Leif Dockerill: “Short-ETFs kommen für kurzfristige Depotabsicherungen in Betracht”

Leif Dockerill: “Short-ETFs kommen für kurzfristige Depotabsicherungen in Betracht”

Zur Absicherung greifen einige Anleger auf Short-ETFs zurück. Denn fällt der Aktienmarkt, steigt der ETF auf diesen Aktienmarkt. Wir fragen bei Leif Dockerill, Leiter der Vermögensverwaltung bei der Kreissparkasse Ludwigsburg, nach.

Herr Dockerill, Short-ETFs sind eine Möglichkeit für Anleger, sich gegen fallende Aktienkurse abzusichern und davon noch zu profitieren. Wie stehen Sie allgemein zu dieser Möglichkeit (Short-ETFs)?

Grundsätzlich wollen wir als Value-Anleger in Sachwerte investieren und nicht auf fallende Kurse spekulieren. Daher kommen Short-Produkte für uns nur zur Risikoreduzierung und damit zu Absicherungszwecken in Betracht.

Welche Spielarten von Short-ETFs gibt es überhaupt?

Mittlerweile gibt es auf die unterschiedlichsten Indizes auch Short-ETFs. Hierbei gibt es auch Varianten, die mit einem Hebel versehen sind. Mit dem richtigen Timing lassen sich mit diesen Instrumenten also ansehnliche Gewinne erzielen.

Welche Möglichkeiten gibt es noch für Anleger, von fallenden Aktienkursen zu profitieren? Wie beurteilen Sie diese?  

Die klassischen Möglichkeiten für Privatanleger sind der Einsatz von entsprechenden Put-Optionsscheinen und Zertifikaten. Je nach Ausgestaltung können Anleger hier unmittelbar von den Marktbewegungen profitieren. Problematisch wird es allerdings bei Volatilitätserhöhungen, die zu Bewertungsabschlägen führen können, obwohl das Underlying fällt. Im institutionellen Bereich setzen die professionellen Marktteilnehmer eher auf den Einsatz von Optionen und Futures. Der Zugang zu diesen Instrumenten ist für Privatanleger aus unterschiedlichen  Gründen oftmals eher schwierig. Futures haben den Vorteil, dass hier eine Absicherung sehr schnell und einfach umgesetzt werden kann. Problematisch kann es werden, wenn z.B. ein Portfolio aus Dax-Werten, das abgesichert werden soll, nicht im gewünschten Umfang mit dem Dax-Future korreliert. 

Wer Short-ETFs kauft, sollte schon einmal von der Pfadabhängigkeit gehört haben. Können Sie diese kurz erklären und erläutern, in welchen Fällen diese besonders gravierende Auswirkungen für den Anleger hat?

Pfadabhängigkeit erklärt den Sachverhalt, dass ein Short-ETF aufgrund von mehreren Einflussfaktoren zu einem anderen Ergebnis kommt als man erwarten würde. Einer der aktuell stärksten Einflussfaktoren ist die Prozentrechnung. Ein Short-ETF stellt im Grunde eine entgegengesetzte Prozent-Entwicklung zum Index dar und wird aufgrund dessen gerade in Phasen von erratischen Schwankungen und Aufwärtsphasen überproportional verlieren. Dieser Effekt wird umso deutlicher wenn man berücksichtigt, dass ein Index der um 20 Prozent gefallen ist anschließend um 25 Prozent steigen muss um wieder beim Ausgangspunkt zu stehen.

Daher sollte beachtet werden, dass der Kursverlauf erheblich variieren kann und zwar je länger Sie investieren desto mehr. Aufgrund dessen sollte ein Short-ETF nur kurzfristig eingesetzt werden.

Wie beurteilen Sie Short-ETFs mit Hebelwirkung?

Diese werden bei uns in der Vermögensverwaltung aus regulatorischen Gründen nicht in Betracht gezogen. Hier sollte berücksichtigt werden, dass bei ETFs mit Hebelwirkung der beschriebene Effekt der Pfadabhängigkeit verstärkt zum Tragen kommt.

Sind Short-ETFs was für Zocker oder können diese durchaus eine sinnvolle Komponente zur Depotabsicherung sein?

Short-ETFs kommen vor allem für kurzfristige Depotabsicherungen in Betracht. Oft stehen die Short-ETFs bei entsprechenden Korrekturen deutlich im Gewinn. Allerdings versäumen es die Portfolioverantwortlichen oftmals, die entsprechenden Absicherungen mit Gewinn aufzulösen. Von längeren Anlagezeiten wäre eher abzuraten. Zocken mit Short-ETFs? Das ist nicht unser Instrumenteneinsatz. Aber wie bereits ausgeführt, kann man mit dem richtigen Timing durchaus ein paar interessante „Extra-Gewinne“ erzielen.

Lesetipp: Mehr zum Thema Short-ETFs erfahren Sie in der EXtra-Magazin-Ausgabe Dezember/Januar.

Über den Autor

Thomas Brummer

Thomas Brummer

Thomas Brummer war nach dem Betriebswirtschaftsstudium für das Anlegermagazin "Der Aktionär" tätig. Im Anschluss schrieb er für das Verbraucherportal biallo.de. Währenddessen hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 schreibt er für extraETF.com und das Extra-Magazin.
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