DividendenAdel: „Timing ist unmöglich – aber nicht egal: Einmalbeträge systematisch investieren“

DividendenAdel: „Timing ist unmöglich – aber nicht egal: Einmalbeträge systematisch investieren“

Auf dem Kapital-Gipfel in München präsentieren sich am 22. März 2019 ab 9:00 Uhr Top-Referenten und informieren über den Weg zur perfekten Geldanlage. Wir haben im Vorfeld mit Christian W. Röhl, von DividendenAdel gesprochen, der auch als Referent am Kapital-Gipfel teilnehmen wird.

Herr Röhl, auf dem Kapital-Gipfel werden Sie zum Thema „Timing ist unmöglich – aber nicht egal: Einmalbeträge systematisch investieren“ referieren. Wie kann Timing unmöglich und gleichzeitig aber nicht egal sein?

Niemand weiß, ob die Aktienmärkte in den nächsten fünf Wochen, Monaten oder Jahren steigen oder fallen. Die Historie zeigt lediglich: Je länger man in Aktien investiert ist, umso höher die Wahrscheinlichkeit, keinen Verlust zu erleiden. Gleichwohl haben Ein- und Ausstiegszeitpunkt immensen Einfluss auf die Rendite. Wer etwa Anfang 2002 als Euro-Investor einen MSCI World ETF gekauft hat, hat bis Ende 2018 durchschnittlich 4,1 Prozent Plus erzielt. Wer erst 2004 eingestiegen ist, darf sich hingegen über eine Rendite von 6,9 Prozent pro Jahr freuen.

Hinzu kommt ein nicht zu unterschätzender psychologischer Faktor: Wer größere Einmalbeträge, etwa eine Erbschaft oder die Auszahlung aus einer Lebensversicherung, auf einen Schlag investiert, braucht schon sehr gute Nerven und ein sehr klares Mindset, wenn die Kurse kurz nach dem Einstieg um 30 Prozent fallen – was ja jederzeit passieren kann. Dann ist auf dem Papier schnell ein Kleinwagen verdampft, man fängt an zu zweifeln, es gibt vielleicht Streit zuhause. Und um den Stress zu beenden und den Rest vom Geld zu retten, steigt man aus und bunkert die Kohle wieder auf dem Festgeld-Konto – wo man den realisierten Verlust bis zum Lebensende nicht mehr aufholt.

Wie gehe ich mit Investitionen von Einmalbeträgen um, schließlich möchte ich nicht gerade zum teuersten Zeitpunkt einsteigen?

Auch die besten Wahrsager… pardon, ich meine natürlich Börsen-Experten, und die teuersten Glaskugeln… ähm, Analyse-Tools versagen beim Timing. Denn wenn die optimalen Ein- und Ausstiegszeitpunkte sich bloß annähernd präzise prophezeien ließen, würden diese klugen Menschen nicht in einer Großraumbüro-Wabe vor dem Rechner hocken, sondern von einer Yacht in der Karibik die Welt beherrschen. Timing funktioniert nicht – im Gegensatz zu eiserner Disziplin und klarer Strategie. Wer sein Investment in Tranchen aufteilt, einen konkreten Investmentplan macht und schon vor der ersten Order festlegt, wie er auf Kurseinbrüche reagiert, erspart sich viel Stress und einige Psychofallen.

Ihre Website behandelt vor allem das Thema Dividenden. Was fasziniert Sie an Dividendentiteln?

Nichts. Mich fasziniert das Leben, die Liebe, die Natur, der technologische Fortschritt –aber Dividendentitel!? Da wäre ja erstmal zu klären, was „Dividendentitel“ überhaupt sind. Unternehmen, die Dividende zahlen? Dann ist jeder Dax-Konzern ein Dividendentitel. Oder Aktien mit hoher Dividendenrendite? Die ist oft kein Qualitätsmerkmal, sondern eher ein Warnsignal.

Auf meiner Website, in meinen Vorträgen und Workshops sowie vor allem in meinem Alltag als professioneller Privatinvestor geht’s deshalb auch nicht um Dividenden, sondern um unternehmerische Sachwerte – genannt Aktien. Die haben nun mal zwei Ertragsquellen: Wertsteigerung und laufende Erträge, also Kursgewinne und Dividenden. Und während die Kurse kurz- bis mittelfristig primär den Launen der Börsianer folgen, hängen die Dividenden rein an der realwirtschaftlichen Leistung der Unternehmen. Und solange die stimmt, klingelt’s regelmäßig in meiner Kasse, unabhängig von der Börsenstimmung.

Das ist wie bei Immobilien, wo man als langfristiger Investor ja auch primär auf die Mieteinnahmen schaut – und wenn die nachhaltig fließen, sukzessive steigen und das Objekt auch sonst ordentlich bewirtschaftet ist, wird über die Zeit auch der Wert zulegen.

Raten Sie zur Auswahl einzelner Dividenden-Aktien oder eher zu entsprechenden ETFs?

Aha, da ist er wieder, dieser immer wieder neu angeheizte Glaubenskrieg, der keinem Anleger weiterhilft. Aktien versus Index! Fonds versus ETFs! Aktiv versus passiv! Oder auch sehr beliebt: Dividende versus Wachstum! Sorry, aber mich langweilt das. Zunächst braucht es mal eine Strategie, die sich aus den individuellen Zielen, der persönlichen Risikoneigung und strukturellen Parametern wie Portfoliogröße oder Engagement ergibt. Erst dann kann man entscheiden, mit welchen Vehikeln man diese Strategie am besten umsetzt – ganz rational und ohne ideologische Scheuklappen. Ich persönlich beispielsweise habe fast nur Einzelaktien aus Europa und Nordamerika im Depot, während ich Asien und die Schwellenländer mit ETFs abdecke – und in einzelnen Nischen wie Frontier Markets oder Spezialwerte auch aktive Fonds beimische.

So können Sie am Kapital-Gipfel teilnehmen!

Tickets gibt es für 149 Euro (Einzelticket) bzw. 269 Euro (Partnerticket). Im Ticketpreis enthalten ist die Tagesverpflegung und der Eintritt. Schnell sein lohnt sich: Sparen Sie mit dem Werbecode „extra-magazin“ bares Geld. Sichern Sie sich bis zum 10. März 2019 Tickets mit einem Rabatt in Höhe von 20 Prozent.

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Übrigens: Auch andere Referenten des Kapitalgipfel hat das Extra-Magazin bereits im Vorfeld interviewt. So beispielsweise Stefan Obersteller, dem Betreiber von Geldbildung.de und Albert Warnecke, dem Finanzwesir.