Martin Weber über den neuen nachhaltigen ARERO-Weltfonds

Den „ARERO-Weltfonds“ gibt es nun auch in nachhaltiger Variante. Wir haben dazu bei ARERO-Gründer und Finanzprofessor Martin Weber nachgefragt. 

Herr Weber, Sie haben in Zusammenarbeit mit DWS kürzlich den „ARERO-Nachhaltig“ aufgelegt. Was hat Sie dazu bewogen?

Nachhaltigkeit ist vielen Menschen in unserer Gesellschaft ein wichtiges Anliegen, das mittlerweile nicht mehr nur auf das Konsumverhalten Einfluss nimmt. Auch beim Investieren achten nachhaltigkeitsorientierte Anleger nun darauf, wie ökologisch und sozial akzeptabel ihr Kapital angelegt wird. Mit „ARERO-Nachhaltig“ wollen wir solchen Anlegern die Möglichkeit bieten, ihre Präferenzen mit den ARERO-Grundsätzen zu kombinieren, um keine Abstriche bei der Qualität ihres Investments machen zu müssen.

Inwiefern bleibt der „ARERO-Nachhaltig“ den Anlagegrundsätzen des klassischen ARERO-Weltfonds treu?

„ARERO-Nachhaltig“ bleibt den fundamentalen ARERO-Prinzipen vollständig treu und verfolgt eine möglichst breite Diversifikation in Form einer passiven Anlagephilosophie zu möglichst geringen Kosten. Er setzt sich ebenfalls im Verhältnis 60/25/15 aus Aktien, Renten und Rohstoffen zusammen. Genauso wie der klassische ARERO ist es also ein weltweiter Multi-Asset Fonds, der mehr als 40 Länder abdeckt.

Für „nachhaltiges Investieren“ gibt es keine allgemein gültige Definition. Wie interpretieren Sie bei ARERO diesen Begriff?

Wir haben bei ARERO auch keine abschließende Definition für den Begriff des nachhaltigen Investierens. Wir umreißen den Begriff vielmehr dadurch, wie wir ihn umsetzen. Und hierfür fokussieren wir uns darauf, was wir möglichst objektiv messen können und das ist die Erfüllung bzw. Nicht-Erfüllung sogenannter ESG-Kriterien. Mit ESG werden die Bereiche Umwelt, also Environment, Soziales und Unternehmensführung, also Governance, abgekürzt. Bei „ARERO-Nachhaltig“ geht das Management der DWS in einem mehrstufigen Auswahlprozess so vor, dass Unternehmen, die messbare Kriterien aus diesen drei Bereichen nicht ausreichend erfüllen, aus dem Investmentuniversum ausgeschlossen werden. Die Daten hierfür werden über die DWS Engine bezogen, die die Nachhaltigkeitsratings von mehreren, führenden Anbietern aggregiert, um ein möglichst objektives Bild der Unternehmen zu erhalten.

Sie schließen in dem neuen Fonds nun Unternehmen aus, die in „kontroversen Sektoren“ tätig sind. Welche Sektoren sind das und wie gehen Sie dabei vor?

Beispiele für solche Sektoren sind Waffen, Tabak, Alkohol, Glücksspiel, und Pornographie. Hier werden Unternehmen im Allgemeinen nach dem Umfang ausgeschlossen, zu dem sie in solchen Sektoren Umsätze machen. Wenn ein Unternehmen mehr als fünf Prozent seiner Umsätze aus Geschäften in diesen kontroversen Sektoren generiert, dann wird es ausgeschlossen. Nur bei Waffenherstellern geht das Fondsmanagement nicht nach Umsatzanteilen vor, sondern schließt alle Unternehmen aus, die selbst Waffen produzieren oder Komponenten an Waffenhersteller liefern. Zudem werden Unternehmen ausgeschlossen, wenn sie mit mehr als 20 Prozent an Unternehmen beteiligt sind, die in die Waffenproduktion involviert sind, oder wenn sie mehrheitlich zu Unternehmen gehören, die in die Waffenproduktion involviert sind.

Ein zweites ESG-Kriterium bei Ihnen ist die Einhaltung von Unternehmensnormen. Was steckt dahinter und wie messen Sie diese?

Während die DWS Engine mit den Filtern für kontroverse Sektoren evaluiert ob das, was ein Unternehmen produziert, mit dem Nachhaltigkeitsgedanken vereinbar ist, prüft die Engine über Unternehmensnormen, ob das Vorgehen, wie ein Unternehmen produziert mit ESG-Kriterien konform geht. Die Unternehmensnormen, die  geprüft werden, leiten sich hauptsächlich von den zehn Prinzipien des UN Global Compact ab, welche alle drei ESG-Bereiche, Umwelt, Soziales und Unternehmensführung abbilden. Zum Beispiel zählen hierzu die Wahrung von Menschenrechten und die Nutzung ökologischer Technologien. Weil sich die Anbieter von Nachhaltigkeitsratings in den konkret angewandten Normen und deren Messung unterscheiden, kombiniert die DWS Engine die Daten der verschiedenen Anbieter zu einem Gesamtrating. Wenn einem Unternehmen sehr starke Normverletzungen vorgeworfen werden, erhält es ein schlechtes Gesamtrating und wird aus dem Investmentuniversum für „ARERO-Nachhaltig“ ausgeschlossen.

Gibt es weitere ESG-Faktoren, die Sie beim Screening anwenden?

Ja, zum einen das Klimatransitionsrisiko und zum anderen ein Best-in-Class Rating der allgemeinen ESG-Qualität eines Unternehmens. Mit dem Klimatransitionsrisiko misst die DWS Engine, inwiefern ein Unternehmen Profiteinbußen durch Regulationen von CO2-Ausstößen befürchten muss. Besonders gefährdete Unternehmen werden ausgeschlossen. Das Best-in-Class Rating sortiert Unternehmen innerhalb ihrer Vergleichsgruppe auf Basis eines Gesamtratings für ESG-Bemühungen, die auch über das bloße Minimum hinausgehen können. Diese ESG-Bemühungen werden in mehr als hundert Aspekten aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung erfasst. In jeder Vergleichsgruppe werden dann wieder die am wenigsten bemühten Unternehmen ausgeschlossen.

Wie viele Unternehmen screenen Sie und wie viele bleiben am Ende übrig?

Es werden Unternehmen gescreent, die im klassischen ARERO enthalten sind. Diese sind den Solactive Indizes für Nordamerika, Europa, den Pazifikraum und Schwellenländer entnommen. In Summe sind das mehrere tausend Unternehmen. Als wir uns vor Auflage des Fonds die Auswirkungen des Nachhaltigkeitsfilters angeschaut haben, hat der Filter die Anzahl der Unternehmen um circa elf Prozent reduziert.

Findet die ESG-Komponente auch bei den im Fonds enthaltenen Anleihen und Rohstoffen Anwendung?

Die Anleihekomponente von „ARERO-Nachhaltig“ besteht wie beim klassischen ARERO aus Staatsanleihen mit Investment-Grade Rating aus dem Euro-Raum. Prinzipiell existiert hier ebenfalls ein Nachhaltigkeitsfilter, der Daten verschiedener Ratingagenturen und NGOs kombiniert und dessen Kriterien zum Beispiel die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls und den Verzicht auf die Todesstrafe vorsehen. Aufgrund dieser Kriterien wird aber kein Staat aus dem Euro-Raum eliminiert, sodass die Anleihekomponente dieselbe wie im klassischen ARERO bleibt. Im Bereich Rohstoffe exkludiert der Fonds Anlagen, die mit Agrarrohstoffen und Lebendvieh im Zusammenhang stehen, da hier teilweise Bedenken bezüglich ihrer Nachhaltigkeit existieren.

Besteht aus Ihrer Sicht eine positive Korrelation zwischen Nachhaltigkeit und Rendite?

Zu dieser Frage würde ich den derzeitigen Forschungsstand so zusammenfassen, dass es zumindest keine negative Korrelation zwischen Nachhaltigkeit und Rendite gibt. Manche Studien finden eine positive Korrelation, manche eine negative und andere gar keine. Diese Studien sprechen zwar nur für die Vergangenheit, aber auch in Zukunft würde ich tendenziell über lange Zeitreihen keine signifikante Performancedifferenz zwischen nachhaltigen und nicht-nachhaltigen Investments erwarten, zumindest auf einer risikoadjustierten Ebene. In effizienten Märkten gehen wir ja immer davon aus, dass systematisch höhere Rendite nur mit höherem Risiko einhergehen kann.

Über welche Anbieter können Kunden den „ARERO-Nachhaltig“ derzeit ordern und wie stellen sich die Fondsgebühren dar?

Aktuell kann man „ARERO-Nachhaltig“ bei der DWS Direkt, der DAB und bei Smartbroker (► Zum Testbericht)  direkt von der Fondsgesellschaft kaufen. Bei vielen anderen Banken und Onlinebrokern wie ING (► Zum Testbericht) oder Flatex (► Zum Testbericht) kann man den Fonds über die Börse kaufen. Genauere Informationen hierzu sind auf https://www.arero.de/nachhaltig verfügbar. Wir arbeiten fortlaufend daran, das Angebot zu erweitern. Wie beim klassischen ARERO gibt es keinen Ausgabeaufschlag und die laufenden Kosten belaufen sich laut KID auf 0,5 Prozent im Jahr.