Von Thomas Brummer24. März 2022
ARERO-Gründer und Finanzprofessor Martin Weber.

Martin Weber (Arero): Über Rohstoffe, Nachhaltigkeit, Value und Kryptowährungen im Portfolio

Gehören Rohstoffe ins Portfolio? Was ist mit Nachhaltigkeit? Steht Value vor dem Comeback? Martin Weber, Professor und Geschäftsführer von Arero, antwortet auf diese Fragen.

In ein ausgewogenes Portfolio gehören mit Sicherheit globale Aktien und Anleihen. Sie setzen bei Arero zusätzlich auch auf Rohstoffe. Wieso gehören Rohstoffe eigentlich ins Portfolio?

In der Tat ist Arero ein Rohstoffanteil mit einer Zielgewichtung von 15 Prozent beigemischt. Dieser wird über den Bloomberg Commodity Index Total Return 3 Month Forward, einen breit diversifizierten Future-Index, abgebildet. Es gibt mehrere Gründe dafür, warum diese Anlage in Arero enthalten ist. Zunächst haben Rohstoff-Futures im langfristigen Durchschnitt eine positive Risikoprämie gezahlt. Außerdem bieten Rohstoffe eine gewisse Schutzfunktion gegenüber unerwarteten Inflationsschocks, was sich gerade auch aktuell wieder zeigt. Zuletzt können Rohstoffe aufgrund ihrer geringen Korrelation mit Aktien und Anleihen ein attraktives Diversifikationspotential in einem breit diversifizierten Portfolio bieten.

Ist diese Anlageklasse für Privatanleger angesichts drohender Rollverluste nicht mit Vorsicht zu genießen?

Was langfristig entscheidend dafür ist, wie viel man mit Rohstoff-Futures im Erwartungswert verdient, ist die Risikoprämie, die am Futures-Markt als Kompensation für die Übernahme des Preisrisikos gezahlt wird. Und diese Risikoprämie war im langfristigen historischen Durchschnitt positiv. Das heißt, Anleger haben in der Vergangenheit durchschnittlich keine Rollverluste, sondern Rollgewinne gemacht.

Arero gibt es mittlerweile auch in nachhaltiger Variante. Wie streng gehen Sie hierbei vor und wie verträgt sich das mit der Rohstoff-Komponente?

Die Anlagephilosophie des „Arero – Nachhaltig“ beherzigt die einfachen und wissenschaftlichen Grundsätze des Arero-Konzepts, nämlich hohe Diversifikation, niedrige Kosten, passive Anlagephilosophie. Um dieser Maxime gerecht zu werden, basieren die Portfoliokomponenten weiterhin auf der 60-25-15 Gewichtung von Aktien, Renten und Rohstoffen. Im Aktienbereich werden die Gewichte für die Regionen weiterhin auf Grundlage ihres Anteils am Weltbruttoinlandsprodukt (BIP) bestimmt, um sich so nachhaltig an der weltwirtschaftlichen Entwicklung zu beteiligen. Im Unterschied zum klassischen Arero wird bei „Arero – Nachhaltig“ jedoch zusätzlich ein Nachhaltigkeitsfilter angewendet, welcher auf der DWS ESG Engine basiert. Hierdurch werden Unternehmen, die nicht ein gewissen Mindeststandard in Punkto Nachhaltigkeit aufweisen ausgeschlossen. Der interessierte Anleger bzw. die interessierte Anlegerin findet auf www.arero.de eine detaillierte Beschreibung des ESG-Filters.

Für den Anleiheanteil gibt es zwischen dem klassischen Arero und Arero Nachhaltig keine Unterschiede. Der Rohstoffanteil von Arero-Nachhaltig ist jedoch leicht abgewandelt und wird durch den Bloomberg Commodity ex-Agriculture and Livestock 15/30 Capped 3 Month Forward TR abgebildet. Im Vergleich zum Rohstoffindex, der im klassischen Arero Anwendung findet, verzichtet der Bloomberg Commodity ex-Agriculture and Livestock auf Investments in Agrarrohstoffe und Nutztiere. Wir haben uns für diesen Index entschieden, da viele nachhaltig orientierte Anleger insbesondere die Anlage in Lebensmittel mit Skepsis betrachten. Aus rein finanzieller Sicht gehen vom Ausschluss dieser Rohstoffgruppen keine signifikanten Konsequenzen aus, da Agrarrohstoffe und Nutztiere auch im klassischen Arero nur ein sehr geringes Gewicht ausmachen. Die in der Rohstoffkomponente verbleibenden Gruppen bestehen aus Energie, Edelmetallen und Industriemetallen.

Ist die nachhaltige Geldanlage aus Ihrer Sicht eher eine Frage des guten Gewissens oder lassen sich etwa mit dem Rückenwind durch die Politik sogar Überrenditen für nachhaltige Unternehmen erwarten?

Eine ausgewogene Betrachtung der aktuellen Studienlage legt nahe, dass sich das Rendite-Risiko-Verhältnis nachhaltiger Anlagen nicht signifikant von dem konventioneller Anlagen unterscheidet. Ich erwarte auch nicht, dass sich das in Zukunft ändern wird. In dem Ausmaß, in dem wir im Moment erwarten, dass es durch die Politik Rückenwind für nachhaltige Unternehmen gibt, können wir in effizienten Märkten erwarten, dass die Aktienpreise diesen Rückenwind bereits reflektieren. Somit ließen sich damit keine Überrenditen verdienen.

Ich denke, dass die Entscheidung zwischen nachhaltiger und konventioneller Anlage Präferenzsache ist. Daher bieten wir Anlegern mit dem „klassischen“ Arero und Arero-Nachhaltig auch beide Varianten an.

Jahrelang kreiste der Begriff „Value“ durch die Medien, dann wurde es aufgrund der vergleichsweise mäßigen Rendite wieder ruhiger, was jedoch mittlerweile Fans wieder von einem Comeback träumen lässt. Sind diese Hoffnungen berechtigt?

Je nachdem, was man als Grund für die Existenz einer Faktorprämie in der Vergangenheit vermutet, lassen sich unterschiedliche Vorhersagen für die Zukunft dieser Prämie ableiten. Grundsätzlich gibt es bei jedem Faktor drei konkurrierende Erklärungsansätze für eine vergangene, positive Prämie: Zufall, Fehlbewertungen und Risikokompensation.

Wenn Value-Aktien in der Vergangenheit im Durchschnitt nur aufgrund von Zufall gut performt haben, dürfte man in Zukunft natürlich nicht auf eine im Erwartungswert positive Überrendite hoffen.

Das gilt jedoch ebenfalls, wenn man meint, dass die Value-Prämie auf systematische Fehlbewertungen zurückzuführen ist. Denn laut diesem Erklärungsansatz konnte man mit Value in der Vergangenheit Geld verdienen, da Investoren die „Schnäppchen“ in Form von Value-Aktien übersehen haben. Aber heutzutage wissen wir alle über Value Bescheid. Und auch wenn die Aufmerksamkeit vielleicht nicht mehr so stark darauf liegt, scheint es nicht gerade plausibel, dass zumindest professionelle Investoren, bzw. deren Computerprogramme, Schnäppchen wieder aus den Augen verlieren.

Tipp: Hier findest du eine Auswahl an Value-ETFs. In der ETF-Suche findest du weitere Anregungen für dein Portfolio.

Schließlich könnte man Value aber auch mit einer Risikokompensation erklären, da Aktien mit niedrigem Kurs-Buch-Verhältnis in kritischen Wirtschaftslagen zum Beispiel eher Insolvenz anmelden mussten. Dies ist der einzige Erklärungsansatz, bei dem die Value-Prämie auch in Zukunft erhalten bliebe. Doch gerade dann wäre Value nicht mehr besonders attraktiv, da die Essenz dieses Ansatzes darin besteht, dass man für Extra-Rendite mit Extra-Risiko bezahlt.

Es könnte übrigens auch sein, dass alle drei Ansätze einen Teil zur Erklärung der Value-Prämie beisteuern. Die Tatsache, dass diese im Zeitablauf signifikant weniger geworden ist, spricht jedoch dafür, dass ein großer Anteil auf Zufall und/oder vergangene Fehlbewertungen zurückzuführen ist.

Können Sie bitte kurz erklären, was es mit Faktor-Investing – wozu auch der Value-Ansatz zählt – auf sich hat und wie Sie dazu im Allgemeinen stehen?

Ganz klassisch generiert man einen Faktor, indem man das Anlageuniversum auf Basis einer bestimmten Kennzahl sortiert und dann die Positionen am einen Ende dieser Sortierung kauft und die Positionen am anderen Ende leerverkauft. So erhält man den Value-Faktor dadurch, dass man Unternehmen nach deren Kurs-Buch-Verhältnis sortiert und Unternehmen mit niedrigem Kurs-Buch-Verhältnis kauft und Unternehmen mit hohem Kurs-Buch-Verhältnis leerverkauft. Daraus resultiert eine sogenannte „Zero-Net-Investment“-Strategie, bei der man kein eigenes Kapital aufbringen muss. Die Käufe werden mittels der Erlöse aus den Leerverkäufen finanziert.

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Die Gründe, warum ein solcher Faktor im Erwartungswert eine positive Rendite produzieren könnte, sind die bereits angesprochenen: Risikokompensation oder Ausnutzung von Fehlbewertungen in Bezug auf die Variable, nach der man das Anlageuniversum sortiert hat. Investoren werden in der Regel wohl eher auf das Letztere hoffen.

Wenn Privatinvestoren aber in solche Faktoren investieren können, z.B. sobald es Smart-Beta-ETFs auf diesen Faktor gibt, ist der Faktor bereits allseits bekannt. Dann gibt es meiner Meinung nach keine guten Gründe mehr, an eine Ausnutzung von Fehlbewertungen glauben zu können. Die Tatsache, dass die Faktorprämien wie Value zunehmend geringer werden bzw. schon verschwunden sind, steht damit in Einklang.

Bei den Anlagemöglichkeiten, die Privatinvestoren in Bezug auf Faktor-Investing zur Verfügung stehen, wie Smart-Beta-ETFs, kommt zudem noch die mangelnde Möglichkeit zu Leerverkäufen hinzu. Da Faktorprämien oftmals zu einem großen Teil auf die Unterperformance der leerverkauften Positionen zurückzuführen sind, können Privatinvestoren daher bestenfalls ohnehin nur auf eine halbe Faktorprämie hoffen.

Zuvor haben wir kurz die Medien angesprochen. Was derzeit weit hitziger als „Value“ diskutiert wird, sind mit Sicherheit Kryptowährungen. Sollten Privatanleger hier dabei sein und wenn ja, in welcher Weise?

Ich persönlich denke, dass die Blockchain ein interessantes Konzept ist, welches Potenzial für viele zukunftsträchtige Anwendungen in der Finanzwelt und darüber hinaus bietet. Aber in Kryptowährungen sehe ich eher Spekulationsobjekte als eine Anlageklasse.

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