Von Thomas Brummer21. Juni 2022
Jesper Wahrendorf, Leiter von Vanguard Invest.

Jesper Wahrendorf (Vanguard Invest) erklärt, worauf du bei deinem Portfolio achten solltest

Worauf solltest du bei deinem Portfolio achten? Jesper Wahrendorf, Leiter von Vanguard Invest, über die Vorteile breit streuender ETFs im Portfolio und die Bedeutung von Disziplin in Krisenzeiten.

Herr Wahrendorf, ETFs ermöglichen eine hervorragende Portfolio-Streuung. Weshalb ist Diversifikation so wichtig?

In der Tat sind ETFs auf etablierte Aktien- und Rentenindizes ein gutes Instrument, um breit gestreut, einfach kostengünstig und transparent zu investieren. Damit bieten sie Anlegern eine besonders praktikable Lösung, um der wohl wichtigsten Grundregel für eine erfolgreiche Kapitalanlage gerecht zu werden: das Vermögen breit über Einzeltitel und Anlageklassen zu streuen. Der von Wirtschaftsnobelpreisträger Harry M. Markowitz salopp formulierte Rat „Lege nicht alle Eier in einen Korb“ senkt das Risiko und verringert die Schwankungen des Portfolios. Denn wer zum Beispiel alles auf wenige Aktien oder einen einzelnen Aktienmarkt setzt, geht ein großes Verlustrisiko ein: Stürzen eine oder auch wenige Aktien ab, reißen sie das Depot mit in die Tiefe. Schutz bietet eine breite Streuung über Einzeltitel und Märkte hinweg: Weil sich selten alle Anlageklassen im Gleichschritt bewegen, können Gewinne auf einem Markt Verluste auf einem anderen ausgleichen oder zumindest begrenzen. Und da niemand im Voraus zuverlässig sagen kann, wer die Gewinner von morgen sind und wer die Verlierer, sollten sich Anleger diversifiziert, ausgewogen und langfristig orientiert aufstellen. ETFs und Indexfonds bieten dabei mehrere Vorteile: Sie sind einfach zu handhaben und weisen geringe Kosten auf. Zudem wissen Anleger stets genau, wie sie investiert sind – nämlich breit gestreut in den jeweiligen Index.

Können Sie uns hierzu Beispiele nennen, wieso Anleger, die sich auf wenige Einzelaktien konzentrieren, häufig schlechter abschneiden?

Hier lassen sich zwei Ursachen unterscheiden. Um den breiten Markt mit einem konzentrierten Portfolio zu schlagen, müsste es erstens gelingen, kontinuierlich diejenigen Wertpapiere mit der besten Kursentwicklung auszuwählen – eine Aufgabe, an der schon Profis regelmäßig scheitern. ETFs dagegen bilden stets den Gesamtmarkt ab. Damit entfällt auch die Gefahr, nicht in die Gewinnerpapiere investiert zu sein. Zweitens sind konzentrierte Portfolios höheren Schwankungen unterworfen. Und die hohe Volatilität konzentrierter Portfolios führt im Vergleich zu einem diversifizierten Portfolio nicht zu höheren Renditen, sondern zu niedrigeren.

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Das liegt an einem Effekt, der auch als Volatility Drag bekannt ist: Stellen Sie sich zwei Portfolios mit einem Anfangswert von jeweils 100 Euro vor – Portfolio 1, ein Portfolio mit geringer Volatilität, erzielt im ersten Jahr einen Gewinn von 5 Prozent und im zweiten Jahr einen Verlust von 5 Prozent; Portfolio 2, ein Portfolio mit hoher Volatilität, erzielt erst einen Gewinn und anschließend einen Verlust von jeweils 40 Prozent. Die durchschnittliche Rendite beider Portfolios beträgt null, für Anlegerinnen ist jedoch der Zinseszinseffekt entscheidend. Portfolio 1 ist am Ende des zweiten Jahres 99,75 Euro wert und hat damit kaum an Wert eingebüßt; anders Portfolio 2, das nach zwei Jahren nur noch 84 Euro wert ist. Auch unter diesem Aspekt erweist sich ein breit gestreutes Indexinvestment mithin als vorteilhaft.

Wie viele Titel sind nötig, um ausreichend diversifiziert zu sein? Und unter welchen Voraussetzungen gilt das?

Aus unserer Sicht sind Portfolios zu konzentriert, wenn sie aus nur zehn oder zwanzig verschiedenen Positionen bestehen. Um ihre Renditechance deutlich zu erhöhen und das Risiko zu begrenzen, sollten Anleger mindestens in fünfzig bis hundert verschiedene Titel investieren. Um die Probleme zu umgehen, die mit einer aktiven Titelauswahl verbunden sind, bleibt die beste und einfachste Lösung aus unserer Sicht dabei, per Indexfonds oder ETF in den gesamten Markt zu investieren. Für die langfristig orientierte Kapitalanlage gilt das wegen der genannten negativen Eigenschaften konzentrierter Portfolios grundsätzlich immer und unabhängig vom kurzfristigen Marktumfeld.

Gerade im heutigen Marktumfeld mit dem Krieg in der Ukraine und einer hohen Inflation sind Privatanleger verunsichert. Was können Sie diesen nun raten?

So schwer es mitunter fallen mag – Anleger sollten in derartigen Situationen dem Drang widerstehen, sofort zu reagieren. Emotionen wie Verunsicherung, Angst, aber auch Gier sind selten gute Ratgeber, wenn es um die Kapitalanlage geht. Anleger sollten daher einen kühlen Kopf bewahren und diszipliniert an einer breiten Streuung und einer sorgsam durchdachten Aufteilung des Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen treu bleiben, die zu ihren langfristigen Zielen und zu ihrer persönlichen Risikobereitschaft passt.

Wie haben sich die Finanzmärkte in vorherigen geopolitischen Krisen geschlagen?

Wir haben uns mehr als zwei Dutzend geopolitische Ereignisse der vergangenen 60 Jahre und ihre Folgen für die Entwicklung des US-Aktienmarkts angesehen – vom Bau der Berliner Mauer über Kuba- und Ölkrise, verschiedene Nahost-Konflikte, Amtsenthebungsverfahren gegen die US-Präsidenten Nixon, Clinton und Trump bis zu den Anschlägen vom 11. September, zum Arabischen Frühling und dem Brexit. Auf den ersten Blick erstaunliches Ergebnis: Häufig waren die geopolitischen Verkaufswellen von kurzer Dauer. Bereits sechs Monate nach dem jeweiligen Ereignis notierte der US-Aktienmarkt im Schnitt 6 Prozent über dem Ausgangsniveau, nach zwölf Monaten waren es gar 9 Prozent. Ein ähnliches Muster haben wir übrigens auch zu Beginn der Corona-Krise vor gut zwei Jahren gesehen. Das heißt natürlich nicht, dass es auch jetzt so kommt, schließlich stehen die Märkte vor erheblichen Herausforderungen. Da sich die Märkte aber ohnehin nicht beeinflussen lassen, sollten sich Anleger auf die Dinge konzentrieren, die sie kontrollieren können, und sich an vier grundlegenden Anlageprinzipien orientieren: klare und realistische Ziele setzen, breit streuen, Kosten minimieren und Disziplin wahren. Besonders einfach lassen sich diese bewährten Grundsätze erfolgreicher Geldanlage mit ETFs umsetzen.

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