Herr Hasenack, sind Robo-Advisors überhaupt sicher?

Herr Hasenack, sind Robo-Advisors überhaupt sicher?

Die Geldanlage über digitale Vermögensverwalter, häufig auch Robo-Advisors genannt, erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Dennoch ist der Markt in Deutschland noch längst nicht für alle rund 25 Anbieter groß genug. Erst Ende 2018 musste Werthstein seine Pforten schließen. Wichtig: Anleger haben dabei kein Geld verloren. Das mag Interessierte aber dennoch verunsichern. Wir fragen daher nach bei Sebastian Hasenack, Vertriebsleiter der Online-Vermögensverwaltung Solidvest ( Zum Testbericht).

Herr Hasenack, sind Robo-Advisors eigentlich sicher und wenn ja, warum?

Robo-Advisors agieren in den meisten Fällen als unabhängiger Vermögensverwalter. Die eigentlichen Vermögenswerte der Kunden liegen nicht direkt dort, sondern bei einer Bank, bei der dann auch das Depot hinterlegt ist. Dieses strukturiert sich wiederum nach den Vorgaben des Vermögensverwalters, investiert entsprechend in unterschiedliche Wertpapiere. Heißt: Die konsequente Umsetzung einer Anlagestrategie passend zum Chance-Risiko-Profils des Kunden hängt unmittelbar vom Vermögensverwalter bzw. Robo-Adivsor ab. Hier unterscheiden sich in Qualität und Erfahrung natürlich etablierte Anbieter von StartUps. Zwischenzeitlich sind je nach Kapitalmarktsituation und Depotgestaltung Kursverluste möglich – je ausgewogener aber das Depot, desto stabiler kann es sich grundsätzlich entwickeln. Stichwort: Sicherheit. Für das Vermögen des Kunden ist mit Trennung von Vermögensverwaltung und -verwahrung darüber hinaus das Risiko weiter minimiert.

Woran lassen sich schwarze Schafe unter den Robo-Advisors schnell erkennen?

Wichtig ist für Anleger, dass das Geschäftsmodell verständlich ist und langfristig trägt. Besonders niedrige Gebührenmodelle oder hohe Renditeversprechen sollten sich Interessierte erstmal genau ansehen. Bei Betrachtung eines Vermögensverwalters ist zudem die sogenannte „Sharpe-Ratio“ interessant. Übersetzt bedeutet dies, wieviel Risiko ist ein Vermögensverwalter für die erzielte Rendite eingegangen. Entscheidend ist dabei der Beobachtungszeitraum und welche speziellen Situationen der Vermögensverwalter zu bewältigen hatte.

Robo-Advisors haben unterschiedliche Lizenzen. Es gibt Finanzanlagevermittler (IHK), Finanzportfolioverwaltungen (Bafin) und Anbieter mit Vollbanklizenz (Bafin). Spielt das für Privatanleger eine Rolle?

Das Dienstleistungsangebot ist durch die Lizenz definiert, daher spielen diese für Anleger in der Tat eine wichtige Rolle. Nur Anbieter mit einer Lizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) zur Finanzportfolioverwaltung können für Privatkunden als Vermögensverwaltung tätig sein. Dies bedeutet auch, dass die Vermögensverwaltung anhand des vereinbarten Vermögensverwaltungsvertrages Transaktionen eigenständig durchführen darf, um das Depot nach den vorgegebenen Kundenwünschen zu überwachen – und bei Bedarf anzupassen. Speziell digitale Anbieter haben die Möglichkeiten, unabhängig des Anlagebetrages, stärker auf Bedürfnisse von Anlegern einzugehen. Hier sehe ich zukünftig unter anderem Flexibilität mit Blick auf Themenschwerpunkte der Anlage, ethische Filter oder dynamische Anpassung von Risikoprofilen.

Worauf sollten Verbraucher achten, die vor der Entscheidung stehen, einen digitalen Vermögensverwalter zu wählen?

Unterm Strich sind zwei Punkte bei der Wahl eines Robo-Advisors von Bedeutung. Zum einen der Track-Record (Anmerkung der Redaktion: Erfolgsbilanz), also wie  sich der Vermögensverwalter in der Vergangenheit – auch in Krisenphasen – geschlagen hat und zum anderen die beteiligten Personen, die hinter dem Robo-Advisor stehen. Welche Erfahrungen haben sie und wie solvent ist der Anbieter?

Wagen Sie bitte noch einen allgemeinen Ausblick. Zuletzt verschwand Werthstein vom Markt. Wird 2019 das Jahr des Robo-Sterbens?

Um es anders auszudrücken: Vermutlich wird es das Jahr der Konsolidierung sowie der Spezialisierung. Neben den Robo-Advisors entwickeln sich zumeist noch unbekannte Plattformanbieter, die im Hintergrund aber wesentliche Prozesse übernehmen werden, wie die FNZ Group, die vor Kurzem die B2B-Direktbank Ebase gekauft haben. Aktuell sehen wir, dass dies oftmals bei den klassischen Robo-Advisors in einer Hand liegt. Auch das Produktangebot für Endkunden wird sich weiterentwickeln. Speziell die Möglichkeit zu Individualisierung, etwa hinsichtlich persönlicher Investment-Interessen, wird zunehmen. Unserer Beobachtung nach sind die Anlagestrategien einiger Anbieter recht identisch. Der Kunde wird also nach Abgrenzungen und USPs (Anmerkung der Redaktion: Alleinstellungsmerkmale) suchen. Hinzu kommt: Die Performance wird beim Anbietervergleich eine größere Rolle spielen.

Ab welcher Größenordnung ist ein Robo-Advisor eigentlich betriebswirtschaftlich zu führen?

Das hängt von der Struktur ab. Ein Startup kann, anders als bei einem etablierten Haus, zum Beispiel nicht auf bestehende Services und Abteilungen zurückgreifen, etwa IT und Compliance. Wesentlicher Kostentreiber ist zudem der Wachstumspfad des Robos. Bestandkunden zu verwalten ist deutlich günstiger als Kundenakquise online. Weitere Ausgaben sehe ich zudem im Bereich Plattformintegration: also der Implementierung bestehender Robos in beispielsweise Bank- oder Versicherungsstrukturen. Somit beantwortet sich die Break-Even-Frage anhand mehrerer Parameter. Aber mal über den Daumen gepeilt, im Markt spricht man von circa einer Milliarde Euro für Startups. Etablierte Anbieter können etwas früher den Break-Even erreichen.