„Neue Core ETFs minimieren die Risiken“

„Neue Core ETFs minimieren die Risiken“

Mitte Januar 2019 legte Legal & General (LGIM) seine ersten ETFs nach Übernahme der Produktpalette von ETF Securities auf. Mit sechs neuen Core ETFs geht der britische ETF-Anbieter ganz neue Wege. Das EXtra-Magazin sprach dazu mit Philipp Königsmarck, LGIM-Vertriebsleiter von Publikumsfonds in Deutschland.

Legal & General (LGIM) legte jetzt sechs neue ETFs auf und erweitert damit seine Produktpalette deutlich. Handelt es sich bei diesen Produkten um neue ETFs oder transferiert LGIM bereits bestehende LGIM-Produkte aus Großbritannien nach Deutschland?

Bislang waren wir eher als Indexfondsanbieter bekannt – in diesem Segment sind wir der fünftgrößte Anbieter weltweit und verfügen über 30 Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet. Für Wholesale-Kunden in Europa stehen jedoch Exchange-Traded-Funds im Fokus. Mit unseren Core ETFs haben wir eine vollständig neue Produktpalette geschaffen. Die neuen Core ETFs minimieren die Risiken, die sich aus den Massentrades von ETFs auf Standard-Indizes, dem so genannten Crowding, ergeben. Zudem arbeiten wir bei diesen ETFs aktiv mit den Unternehmen zusammen – zum langfristigen Nutzen des Marktes und der Investoren. Diese ETFs sind neu und wurden für die Bedürfnisse der europäischen Kunden entwickelt.

Bisher ist LGIM hierzulande durch Übernahmeprodukte von ETF Securities aus den Bereichen Rohstoffe und Spezialthemen bekannt. Nun legen Sie auch Core-ETFs auf. Möchten Sie damit in Deutschland vom Nischenanbieter zum Allrounder werden?

In den kommenden Jahren wollen wir uns von einem spezialisierten ETF-Anbieter zu einem Full-Service-Anbieter auf dem ETF-Markt entwickeln. Wir sehen Potenzial am Markt, denn viele Kunden haben sich bislang auf nur ein bis zwei große Anbieter konzentriert und wünschen sich eine stärkere Diversifikation. Zudem ändert sich das Investmentverhalten der Kunden. Der Wunsch, verantwortungsvoll zu investieren, spielt eine immer größere Rolle.  Neue Produkte werden benötigt, die diesen Bedarf erfüllen. Dabei können wir uns insbesondere dadurch auszeichnen, dass wir Stimmrechtsanteile – sowohl durch aktiv als auch passiv verwaltete Vermögen – aktiv wahrnehmen.

Sie verfolgen bei diesen neuen Basis-ETFs eine andere Herangehensweise. Was ist der Unterschied zu anderen Basis-ETFs der Mitbewerber? Und wie wollen Sie dabei den deutschen Markt verändern, wie Sie angekündigt haben?

Unsere Core ETFs werden ihr Marktsegment dadurch verändern, dass wir mit ihnen gleich drei Produktmerkmale zum Vorteil der Kunden bündeln. Erstens bildet das Thema Nachhaltige Geldanlagen als zentraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie von LGIM auch einen integralen Teil des Investmentprozesses der neuen Produkte. Zweitens schützen unsere Core ETFs vor Handelsverlusten, die sich aus den Massentrades von ETFs auf Standard-Indizes ergeben können. Diese Vorteile runden wir mit äußerst attraktiven Konditionen ab, die bereits ab einer Gesamtkostenquote (OCF) von lediglich 0,05 Prozent beginnen.

Welchen Vorteil bringt diese Herangehensweise für den Anleger?

Wir bieten Kunden einen kostengünstigen Zugang zu den wichtigen Märkten bei reduzierten Risiken durch die Vermeidung von überfüllten Handelstagen. Gleichzeitig erwirken Anleger mit ihren Investments einen positiven Einfluss, da alle Portfoliounternehmen auf Mindeststandards im Bereich Best Business Practices geprüft werden und die ETFs aktiv durch unser Corporate Governance Team überwacht werden.

Anders als die meisten anderen Emittenten nutzen Sie dabei nicht Indizes von MSCI, Stoxx oder FTSE, sondern von Solactive. Warum?

Solactive hat die zugrundeliegenden Indizes speziell für die L&G Core Equity ETFs entworfen. Im Mittelpunkt dabei stand die Vermeidung von stark frequentierten Handelstagen. Die überwiegende Mehrheit der ETF-Anbieter nimmt die Neugewichtung ihrer ETFs immer an den gleichen Terminen vor – nämlich dann, wenn auch die zugrundeliegenden Indizes angepasst werden. Das Handelsvolumen ist an diesen Tagen deutlich höher als an normalen Tagen. Die erhöhte Nachfrage trifft auf ein gleichbleibendes Angebot und verursacht Kursvolatilitäten, die wiederum zu Handelsverlusten führen können. Mit unseren Core Equity ETFs vermeiden wir es daher bewusst, rund um die Index-Anpassungstage zu handeln.

Die nicht ganz passive Herangehensweise mit dem Herausfiltern nach den beschriebenen Kriterien kostet Geld. Wie schaffen Sie es, Ihre ETFs trotzdem so kostengünstig anzubieten?

Als erster Indexfondsanbieter Großbritanniens und fünftgrößter weltweit ist unser Geschäftsmodell effizient aufgestellt und kommt mit geringen Margen gut zurecht. Zudem haben wir bereits seit mehr als 15 Jahren einen Nachhaltigkeitsansatz in unseren Investmentprozess integriert: Mit unserer bestehenden Exlusionsliste namens „Future World protection list“, die wir auch für aktiv gemanagte Strategien nutzen, können wir Synergien für unser passives Geschäft nutzen.

Unser Corporate Governance Team nimmt unsere Stimmrechte aktiv wahr – egal ob sie aus verwalteten Vermögen in ETFs/Index- oder aktiv gemanagten Fonds kommen – und nutzt diese, um positiven Wandel hin zu einer nachhaltigen Unternehmensstrategie voranzutreiben.

Wie sicher ist dies für den Anleger? Nutzen Sie dabei auch Wertpapierleihe oder Derivate zur Dividendenoptimierung?

Wir konzentrieren uns auf den Mehrwert durch Antizipierung [MN1] von Indexveränderungen und Vermeidung von Handelsterminen, an denen die meisten anderen handeln. Wir betreiben keine Aktienleihe, da gerade Dachfondskunden dies aus steuerlichen Gründen nicht wünschen. Darüber hinaus sind unsere Core ETFs physisch repliziert.

LGIM ist bei vielen Anlegern in Deutschland noch weniger bekannt. Könnten Sie bitte Ihr Unternehmen kurz vorstellen?

Mit 1.100 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen ist LGIM der zweitgrößte europäische Asset Manager und der elftgrößte weltweit. LGIM bietet als Bausteine für „fund buyer“ eine fokussierte Auswahl an Fonds an, die in einem kombinierten „Top down – bottom-up“-Ansatz gemanagt werden. LGIM ist ein High Alpha Fixed Income Manager und Anbieter einer breiten Palette an Index Fonds und ETFs. LGIM ist seit 1970 als institutioneller Investment Manager tätig und gehört zu der 1836 gegründeten Legal & General Group, die mit einer Marktkapitalisierung von 15 Milliarden zu den FTSE 100 Unternehmen zählt.

Zur Person: Philipp Königsmarck leitet bei Legal & General Investment Management den Vertrieb von Publikumsfonds in Deutschland. Er verantwortet dabei den Aufbau der Geschäftsbeziehungen zu nationalen Großkunden und Wholesale-Geschäftspartnern. Davor war er 13 Jahre in leitender Position bei Fidelity tätig, zuletzt als Head of Family Offices & Asset Manager, zuvor als Head of IFA Sales. Philipp Königsmarck verfügt über mehr als 17 Jahre Erfahrung in der Fondsbranche und hat ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Kreditwirtschaft & Finanzierung an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main abgeschlossen.