"Wir investieren enorme Summen in Elektromobilität und Digitalisierung"

Die ETF-Branche bietet immer mehr Produkte auf Megatrends an. Ein Thema davon ist die Elektromobilität, in die Anleger bereits schon jetzt investieren können. Das Anlegerportal extraETF.com sprach zu diesem Thema mit Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie in Deutschland. 

Herr Mattes, wie ist die deutsche Automobilindustrie hinsichtlich der Entwicklung alternativer Antriebe und der Mobilität der Zukunft im Hinblick auf die globale Wettbewerbsfähigkeit aufgestellt?

Die deutsche Automobilindustrie stemmt mehr als ein Drittel der gesamten weltweiten Forschungs- und Entwicklungsausgaben der Automobilbranche. Das ist die Spitzenposition – noch vor japanischen und amerikanischen Unternehmen. Wir sind Spitzenreiter bei alternativen Antriebspatenten: Weltweit kommt jedes dritte Patent im Bereich Elektromobilität und Hybridantrieb aus Deutschland. Wir wollen Deutschland zum Leitmarkt und Leitanbieter für Elektrofahrzeuge machen, und wir kommen voran. In den nächsten drei Jahren investiert die Industrie 40 Milliarden Euro für alternative Antriebe. Und: Im gleichen Zeitraum verdreifachen wir unser Angebot an E-Modellen auf rund 100.

Der japanische Autobauer Toyota hat jetzt seine rund 20.000 Patente im Bereich Hybrid-Technik und Brennstoffzelle der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung gestellt. Wird dies die Entwicklung alternativer Antriebe abseits der E-Mobilität einen besonderen Antrieb verleihen?

Kurzfristig werden vor allem Elektrofahrzeuge einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Emissionssenkung leisten. Um die ehrgeizigen Ziele von etwa 7 bis 10,5 Millionen Elektrofahrzeugen bis zum Jahr 2030 erreichen zu können, brauchen wir nicht nur attraktive Produkte – die Modelle kommen -, sondern auch entsprechende Rahmenbedingungen und eine adäquate Förderkulisse für die Nachfrage. Die nächsten drei Jahre sind entscheidend für den Durchbruch der Elektromobilität und deren Akzeptanz beim Kunden. Auch die Brennstoffzelle bleibt auf der Agenda, der Wasserstoff-Antrieb wird aus unserer Sicht vor allem für klimafreundliche Lastwagen relevant sein.

Was sind die Vor- und Nachteile der E-Autos gegenüber anderen Antriebsformen und welcher wird aus Ihrer Sicht das Rennen machen?

Ich kann nur jedem empfehlen, sich einmal in ein E-Auto zu setzen. Elektroautos sind leise und bieten eine Menge Fahrspaß: Denken Sie nur an die sehr gute Beschleunigung. Noch sind die Kosten eines E-Autos – wegen der Batterie – höher als die eines vergleichbaren Verbrenners. Doch mit höheren Stückzahlen sinken auch die Batteriekosten, der Preisunterschied wird kleiner. Die Reichweitenfrage wird ebenfalls gelöst: In den nächsten Jahren bringen deutsche Hersteller Elektroautos auf den Markt, die mit einer Batterieladung über 500 Kilometer weit fahren können.

Was sind die besonderen Herausforderungen für die Entwicklung der künftigen Mobilität?

Im Jahr 2030 wird die automobile Welt eine andere sein als heute. Die Möglichkeiten der Kommunikationstechnologie eröffnen neue Lösungsansätze für den Verkehr. Neue Verkehrskonzepte müssen den Wünschen der Gesellschaft nach Nachhaltigkeit, Flexibilität und Sicherheit entsprechen. Die Digitalisierung bietet da große Chancen. Die Automobilindustrie arbeitet deshalb gemeinsam mit verschiedenen Partnern intensiv an der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte. Wir sehen den Transformationsprozess, der die gesamte Automobilindustrie herausfordert, vor allem als Chance. Doch um die Mobilität von morgen erfolgreich zu gestalten, müssen Gesellschaft, Politik und Industrie an einem Strang ziehen. Das richtige Ziel einer emissionsfreien Mobilität muss im Einklang stehen mit dem Ausbau der Infrastruktur und einer zielorientierten Industriepolitik. Diese Balance ist wichtig.

Norwegen ist innerhalb Europas in puncto E-Mobilität deutlich weiter als Deutschland. Was sind Ihre Forderungen an die Politik, damit die heimische Automobilindustrie nichts ins Hintertreffen kommt?

Wir sehen in Norwegen, wie sinnvoll und vor allem wirkungsvoll nachfragefördernde Maßnahmen bei der E-Mobilität sein können. Wir werden in Europa die CO2-Ziele 2030 nur mit einem hohen Anteil an E-Autos bei den Neuzulassungen erreichen. Voraussetzung hierfür ist der rasche Aufbau einer sehr dichten europaweiten Ladeinfrastruktur. Da ist noch vieles zu tun, jetzt sind die Regierungen in den EU-Mitgliedsstaaten gefordert. Die Sonderabschreibung von 50 Prozent für Firmenwagenbetreiber könnte ebenfalls ein wirksamer Hebel sein, damit die Elektromobilität noch stärker Fahrt aufnimmt. Wichtig ist jetzt eine schnelle Umsetzung. Zudem müssen das Bauordnungs-, Miet- und Eigentumsrecht angepasst werden, um auch im privaten Bereich, etwa in Tiefgaragen, wesentlich mehr Lademöglichkeiten zu installieren.

Welche Hausaufgaben muss dabei die deutsche Automobilindustrie noch erledigen?

Die deutsche Automobilindustrie hat sich ein volles Lastenheft vorgenommen, das konsequent abgearbeitet wird. Wir investieren enorme Summen in Elektromobilität und Digitalisierung. Wir sind hochinnovativ und führend bei den Zukunftstechnologien. Die Automobilindustrie bekennt sich klar zum Klimaschutz und den Zielen von Paris. Wir sind überzeugt davon, dass es langfristig keine Alternative zu sauberen und klimaschonenden Autos geben kann. Die Entwicklung dieser nachhaltigen Mobilität der Zukunft treiben Hersteller und Zulieferer entschlossen voran. Begleitet werden muss dieser Weg aber durch eine ausbalancierte Wirtschafts- und Umweltpolitik, die neben der CO2-Reduktion vor allem die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes Deutschland stets im Blick hat.

Zur Person:

1956 in Wolfsburg geboren, studierte Bernhard Mattes Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hohenheim. Von 1982 bis 1999 hatte er verschiedene Funktionen im Vertrieb der BMW AG inne. Danach wechselte er in den Vorstand der Ford-Werke AG. Von 2002 bis 2016 war er Vorsitzender der Geschäftsführung der Ford-Werke GmbH und zudem seit 2006 Vice President der europäischen Ford Customer Service Division. Seit 1. Januar 2017 ist er Mitglied des Aufsichtsrats der Ford-Werke GmbH und des Präsidialrats der DEKRA e.V. Seit 1. März 2018 ist er Präsident des VDA.

Investments in Zukunft der Mobilität

Mit dem Xtrackers Future Mobility UCITS ETF (WKN: A2N6LL) können Anleger in die Mobilität der Zukunft, darunter auch die E-Mobilität, aber auch andere alternative Antriebsformen investieren.  Der ETF umfasst aktuell 79 Aktien vorwiegend aus Japan, den USA und der Eurozone.  Der ETF wurde erst zu Jahresbeginn aufgelegt, in ihm sind daher erst vier Millionen Euro investiert. Die Gesamtkostenquote des ETFs beträgt 0,35 Prozent. 

Alternative dazu ist der iShares Electric Vehicles and Driving Technology UCITS ETF (WKN: A2N9FP).  Das Produkt umfasst derzeit 93 Aktien aus dem Bereich Zukunftsmobilität. Der Anteil japanischer Aktien ist hierbei deutlich geringer,  stark im Index vertreten sind zudem Werte aus asiatischen Schwellenländern, den USA sowie der Eurozone.  Die Gesamtkostenquote des ETFs beträgt 0,40 Prozent. Auch dieser ETF wurde erst zu Jahresbeginn aufgelegt, in ihm sind rund sechs Millionen  Euro investiert.