Markus Steiner (Verbraucherservice Bayern) über die Altersvorsorge von Familien

Was sollten Familien bei der Altersvorsorge beachten? Antworten dazu liefert Markus Steiner, Finanzreferent der Beratungsstelle Passau des Verbraucherservice Bayern.

Herr Steiner, bei der Altersvorsorge kommt es immer auch auf die Lebenssituation an. Betrachten wir zunächst ein verheiratetes Paar mit einem kleinen Kind. Was können Sie in diesem Fall allgemein raten?

Grundsätzlich sollten existenzielle Risiken abgesichert werden, bevor man in Altersvorsorgeprodukte investiert. Von einer privaten Haftpflichtversicherung abgesehen, sollte zumindest für den Hauptverdiener ein ausreichender Schutz bei Verlust der Arbeitskraft bestehen und gegebenenfalls eine ausreichende, gegenseitige Todesfallabsicherung. Dabei sind Kombinationsprodukte aus Risikoabsicherung und Altersvorsorge in der Regel nicht erste Wahl. Gerade in puncto Altersvorsorge sollte man sich auch mit den steuerlich geförderten Produkten auseinandersetzen. Durch das 3-Schichten-Modell ist hier eine individuelle Betrachtung unumgänglich, um Vor- und Nachteile abzuwägen.

Wie sieht es mit Geldgeschenken und Kindersparen mittels ETF-Sparplan oder Robo-Advisor aus?

Sparen ist eigentlich immer sinnvoll. ETF-Sparpläne bieten den Vorteil, dass man sehr kostengünstig in Märkte investieren kann. Bei Aktiennahen Investments ist aufgrund der Schwankungsrisiken eine Anlagedauer von mindestens zehn Jahren empfehlenswert. Robo-Advisor sind digitale Helfer bei der Geldanlage, die je nach Risikoprofil des Anlegers mehr oder weniger aktiv die Risikostreuung steuern. Für diesen Service müssen die Anleger eine entsprechende Gebühr pro Jahr zahlen. Gut informierte Anleger können auf diese Helfer verzichten und sich diese Kosten sparen.

Was gibt es zu Freistellungsaufträgen und Nichtveranlagungsbescheinigungen zu sagen?

Zins- und Kapitalerträge können je steuerpflichtiger Person bis zu einem Betrag von 801 Euro pro Jahr von der Kapitalertragssteuer freigestellt werden. Damit haben auch minderjährige Kinder bereits einen eigenen Sparerfreibetrag, der für Geldgeschenke zu nutzen ist. Dazu kann man den Betrag auch auf mehrere Kreditinstitute verteilen, darf insgesamt aber nicht über den Sparerfreibetrag hinauskommen. Je Kreditinstitut umfasst der Freistellungsauftrag dann alle Konten und Depots, die auf den jeweiligen Steuerpflichtigen laufen.

Personen deren Einkommen unter dem Grundfreibetrag liegt können durch eine Nichtveranlagungsbescheinigung auch Kapitalerträge über dem Pauschbetrag vor der Abgeltungssteuer schützen. Dies ist besonders bei Rentnern, Studenten und Geringverdienern interessant. Das Gesamteinkommen, also inklusive der Kapitaleinkünfte, darf aber den Grundfreibetrag von 9.744 Euro je Steuerpflichtigen nicht übersteigen. 

Tipp der Redaktion: Mit dem extraETF Finanzmanager können Sie Ihre Portfolios überwachen & analysieren, Klumpenrisiken erkennen und Watchlists für Ihre Wertpapierlieblinge anlegen.

Immer wieder fallen bei einer Familie kurzfristige Ausgaben an. Mittelfristig möchte man vielleicht das erste Auto oder das Studium des Kindes finanzieren und langfristig die Altersvorsorge sicherstellen. Wie ist es möglich, die finanzielle Flexibilität zu wahren?

Für kurzfristige Ausgaben sollten ohnehin in etwa drei Nettomonatseinkommen auf einem täglich verfügbaren Giro- oder Tagesgeldkonto geparkt werden. Darüber hinaus empfiehlt sich eine Mischung aus verschiedenen Anlageklassen. Gerade das Basisinvestment sollte dabei sowohl den Aktien- als auch den Anleihesektor beinhalten. Je näher der Zeitpunkt einer Anlagenverwertung rückt, umso sicherer und stabiler sollte die Anlageklasse sein.

Sehen wir uns nun einen anderen Fall an und beleuchten wir ein Ehepaar mit zwei Kindern im Teenager-Alter. Was raten Sie hier grundsätzlich?

Wichtig ist, gerade Teenager frühzeitig auch in die Entscheidungen miteinzubeziehen und ihnen die grundlegenden Begriffe der Finanzwelt und der Anlagen näher zu bringen. Leider stellen wir immer wieder fest, dass Berufsanfänger und Jungakademiker oft schlecht und falsch beraten werden. Falschberatungen können aber durch entsprechende Bildung weitestgehend vermieden werden.

Was gilt es in Sachen vermögenswirksame Leistungen zu wissen?

In erster Linie geht es bei vermögenswirksamen Leistungen auch um den Zuschuss vom Arbeitgeber, der diese mittelfristige Anlage interessant macht. Zur Anlage der vermögenswirksamen Leistungen selbst gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Neben dem klassischen Weg über Bausparen wird auch Aktienfondssparen über die Arbeitnehmersparzulage staatlich gefördert. Dabei liegt der Fördersatz beim Fondssparen höher als bei der Bausparförderung. Bei Bausparverträgen kann aber zudem von der Wohnungsbauprämie profitiert werden. Da es bei den aktuellen Bauspartarifen kaum noch eine Guthabenverzinsung gibt, raten wir zu diesem Produkt nur noch, wenn auch wirklich der Erwerb einer Immobilie geplant ist.

Welche Kindergeldgrenzen sind beim Sparen zu beachten?

Für minderjährige Kinder besteht der Anspruch auf Kindergeld ab dem Geburtsmonat bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Darüber hinaus wird Kindergeld nur noch dann gewährt, soweit sich der junge Erwachsene noch in Schul- oder Berufsausbildung befindet oder arbeitssuchend gemeldet ist. Längstens allerdings bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres. Darüber hinaus gibt es nur in seltenen Fällen Ausnahmen. Für die beiden ersten Kinder liegt die Höhe des Kindergeldes aktuell bei 219 Euro monatlich  und steigt beim dritten und vierten versorgungsberechtigten Kind an. Teile des Kindergelds kann man in jedem Fall nutzen, um für das Kind einen eigenen finanziellen Grundstock zu bilden.

Im Teenager-Alter erlangen Kindern immer mehr Reife. Inwiefern halten Sie es für wichtig, Kindern in diesem Alter finanzielle Bildung zu vermitteln?

Wie bereits erwähnt ist die Finanzbildung von Kindern und Jugendlichen von großer Bedeutung für deren Zukunft. Wenn junge Erwachsene bereits ein Wissen über Produkte und Zusammenhänge am Finanzmarkt vermittelt bekommen, ist die Gefahr wesentlich geringer, dass sie Betrügereien oder Falschberatungen aufsitzen. Auch ein Verständnis für die unterschiedlichen Anlageklassen sorgt dafür, dass man Werbeversprechen besser einordnen kann. Viele junge Sparer werden mit überzogenen Renditeversprechen in teure und riskante Anlageformen gelockt.

Egal, ob die Kinder klein oder schon größer sind, die materielle Versorgung liegt lange Zeit bei den Eltern. Gibt es Versicherungen, die Familien unbedingt haben sollten?

Die wichtigste Versicherung im Zusammenhang mit Kindern ist sicherlich eine private Haftpflichtversicherung. Darüber hinaus kann eine Ergänzung des gesetzlichen Krankenversicherungsschutzes sinnvoll sein, der Zugang zu besserer medizinischer Versorgung ermöglicht. Gerade bei möglichen Krankenhausaufenthalten kann das auch förderlich für den Genesungsprozess sein. Eine Kinderunfallversicherung hilft bei bleibenden Folgen eines Unfalls und leistet je nach Ausgestaltung in Form einer einmaligen Kapitalzahlung, die in erster Linie für notwendige Umbaumaßnahmen gedacht ist, oder als Rentenzahlung, mit der auch pflegerische Leistungen bezahlt werden können. Eine Kinderinvaliditätsversicherung geht noch einen Schritt weiter und sichert auch krankheitsbedingte Langzeitschäden ab. Ab dem Berufseinstieg sollte diese dann aber durch eine Berufsunfähigkeitspolice ersetzt werden.