen Vorlesungen und im Austausch mit Professoren an meiner Universität habe ich mitgenommen, dass ein passiv-gemanagtes Portfolio, das einem Index folgt, im Normalfall nicht von aktiven Tradern geschlagen werden.

Warum dann so viel Zeit damit verbringen?

Humankapital und Berufserfahrung bringen in jungen Jahren die beste Rendite. Wer sich großartige Karrierewege eröffnet, hat automatisch bessere Chancen auf hohe Gehälter und kann einen Großteil davon pro Monat in Sparpläne investieren. Bildung ist kein Investment mit sofortigem Resultat – das Warten lohnt sich.

Finanzielle Freiheit ist ein Konzept, das von vielen Menschen angestrebt wird. Wie ist es bei Ihnen? Haben Sie eine Zahl im Kopf, die Sie mit finanzieller Freiheit verbinden?

Eine Zahl, die ich bereits seit einiger Zeit im Kopf habe, liegt bei etwa 10 Millionen Euro. Bei dieser Summe an Vermögen kann man sich und seiner engen Familie von seinen Ersparnissen auch mit konservativen Anlagestrategien ein „normales“ Leben in einer Industrienation ermöglichen. Das mag auf den ersten Blick sehr hoch wirken. Sie müssen jedoch beachten, dass bei einer konservativen Anlagestrategie 3-4 Prozent an realer Rendite pro Jahr realistisch sind. Nach Steuern und unter Berücksichtigung von Krisenjahren, in denen mein Vermögen schrumpfen wird, halte ich diese Zahl für plausibel. Besonders dann, wenn Sie Ihrem Nachwuchs attraktive Studienmöglichkeiten an sehr guten Universitäten, Auslandsaufenthalte und wertvolle Erfahrungen mit auf den Weg geben möchten.

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Wie planen Sie diese zu erreichen?

Am Anfang meines Studiums plante ich, dieses Ziel durch einen Einstieg in besonders gut bezahlten Berufen im Investment Banking, in der Strategieberatung oder im Private Equity zu erreichen. Durch die Möglichkeit zur Gründung hat sich dieser Weg etwas gewandelt – nun sehe ich in meinem konkreten Fall in unternehmerischen Aktivitäten die schnellste Möglichkeit, diese Summe zu erreichen.

Viele Absolventen steigen in einen gut bezahlten Job ein, um sich nach ein paar Jahren mit einer großen Kapitalbasis zunächst abzusetzen und anschließend was eigenes zu starten? Was halten Sie von diesem Vorgehen?

Sehr viel, da es der Weg ist, den ich selbst auch propagiere. Hätte sich für mich selbst nicht bereits zum Ende meines Studiums die Möglichkeit einer vielversprechenden Gründung ergeben, hätte ich es selbst genau so gemacht. Es gründet sich auch deutlich leichter, wenn man ein finanzielles Polster im Rücken trägt. Und auch von dem Netzwerk und der Lernkurve, von denen man in fast allen gut bezahlten Jobs ebenfalls profitiert, kann man bei einer eigenen Gründung stark profitieren.