Leif Dockerill: "In der Sparkassen-Identität steckt viel Nachhaltigkeit"

Die Kreissparkasse Ludwigsburg bietet eine Nachhaltigkeitsstrategie an. Wir haben dazu mit Leif Dockerill gesprochen, der dort die Vermögensverwaltung leitet.

Sie bieten in der Vermögensverwaltung grüne Portfolios an. Können Sie uns erklären, wie es dazu kam und was das genau bedeutet?

Grundsätzlich steckt in der Identität einer (Kreis-)Sparkasse sehr viel Nachhaltigkeit! Wer einem öffentlichen Auftrag verpflichtet und in der Region fest verwurzelt ist, verhält sich anders als ein Anbieter, der ausschließlich ergebnisorientiert agiert und möglicherweise gegenüber seinen Aktionären Rechenschaft ablegen muss.

Der Startschuss für die Nachhaltigkeitsstrategie innerhalb unserer Vermögensverwaltung fiel vor etwa fünf Jahren durch eine konkrete Kundennachfrage.

Aber schon davor, bereits 2011, hatten wir uns im Segment der offenen Investmentfonds neu ausgerichtet. Damals hat die Wahl von Winfried Kretschmann zum bundesweit ersten „grünen“ Ministerpräsident überhaupt gezeigt, dass sich ein tiefgreifender gesellschaftlicher und eben auch politischer Wandel vollzieht, der zudem grundsätzliche Auswirkungen für das Themenfeld Geldanlage hat.

Setzen Sie bei Ihrem Ansatz auf Einzelwerte oder stecken Fonds bzw. ETFs dahinter?

In unserer Nachhaltigkeitsstrategie gehen wir ohne Dogmatismus vor und arbeiten pragmatisch und flexibel. Grundsätzlich sind wir klassische Verfechter einer effizienten Einzeltitelauswahl und investieren deshalb aktuell circa 50 bis 70 Prozent in Einzelwerte. Mindestens 30 Prozent der Gelder sind für eine Anlage in Fonds vorgesehen. Hier präferieren wir aktuell ETFs, denn diese Bausteine unterliegen taktischen und strategischen Überlegungen.

Wie viele unterschiedliche Strategien bieten Sie an und wie investieren dabei Ihre Anleger ihr Geld?

Mittlerweile haben wir in unserer Vermögensverwaltung neben unseren hochindividuellen Mandaten insgesamt drei Basis-Strategien etabliert, die sich alle in der Praxis bewährt haben und die auch von unseren Kunden nachgefragt werden.

Gestartet sind wir mit unserer Dividenden-Strategie, die sich auf ausschüttungsstarke Werte fokussiert. Ebenfalls angesagt ist unsere ETF-Strategie, mit der wir den Nerv vieler Kunden treffen. Die letzte Innovation war unsere Nachhaltigkeitsstrategie. Hier stellen wir eine komplette Umkehr der Absatzimpulse fest. Während wir zum Start nur selten mit unserer Strategie bei unseren Kunden punkten konnten, werden wir seit mehreren Monaten immer häufiger direkt auf unsere Nachhaltigkeitsstrategie angesprochen.

Wie gehen Sie bei der Auswahl vor und wie versuchen Sie den Spagat von Ausschluss und Diversifikation hinzubekommen?

Unsere Herangehensweise besteht zunächst aus dem „Best-in-Class-Ansatz“ in Kombination mit relevanten Ausschlusskriterien. Wir sehen uns selbst als Pioniere, die auf dem Weg sind, die bisherigen Strategien immer weiterzuentwickeln und die die Offenheit mitbringen, neue Impulse permanent in unsere eigenen Überlegungen zu integrieren.

Natürlich nehmen wir das Spannungsfeld zwischen Ausschluss und Diversifikation wahr, präferieren aber grundsätzlich eine flexible Sichtweise und versuchen jeden Einzelfall individuell abzuwägen.

Im Übrigen schließen sich Ökonomie und Ökologie nicht gegenseitig aus. Vielmehr zeigt unsere Strategie, dass auch nachhaltige Kapitalanlagen durchaus Renditeerwartungen gerecht werden.