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Private-Equity: Teilweise Überrendite von fünf Prozent gegenüber Aktienmarkt

Die digitale Vermögensverwaltung Liqid (► Zum Testbericht) investiert seit Jahren in Private Equity. Uwe Görler sprach über die Hintergründe zu Private-Equity-Investments mit Moritz von Rhein, Analyst bei der Liqid Investment GmbH.

Private-Equity-Gesellschaften wurden einst von Seiten der Politik als Heuschrecken bezeichnet. Wird dies der Realität gerecht?

Der 2005 vom damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering geprägte Begriff für Finanzinvestoren, die „wie Heuschreckenschwärme“ in Deutschland einfielen, hat sich überlebt und ist empirisch nicht haltbar. Private-Equity-Gesellschaften suchen alles andere als den schnellen Einstieg oder den noch schnelleren Ausstieg: Die Haltedauer der Fonds beträgt im Schnitt sieben Jahre. In der Öffentlichkeit setzt allmählich ein Umdenken ein, weil auch die Private-Equity-Investoren, die sich in deutsche Firmen einkaufen, anders vorgehen. Die 14 Jahre seit dem Müntefering-Bonmot haben gezeigt, dass Private-Equity-Manager dank ihrer Erfahrung zahlreiche Unternehmen gerettet haben. Hinzu kommt: Immer mehr mittelständische Unternehmer finden keinen Nachfolger, stehen vor großen strategischen Herausforderungen wie der Digitalisierung oder haben unerschlossenes Potenzial im internationalen Markt. Darum sind sie am Einstieg eines finanzkräftigen Private-Equity-Investors interessiert. Plus: Die Fonds bringen Expertise mit. Für sie arbeiten Spezialisten, die sich in einzelnen Branchen auskennen und wissen, wie man ein Unternehmen auf Vordermann bringt. Im Gegenzug verlangen sie verständlicherweise die Kontrolle.

Was sind die Vor- und Nachteile von Private-Equity-Investments gegenüber Aktien?

Mit dem direkten unternehmerischen Einfluss von Private-Equity-Mangern auf die Geschäftsführung der Zielunternehmen geht eine höhere Ertragserwartung einher als bei Aktienanlagen. Durch den Einsatz von Fremdkapital im Akquisitionsprozess wird diese zusätzlich erhöht. Gewiss kommt es bei Private-Equity-Investments auf die Wahl des richtigen Fondsmanager an: Spitzenfonds erzielen Renditen von 20 Prozent und mehr. Die Überrendite von Private Equity gegenüber Aktien liegt nach Einschätzung von Experten bei rund drei bis fünf Prozent. Allerdings ist zu beachten, dass Private Equity keine Anlageklasse wie jede andere ist. Immerhin sprechen wir hier von Beteiligungen an Unternehmen, die nicht an der Börse gelistet sind und damit nicht wie Aktien jederzeit gekauft und wieder verkauft werden können. Private-Equity-Investments sind auf einen längeren Anlagehorizont ausgerichtet. Investoren binden ihr Geld für mehrere Jahre und können dafür mit einer sehr attraktiven Rendite belohnt werden. Die Laufzeit eines typischen Fonds beträgt zehn bis zwölf Jahre. In der Regel erhalten die Anleger aber schon vorher Rückzahlungen, so dass die Kapitalbindungsdauer geringer ist. Der Anteil von Private-Equity-Beteiligungen bei Übernahmen und Beteiligungen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht.

Was ist der Grund für diese Entwicklung und welche Rolle spielt dabei die aktuelle Zinspolitik der EZB?

Private-Equity-Beteiligungen werden zu einem Großteil fremdfinanziert, weil dadurch  eine höhere Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielt werden kann. Die Niedrigzinspolitik der EZB begünstigt diese Strategie natürlich. Auch deswegen sind Private-Equity-Fonds besonders erfolgreich.

Wird dieser Trend aus Ihrer Sicht weiter anhalten?

Private-Equity-Investments sind in den vergangenen Jahren auch deshalb immer beliebter geworden, weil sie teilweise eine Überrendite von fünf Prozent gegenüber dem Aktienmarkt aufweisen konnten. Das führt zu Begehrlichkeiten. Laut dem „Global Private Equity Report“ von Bain & Company sind die Bewertungen und damit auch die Preise für Beteiligungen und parallel dazu der Wettbewerb um verfügbare Übernahmeziele deutlich angestiegen. Diese Faktoren sind dafür verantwortlich, dass Private-Equity-Fonds weniger Käufe tätigen als noch in der Vergangenheit. 2018 zählte Bain 13 Prozent weniger Buy-outs als im Vorjahr. Andererseits sind Branchenkenner optimistisch. Die renommierten Gesellschaften mit einem hervorragenden Track Record sind bestens dafür aufgestellt, auch in schwierigeren Zeiten erfolgreiche Transaktionen zu tätigen. Führende Häuser wie Cinven, CVC und Permira sammeln zig Milliarden Euro für neue Flaggschiff-Fonds ein. Laut der PwC-Studie „Private Equity Trend Report 2019“ sind allen voran deutsche Private-Equity-Gesellschaften positiv für 2019 gestimmt. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Abschächung können die Private-Equity-Fonds ihre Stärken ausspielen. Ausreichend Kapital ist vorhanden, um Unternehmen, die vor strukturellen Problemen stehen, kurzerhand zu übernehmen. Tatsächlich haben sich Private-Equity-Fonds, die rund um Rezessionszeiten aufgelegt wurden, im historischen Vergleich besonders gut entwickelt.

Die Differenz aus An- und Verkaufspreis sinkt. Macht das Private-Equity-Investments unattraktiver?

Aufgrund der gestiegenen Preise rechnen auch wir im aktuellen Marktumfeld nicht mehr mit ganz so hohen Renditen bei Private Equity wie in der Vergangenheit. Risikoreicher wird Private Equity dadurch aber aus unserer Sicht nicht. Wertschöpfung bei Private-Equity-Transaktionen ergibt sich nicht ausschließlich aus gestiegenen Verkaufspreisen, sondern beispielsweise auch aus der Finanzierung. Im PE-Markt sieht man auch deshalb aktuell die Tendenz zu längeren Haltedauern. Grundsätzlich gibt es bei Private Equity natürlich immer ein Ausfallrisiko. Dieses minimieren wir durch eine breite Streuung über verschiedene Top-Fonds, die ihrerseits alle in mehrere Unternehmen investieren.

Lange Zeit waren Private-Equity-Investments aufgrund hoher Mindestanlagesummen nur institutionellen Anlegern vorbehalten. Nun können auch Kleinanleger darin investieren. Was sie bei solchen Investments beachten?

Private Equity ist ein relevanter und vor allem nachhaltig arbeitender Bereich der Finanzindustrie. Private-Equity-Investments eröffnen für private und semi-institutionelle Anleger Zugang zu unternehmerischen Beteiligungen weiterer Diversifikation. Privatanleger, die über geschlossene Fonds in Private Equity investieren möchten, müssen aus regulatorischen Gründen mindestens 200.000 Euro einsetzen. Im deutschen Recht qualifizieren sich diese Anleger als „semi-professionell“. Und diese müssen sich darüber im Klaren sein, dass es schwierig bzw. oft teuer ist, aus einem Private-Equity-Fonds vorzeitig auszusteigen. Diese Illiquidität ist der Preis für die hohen Renditechancen. Anleger sollten bei der Wahl des richtigen Private-Equity-Fonds sehr genau hinschauen. Kostenstruktur, transparente Informationen über den Dachfonds und Performance-Historie des Zielfonds-Managers sind Hinweise für den künftigen Erfolg. Ein äußerst wichtiges Kriterium bei der Fondsauswahl ist auch der Track Record eines Managers, also der nachweisliche vergangene Investmenterfolg. Anders als bei aktiv gemanagten Aktienfonds lässt sich bei Private-Equity-Fonds durchaus von den Leistungen in der Vergangenheit auf die Zukunft schließen. Verschiedene Analysen zeigen, dass Private-Equity-Gesellschaften, die mit ihren Fonds hohe Renditen erwirtschaftet haben, dies auch mit anschließend aufgelegten Fonds schaffen.

Auch LIQID ermöglicht Investments in Private Equity. Wie gehen Sie dabei vor und wie hoch sollte der Anteil von Private Equity je nach Risikoprofil im Depot sein?

Der direkte Zugang zu Unternehmen, um sich dort als Private-Equity-Investor zu engagieren, ist für private und semi-institutionelle Anleger beschränkt. Zum einen sind die Investments nicht so leicht zu finden; zum anderen erfordert der Einstieg in substanzstarke Firmen in der Regel mehrere Millionen Euro. Und auch globale Private-Equity-Fonds, die sich an institutionelle Anleger richten, sind kaum mehr erschwinglich. Bei LIQID ist das anders. Wir öffnen Privatanlegern Zugang zu einigen der renommiertesten Private-Equity-Fonds. Ab 200.000 Euro können sich Anleger an einem breit diversifizierten Private-Equity-Portfolio beteiligen. LIQID arbeitet dabei eng mit HQ Trust zusammen und macht seinen Kunden damit Investmentmöglichkeiten in Private Equity-Fonds zugänglich, die sonst nur professionellen Anlegern offen stünden. HQ Trust, das Family Office der Familie Harald Quandt, gehört zu den führenden Private-Equity-Investoren  Deutschlands. Private Equity sollte ein Baustein im Portfolio sein. Bei der Allokation sollte man sich an den Family Offices orientieren. Sie haben langjährige Erfahrung mit Private Equity und mischen sie als unverzichtbaren Teil ihren Portfolios bei. Internationale Family-Office-Portfolios haben einen durchschnittlichen Anteil von rund 22 Prozent Private Equity. Deutsche Family Offices sind da etwas zurückhaltender – mit einem Anteil von durchschnittlich gut 15 Prozent. Für erfahrene Privatanleger halten wir einen Anteil von rund 20 Prozent am investierbaren Vermögen für angemessen.

Anmerkung  der Redaktion:  Mit ETFs können Sie auf Aktien börsengehandelter Private-Equity-Gesellschaften partizipieren. Die Details dazu finden Sie hier

Zur Person: Moritz von Rhein verantwortet bei dem digitalen Vermögensverwalter LIQID die Themen Private Equity und Kapitalmarktanalysen. Er hat Volkswirtschaftslehre und Finanzökonometrie in München, Buenos Aires und St. Gallen studiert.