Joachim Schallmayer (Deka Bank) über gravierende Änderungen bei Dax und MDax

In der Dax-Familie wird es im September 2021 große Änderungen geben. Was bedeutet das für den Dax und den MDax? Antworten von Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka Bank.

Der Dax wird ab September von 30 auf 40 Unternehmen erweitert. Begrüßen Sie dies aus Sicht der Anleger?

Die Erweiterung auf 40 Titel sollte grundsätzlich für etwas mehr Streuung und damit Stabilität sorgen. Allerdings wird der Dax auch in Zukunft von schwergewichtigen Aktien dominiert bleiben. Von größerer Relevanz für Anleger dürften die anderen neu beschlossenen Veränderungen im Regelwerk sein, wie der Wegfall des Börsenumsatzes und die jetzt zweimal im Jahr stattfindende Überprüfung der Auf- und Absteiger. Hierdurch werden sich die Charakteristika des Dax nachhaltig und spürbar verändern. Für den Index könnten sich diese Veränderungen mittelfristig vorteilhaft auswirken.

Wären vielleicht sogar noch mehr Titel wünschenswert?

Leider haben wir in Deutschland keine ausgeprägte Aktienkultur und damit auch ein, im Vergleich zu anderen Ländern, begrenztes Universum an börsennotierten Unternehmen. Will man eine für die Finanzmärkte übliche Segmentierung der Unternehmen nach Größenklassen in Large-, Mid- und Small-Caps vornehmen, so reicht in Deutschland ein Leitindex, der aus dreißig oder vierzig Titeln zusammengesetzt ist, vollkommen aus. Die Abgrenzung zu den kleiner marktkapitalisierten Segmenten wäre ansonsten nicht mehr gegeben. 

Im gleichen Zug sinkt die Zahl der Werte im MDax von 60 auf 50. Bedeutet das, dass die bisherigen Top-Ten-Werte in den Dax aufsteigen?

Es werden die nach Marktkapitalisierung zehn größten Werte des MDax in den Dax aufsteigen. Umgesetzt wird diese Änderung im September kommenden Jahres. Allerdings kann es bereits bei der Überprüfung im März zu Veränderungen zwischen Dax und MDax kommen, da das Kriterium des Börsenumsatzes entfällt. Vor allem Airbus würde dann ein prominentes Dax-Mitglied werden.

Die zehn größten Unternehmen im MDax machen fast die Hälfte im Index aus. Im MDax dürfte es zu massiven Änderungen kommen, oder?

Der MDax ist durch die diversen Regeländerungen auf jeden Fall deutlich stärker betroffen als der Dax. Dafür gibt es zwei Gründe: die verringerte Anzahl an Titeln im MDax sowie die in Zukunft höhere Durchlässigkeit zwischen den beiden Indizes. 

Wenn die großen Unternehmen aus dem Index verschwinden, wird der Index dadurch „nischiger“. Erwarten Sie dadurch einen langfristigen Anstieg der Faktorprämie „Size“?

Der Size-Effekt wird im MDax zu spüren sein, denn die Index-Kapitalisierung wird durch die Veränderungen deutlich zurückgehen. Noch wichtiger aber dürfte sein, dass erfolgreiche Unternehmen jetzt nicht mehr so lange wie bisher im MDax verweilen, sondern schneller den Aufstieg in den Dax schaffen.  

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