Nachhaltige Aktien-ETFs kommen besser durch die Krise

BNP Paribas Asset Management führte für zwei seiner ETFs einen zusätzlichen ESG-Filter ein.  Zu den Hintergründen und zum Thema nachhaltige Aktien-ETFs allgemein sprach das Extra-Magazin mit Claus Hecher, dem Leiter der ETF-Geschäftsentwicklungsabteilung bei BNP Paribas Asset Management.

BNP Paribas Asset Management bietet seit mehr als 10 Jahren nachhaltige ETFs an und hat nun sein Angebot als erster ETF-Anbieter um einen ESG-konformen Indexfonds für globale Infrastrukturaktien ergänzt. Was ist darunter zu verstehen, wie interessant ist dieser Sektor aus Anlegersicht?

Der ETF bildet einen Aktienindex ab, der dem Investor die Möglichkeit eröffnet, in globale Unternehmen zu investieren, die von einer zunehmenden Nachfrage nach Entwicklung und Erhaltung von globaler nachhaltiger Infrastruktur profitieren können.

Wer entscheidet über die Auswahl und was sind dabei die Auswahlkriterien?

Der ECPI Global ESG Infrastructure Index wurde von dem italienischen Indexanbieter ECPI entwickelt, für den seit mehr als 20 Jahren ESG-Kriterien im Vordergrund stehen. Die Methodik dieses Index basiert in erster Linie auf ökologischen, gesellschaftlichen und governancebezogenen Kriterien (ESG) von weltweit tätigen börsennotierten Unternehmen. Ausgewählt werden Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von jeweils mehr als 500 Millionen EUR nach finanziellen und nicht-finanziellen Kriterien ausgewählt und decken jeweils eines der folgenden Themen ab: Kommunikation, Energie, Verkehr, Abfallwirtschaft, Wasser und soziale Infrastruktur.

Sie bieten nun auch einen ETF an, der einen nachhaltigen europäischen Small Cap Index abbildet. Welchen Regeln folgt der Index?

Mit dem BNP Paribas Easy MSCI Europe Small Caps SRI S Series 5% Capped UCITS ETF investieren Anleger in die Wertentwicklung von 200 kleineren europäischen Unternehmen. Er ist der erste ETF auf Small Caps, der einen ESG-Ansatz verfolgt. Die Auswahl erfolgt nach der Methodik von MSCI. Das SRI-Indexkonzept schließt im ersten Schritt grundsätzlich Unternehmen aus dem Investmentuniversum aus, die in den umstrittenen Geschäftsfeldern Alkohol, Glücksspiel, Tabak, Rüstung, Feuerwaffen, Pornographie, gentechnisch veränderte Organismen und Kernenergie aktiv sind. Im zweiten Schritt werden nach einem Best-in-Class Ansatz alle Gesellschaften ergänzt, die hinsichtlich ihres ESG-Ratings (mindestens „BB“ auf einer siebenstufigen Skala zwischen „AAA“ und „CCC“), ihrer Sektorzugehörigkeit und Unternehmensgröße geeignet sind. Somit sollen materielle ESG-Risiken reduziert und Chancen identifiziert werden. Schließlich gelten Mindeststandards hinsichtlich der vom Kontroversen-Research vergebenen Punktzahlen bei der Analyse und Überwachung von Kontroversen wie Verstöße gegen internationale Normen von United Nations und relevanten Nichtregierungsorganisationen. Ziel ist die Minimierung von Reputationsrisiken. Themen sind dabei Umwelt, Menschenrechte, Arbeitnehmerrechte, Lieferketten sowie die Unternehmensführung. Für unseren ETF haben wir eine Indexvariante mit einer Gewichtungsobergrenze i.H. von 5 Prozent pro Titel gewählt, um eine Konzentration des Indexportfolios zugunsten von Aktien mit der höchsten Marktkapitalisierung zu vermeiden. Der Zusatz „S-Series“ steht für strengere Umsatzgrenzen bei Ausschlüssen von Unternehmen, deren Tätigkeit unmittelbar mit fossilen Brennstoffen in Zusammenhang steht. Dies betrifft sowohl die Suche nach fossilen Energieträgern, deren Gewinnung, Verarbeitung, Transport und Lagerung als auch die Erzeugung von Strom aus solchen Rohstoffen. Für den Sektor Kernenergie gelten strengere Umsatzhöchstgrenzen.

Wie sieht es mit der Akzeptanz und Performance von nachhaltigen Indizes im Vergleich zu Standardindizes aus?

Nachhaltige Aktien-ETFs auf globale und regionale Indizes haben sich längst etabliert und konnten bei allen Anbietern trotz der jüngsten Krise an den Aktienmärkten im 1. Quartal 2020 mehr als 6,2 Milliarden Euro Nettomittelzuflüsse verbuchen.  Die von BNP Paribas Easy ETF abgebildeten MSCI SRI S-Series 5% Capped – Indizes konnten zudem im 1. Quartal 2020 für die entwickelten Märkte geringere Wertverluste im Vergleich zum jeweiligen Standardindex ausweisen. So verlor der MSCI World SRI  in der Krise 3,37 Prozent weniger als der klassische MSCI World. In Europa betrug die Überrendite der nachhaltigen Indizes gegenüber dem entsprechenden Mutterindex 3,54 Prozent, in den USA 2,80 Prozent und in Japan sogar 4,48 Prozent., 

Einer der Schwerpunkte von BNP Paribas Easy ETF ist bereits seit Jahren das Thema Nachhaltigkeit. Institutionelle Investoren nutzen schon seit längerer Zeit solche Investments, werden Sie nun auch bei Privatinvestoren mehr nachgefragt?

In der Tat wächst die Nachfrage nach nachhaltigen ETFs auch bei Privatinvestoren. Wir können dies zum Beispiel an den steigenden Abschlusszahlen für ETF-Sparpläne bei der Consorsbank (► Zum Testbericht) für unser Angebot feststellen. Die Vermögensverwaltung der Privatbanken bietet zunehmend Varianten an, die die Asset Allocation mit nachhaltigen Finanzinstrumenten im Kundendepot implementieren. Da spielen ETFs auf nachhaltige Indizes immer dann eine Rolle, wenn der Portfoliomanager kostengünstige und transparente Vermögensbausteine einsetzen will.