Christian Hecker: "Wir bieten provisionsfreien Aktienhandel an"

Mit Trade Republic ist ein neuer Broker auf dem Markt, der Aktien- und ETF-Handel konkurrenzlos günstig anbietet. Pro Transaktion fällt lediglich ein Euro Gebühr an. Wir haben uns mit Christian Hecker, Gründer von Trade Republic, getroffen. 

Herr Hecker, bei Trade Republic können Privatanleger für eine Fremdkostengebühr von einem Euro handeln. Weitere Kosten fallen nicht an. Wieso können Sie solche Konditionen anbieten?

Das ist relativ einfach. Wir haben zwei Dinge festgestellt: Erstens, dass Wertpapierhandel in Deutschland immer noch unglaublich teuer ist. Grund hierfür sind die hohen Kosten für die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen. Durch Digitalisierung und Automatisierung können wir diese Kosten auf einen Bruchteil minimieren.

Zweitens: Banken erhalten heute fast immer Rückvergütungen für die Ausführung der Wertpapierorders ihrer Kunden von den Handelspartnern.

Uns ist es gelungen, die Kosten so weit zu senken, dass wir alleine mit der Rückvergütung auskommen und den Anlegern provisionsfreien Aktienhandel anbieten können.

Wir sehen uns als Technologieunternehmen mit Banklizenz. Das was bei anderen Banken veraltete Server oder viele Mitarbeiter machen, läuft bei uns digital und automatisiert. Deswegen sind wir so günstig, dass wir mit der Rückvergütung des Handelspartners auskommen.

Das ist wahrscheinlich erst ab einer großen Masse wirtschaftlich.

Es gibt für jede Order eine Rückvergütung. Die liegt im kleinen einstelligen Cent-Bereich für 100 Euro, die investiert werden. 

Müssen Anleger bei Ihnen mit hohen Abstrichen, etwa beim Spread, rechnen?

Das Thema Best-Execution (Anmerkung der Redaktion: Bestmögliche Ausführung) ist sehr wichtig für uns. Unser Kooperationspartner Lang & Schwarz stellt für die über 6.100 Aktien und 500 ETFs Spreads, die an den Referenzmarkt Xetra, dem liquidesten Handelsplatz in Deutschland, gebunden sind. Das heißt: von 9:00 Uhr bis 17:30 Uhr handeln Sie bei uns zu Xetra-Spreads. Dies wird von der Börse Hamburg laufend kontrolliert. Wir selber werden durch die deutsche Bundesbank und Bafin überwacht.

Kunden haben also keinen Nachteil?

Wir sind überzeugt: Der Kunde bekommt bei Trade Republic die besten Bedingungen für seine Wertpapierorder. Der Handel läuft über die Börse Hamburg und wird dort von der Handelsüberwachungsstelle kontrolliert. Das ist eine unabhängige Stelle, die vom Senat eingesetzt wurde, also nicht von der Börse Hamburg. Dort können Sie sich als Kunde auch beschweren, wenn Sie glauben, dass der Spread von Xetra abweicht.

Welche Ordertypen bieten Sie für Kunden an?

Derzeit Markt- und Limitorders. Stop-Orders wollen wir zukünftig auch anbieten. 

Ihr Service scheint ja ein bisschen exklusiv zu sein. Neukunden kommen zunächst auf eine Warteliste. Wieso?

Mitte Dezember letzten Jahres haben wir unsere Banklizenz erhalten und konnten seitdem mit Echtgeldtransaktionen starten. Ein reibungsloser Ablauf aller Prozesse ist für uns von größter Wichtigkeit und somit organisieren wir den großen Andrang an Interessierten über die Warteliste. In den nächsten Wochen wird diese aber vollständig abgearbeitet sein, so dass dann alle Interessierten ohne Wartezeit ihr Depot bei uns eröffnen können. *

Wie lange warten derzeit angehende Kunden auf eine Bestätigung?

Aufgrund des großen Andrangs, kann dies noch ein paar Wochen dauern. Wer Freunde wirbt, kann den Prozess beschleunigen. Die Freischaltung der Kunden wird in den kommenden Wochen nochmals deutlich beschleunigt.

Wie funktioniert bei ihnen die Anmeldung? Ich nehme an, alles verläuft völlig digital.

Völlig digital, völlig mobil. Im Schnitt brauchen unseren Kunden acht Minuten. Der Rekord liegt bei etwas mehr als fünf Minuten. Die Dateneingabe erfolgt komplett mobil über das Handy mithilfe einer Video-Identifikation.

Was können Privatanleger bei Ihnen alles handeln?

Derzeit können sie 6.100 Aktien handeln. Das reicht von BMW, Daimler über Apple bis hin zu afrikanischen Goldminen. Das geschieht in der genannten Kursqualität. Wir haben dazu mehr als 500 ETFs, sowohl einfache als auch gehebelte, darunter auch ETFs auf Rohstoffe und Währungen. Daraus ergibt sich also ein breites Handelsuniversum. Das Angebot wollen wir weiter ausbauen, so dass auch weitere Anlageklassen handelbar sind. 

Sind Sie nun eigentlich eine Bank oder arbeiten Sie mit einer zusammen?

Wir sind eine deutsche Wertpapierhandelsbank und werden von der Bundesbank und Bafin überwacht. Das heißt, Sie sind Kunde der Trade Republic Bank und haben bei uns ihr Depot.

Wir kooperieren mit HSBC, einer der größten Banken Europas. Diese ermöglicht uns, einen komfortablen Depotserivce für unsere Kunden anzubieten, wie beispielsweise den deutschen Steuerservice. Die Abwicklung kommt von HSBC, die Technik von uns. Sie bekommen bei uns den kompletten Service, den Sie bei anderen Brokern auch erhalten – und das komplett mobil in der Trade Republic App.

Und zuletzt noch eine Frage, die die Zukunft betrifft. Was sind die nächsten Ziele?

Unser Ziel für 2019 ist es, die Trade Republic als den mobilen und provisionsfreien Broker in Deutschland zu etablieren. Im Laufe des Jahres planen wir, weitere Anlageklassen und Sparpläne anzubieten. Außerdem werden wir die Funktionen der App erweitern, unter anderem um die Analyse des eigenen Portfolio, also: In welchen Ländern bin ich investiert? In welche Industrien? Welche Währungen sind in meinem Portfolio? Wir die Information zu den einzelnen Titeln erweitern und verbessern. Dabei geht es auch um die intuitive Visualisierung von Daten.

 

*Anmerkung der Redaktion: Mittlerweile gibt es keine Warteliste mehr. Interessierte können sofort Kunden werden.