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Andre Voinea (HANetf) über den ersten Cannabis-ETF

An der Börse gibt es einen nicht alltäglichen Neuzugang. Purpose Investments und HANetf haben den ersten Cannabis-ETF in Europa ins Leben gerufen. Der ETF ist fortan an über Xetra handelbar. Wir haben dazu bei Andre Voinea nachgefragt, der das Geschäft von HANetf in den deutschsprachigen Ländern betreut.

Sie bieten einen neuen ETF an, der es Anlegern ermöglicht, im Cannabissegment zu investieren. Welche Fakten machen den Bereich als Geldanlagethema interessant?

Während es Cannabis schon seit tausenden von Jahren gibt, kratzt die moderne Wissenschaft gerade erst an der Oberfläche dessen, was medizinisch möglich ist. Es wurden bereits eine Reihe von medizinischen Anwendungen entdeckt und ausgiebig untersucht, welche Vorteile versprechen insbesondere für Krebspatienten, Aids-Patienten und Patienten mit Multipler Sklerose. Die gesellschaftlichen Ansichten und Gesetze in Bezug auf Cannabis weltweit liberalisieren sich weiter und neue wissenschaftliche Untersuchungen sind im Gange. Deswegen ist das Umfeld auch so interessant für Investoren. Cannabis ist zu einem neuen Rohstoff geworden, welcher die Hauptzutat ist für innovative, legale Medikamente. Basierend darauf hat sich während des letzten Jahrzehnts eine neue Industrie entwickelt mit neuen, dynamischen Unternehmen. Geldgeber scheuen sich nicht länger, legale Cannabisunternehmen zu unterstützen und das Wachstum dieser Industrie voranzutreiben. Cannabis wird zum Mainstream und hat unseres Erachtens ein großes Potenzial, sich in der Gesellschaft und in der Gesundheitsindustrie zu etablieren. In 2018 belief sich das weltweite Umsatzvolumen für medizinisches Cannabis auf 13,4 Milliarden US-Dollar. Experten prognostizieren, dass der Markt bis 2026 einen Wert von 148 Milliarden US-Dollar erreichen und eine jährliche Umsatzrendite von 26,4 Prozent ausweisen wird.

In Deutschland und in vielen anderen Ländern ist der Konsum von Cannabis in weiten Teilen der Gesellschaft verpönt oder sogar verboten. Wie können Sie Anlegern mögliche Bedenken nehmen?

Der Fonds investiert gezielt nur in Unternehmen, welche keinerlei Geschäftsaktivitäten haben im Bereich des privaten Freizeitkonsums von Cannabis. Die Anlagerichtlinien besagen ganz genau, dass nur Aktivitäten im legalen medizinischen Cannabis-, Hanf- und CBD-Geschäft erlaubt sind. Wir investieren auch nicht direkt in den Rohstoff Cannabis als Handelsware, sondern lediglich in börsengehandelte Unternehmen. Unsere Richtlinien berücksichtigen dabei auch die rechtlichen Vorgaben für die Unternehmen vor Ort. Alle Aktivitäten müssen legal sein am Standort, in welchem das Unternehmen angesiedelt ist sowie in den Ländern, in denen es die Geschäftstätigkeit ausübt. Deswegen sind beispielsweise Unternehmen wie Aurora und Tilrey auch nicht im Fonds enthalten. Obwohl diese Titel hierzulande gut bekannt sind, haben beide Unternehmen auch Aktivitäten im Bereich des Freizeitkonsums und da wir das regulatorische Risiko für den Anleger minimieren wollen, schließen unsere Anlagerichtlinien diese Unternehmen aus. 

Quelle: www.globenewswire.com/news-release/2019/05/20/1829108/0/en/Medical-Marijuana-Market-To-Reach-USD-148-35-Billion-By-2026-Reports-And-Data.html

Kanada gilt als Pionier. Wie sind die Entwicklungen bezüglich medizinischem Einsatz von Cannabis in anderen Nationen?

Da Kanada und die USA den Großteil des Rampenlichts in den Cannabisnachrichten stehlen, fliegen andere Länder häufig unter dem Radar. Aber insbesondere in Europa wurden bedeutende Fortschritte sowohl bei der Entkriminalisierung als auch bei der medizinischen Legalisierung von Cannabis erzielt. Seit Januar 2019 sind 28 Länder in Europa mit medizinischem Cannabis in irgendeiner Form legalisiert, und 20 von ihnen haben den Besitz oder den persönlichen Verbrauch kleiner Mengen entkriminalisiert. Das Wachstum des globalen Marktes für medizinisches Cannabis ist für europäische Unternehmen von besonderer Bedeutung, da Länder wie Großbritannien, Italien, die Niederlande und die Schweiz regionale Marktführer bei der Herstellung und dem Export von medizinischem Cannabis sind. Tatsächlich ist Großbritannien der weltweit größte Einzelproduzent und Exporteur von medizinischem Cannabis mit einer jährlichen Produktion von fast 100 Tonnen. Deutschland ist dabei tendenziell der größte Verbraucher. Statistiken sind schwer beizukommen, aber laut Medienberichten gibt es zwischen 50.000 und 100.000 Patienten in Deutschland, die bereits auf medizinisches Cannabis in irgendeiner Form zugreifen.

Welche Länder sind besonders stark im ETF vertreten und wie viele Titel sind zu Beginn im ETF?

Insgesamt haben wir aktuell 26 Cannabis-Unternehmen weltweit identifiziert, welche unsere Richtlinien erfüllen und als Investment in Frage kommen. Zusätzlich müssen die Unternehmen aber noch Liquiditätsvorgaben erfüllen, gemessen anhand der Marktkapitalisierung und des Handelsvolumens. Aufgrund der Preiskorrektur im letzten Jahr, sind einige Unternehmen noch zu klein, deswegen starten wir aktuell mit 13 Titeln. Der ETF wird aber alle drei Monate neugewichtet. Die nächste Neugewichtung steht an im Februar und aktuell schaut es so aus, dass die Anzahl an Titeln auf über 20 anwachsen würde, wenn es beim aktuellen Preisniveau bleibt.