Giovanni Daprà über den Marktstart von Robo-Advisor Moneyfarm

Im europäischen Kontext ist Moneyfarm (► Zum Testbericht) ein durchaus großer Robo-Advisor. Mittlerweile ist Giovanni Daprà, Mitgründer und Geschäftsführer von Moneyfarm (► Zum Testbericht), mit seiner digitalen Vermögensverwaltung auch in Deutschland aktiv.

Herr Daprà, herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Start in den deutschen Robo-Advisor-Markt. Moneyfarm ist ja bereits seit 2012 in Italien aktiv und zählt damit zu den Vorreitern in Europa. Was war damals im Bereich der Vermögensverwaltung verbesserungswürdig?           

Das Verbesserungspotential ist immer noch da: Viele Menschen zahlen zu viel für die Verwaltung ihres Geldes, handeln zu oft oder zu selten oder kümmern sich erst gar nicht darum. Das sind Fehler, die auf lange Sicht eine mögliche Rendite zunichte machen.

Zudem ist es uns wichtig, ein einfaches und gleichzeitig günstiges Produkt anzubieten. Denn an Vermögensverwaltung waren Leute schon immer interessiert. Doch leider war die Vermögensverwaltung oftmals nur für Kunden mit einem Anlagevermögen von über 100.000 Euro nutzbar. Mit einem Minimuminvest von 5.000 Euro haben wir so die Anlageberatung ein Stück weit demokratisiert.

Vor diesem Hintergrund entstand Moneyfarm. Erst in Italien, 2016 in Großbritannien und jetzt auch in Deutschland. Mit der richtigen Asset Allocation, einer langfristigen Perspektive und einem ausgeklügelten Kosten- und Risikomanagement können Menschen mit ihrem Geld mehr erreichen. Die digitale Anlageberatung spart dabei Zeit und schenkt allen Beteiligten mehr Transparenz.

Neben Italien ist Moneyfarm auch in Großbritannien und Deutschland aktiv. Gibt es zwischen diesen Ländern große Unterschiede bei den Kunden?

Das ist eine Frage, die wir auch ganz spannend finden. Was wir durch die Erfahrung von Allianz Global Investors wissen, ist, dass der deutsche Geldanleger gerade auf der Kostenseite vergleichsweise höhere Ansprüche hat. Wir haben gemerkt, dass Engländer wesentlich risikofreudiger sind und ihr Geld eher anlegen, aber auch schneller die Anbieter wechseln – während der deutsche Kunde sehr sicherheitsbedürftig und risikoscheu ist.

Welche Ziele hat sich Moneyfarm für die nächsten fünf Jahre vorgenommen. Soll die Expansion in Europa in diesem Tempo weitergehen?

Moneyfarms Vision ist es, der paneuropäische Marktführer im Bereich der digitalen Vermögensverwaltung und ein bedeutender Akteur in der wachsenden Online-Investmentlandschaft zu werden. Deutschland als größter europäischer Markt ist eine wichtige Säule bei der Erfüllung unserer paneuropäischen Ambitionen.

Natürlich wünschen wir, dass wir auch in Deutschland so gut wachsen wie in den anderen Märkten. Besonders in Deutschland möchten wir uns in den Top 3 etablieren, unabhängig einer zeitlichen Vorgabe. Wir wollen, dass in den Augen der Anleger Moneyfarm für denjenigen Ansatz steht, der ganz pragmatisch und in mehrfacher Hinsicht das Beste aus zwei Welten vereint. Dabei geht es nicht nur um die Beratung, die die Vorteile menschlicher Intelligenz mit der künstlichen verbindet. Denn gleichzeitig werden erstmalig passive Anlage-Produkte mit aktiv gemanagten Fonds für institutionelle Anleger verbunden werden – und das zu attraktiven Preisen. Dort möchten wir in Zukunft stehen: Als diejenigen, die die dogmatische Trennung zwischen entweder aktiv oder passiv überwunden haben.

Einige Ihrer Mitbewerber setzen stark auf Kooperationen. Zu Beginn der Beta-Phase lief eine Kooperation mit N26, die aber eingestellt wurde. Ist nach der Umstellung des Geschäfts ein Aufleben dieser Kooperation geplant?

Für diese Kooperation ist kein Wiederaufleben geplant, aber derzeit arbeiten wir eng mit 1822 Direkt zusammen. Zusammen versuchen wir, Sparern, die von dem Zinstief frustriert sind, das Investieren an den Kapitalmärkten schmackhaft zu machen. Gleichzeitig schaffen wir so Abhilfe gegen Negativzinsen – so hilft Moneyfarm gleichermaßen der Bank und den Endkunden.

Die Allianz hat in der jüngsten Finanzierungsrunde die Beteiligung an Moneyfarm ausgebaut zudem arbeiten sie bereits bei den Anlagestrategien zusammen. Ist eine weitere, engere Zusammenarbeit, beispielsweise mit den Allianz-Agenturen geplant?

Die Zusammenarbeit zwischen Moneyfarm und Allianz gestaltet sich zum aktuellen Zeitpunkt für beide Seiten äußerst zufriedenstellend. Unsere unterschiedliche Expertise und unsere Erfahrungen komplementieren sich optimal. Da wir zurzeit alle bisher möglichen Synergiepotenziale bereits nutzen, ist vorerst jedoch keine verstärkte Zusammenarbeit geplant: Wir wollen eine digitale Vermögensverwaltung mit schlanken Strukturen bleiben und die möglichst niedrigen Verwaltungskosten für die Kunden im Blick haben.

Vielen Robo-Advisors setzen ausschließlich auf kostengünstige ETFs. Wieso kommen bei Ihnen auch aktive Fonds zum Einsatz und in welchen Fällen?

ETFs sind ein für Privatanleger gutes Instrument, um kostengünstig und ohne großes Vorwissen am breiten Erfolg der Aktienmärkte zu partizipieren. Aktive Fonds hingegen bieten besonders in komplexeren Anlageklassen die Chance einer Outperformance und in Krisenzeiten die Möglichkeit für ein aktives Risikomanagement, das den maximalen Drawdown reduziert. Aufgrund ihrer Kostenstruktur können sie für Privatanleger jedoch ungeeignet sein. Bei Moneyfarm nutzen wir im Bereich aktiv gemanagter Fonds nur institutionelle Share-Klassen und vereinen damit das Beste aus zwei Welten und verbinden wir die komplementären Vorteile von aktiven und passiven Fonds und überwinden die dogmatisch anmutende Trennung zwischen aktiven und passiven Ansätzen. Durch die Kombination der komplementären Vorteile von aktiven und passiven Fonds können wir die Renditechancen für die Anleger erhöhen.

In welchem Größenverhältnis stehen sich ETFs und aktive Fonds in Moneyfarm-Portfolios gegenüber?

Das Verhältnis von ETFs zu aktiv gemanagten Fonds beträgt im mittleren Portfolio ca. 40 zu 60. Die einzelnen Investmentfonds werden von der Fondsresearch-Abteilung von Allianz Global Investors ausgewählt. Sie greifen dabei sowohl auf Fonds von Allianz Global Investors wie auch von Drittanbietern zu. Werden in einer Anlageklasse aktuell weniger Chancen für aktive Manager gesehen, kommen die kosteneffizienten ETFs zum Einsatz.

Das Thema Nachhaltigkeit spielt in der Gesellschaft eine immer größere Rolle. Können interessierte Anleger dazu auch bei Ihnen fündig werden?

Das Thema Nachhaltigkeit wird in den nächsten Jahren sicherlich weiter an Bedeutung zunehmen. Nachdem wir 2019 mit unserem Produkt im deutschen Markt gestartet sind, arbeiten wir jetzt mit Hochdruck daran, unseren Kunden schnellstmöglich nachhaltiges Investieren zu ermöglichen.