„Noch sehr viel Veränderung im Markt für Kryptowährungen“

„Noch sehr viel Veränderung im Markt für Kryptowährungen“

Die Börse Stuttgart setzt voll auf Digitalisierung. So sind seit kurzer Zeit Kryptowährungen mittels der neuen Bison-App leicht und sicher zu handeln. Darüber hinaus setzt der Handelsplatz auf neue innovative Handelsplattformen, welche die Blockchain-Technologie nutzen. Das Extra-Magazin sprach am Rande der Anlegermesse Invest in Stuttgart mit Dr. Ulli Spankowski, Geschäftsführer der Börse Stuttgart Digital Ventures GmbH sowie Gründer und Geschäftsführer der Sowa Labs GmbH

Die Börse Stuttgart hat vor kurzer Zeit eine App namens Bison auf den Markt gebracht. Was ist das Besondere daran?

Ziel von Bison ist, dass die Nutzer auf möglichst einfache Weise Kryptowährungen kaufen und verkaufen können. Handelspartner ist dabei stets die Euwax AG, ein Tochterunternehmen der Börse Stuttgart. Der Nutzer kann in der App angeben, für wieviel Geld er Kryptowährungen kaufen oder verkaufen will, und stellt damit eine Preisanfrage. Dann wird ihm zehn Sekunden lang ein Preis angezeigt, zu dem er handeln kann. Bestätigt der Nutzer diesen Preis, wird seine Order sofort ausgeführt. Nach diesem Prinzip funktioniert der Handel bei Bison für die vier Kryptowährungen Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Ripple (XRP) – an sieben Tagen die Woche.

Was sind überhaupt Kryptowährungen?

Der Ursprung von Kryptowährungen liegt im Jahr 2008, als unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ eine Studie zu den Grundlagen von Bitcoin veröffentlicht wurde. Die Idee dabei war, ein dezentrales Zahlungssystem zu schaffen, das unabhängig von Staaten und Banken ist. Damit ließe sich Geld von A nach B transferieren, ohne dass eine zwischengeschaltete Instanz dies legitimiert. Denn die Legitimation kommt durch die Blockchain-Technologie zustande, ein dezentrales Datenbanksystem. Sie können sich die Funktionsweise so vorstellen: Wir stehen auf einem großen Platz. Sie sagen zum Beispiel, dass Sie mir ihr Haus vermachen. Dann nehme ich das an. Und wenn mindestens 51 Prozent der Menschen auf dem Platz diese Aussagen gehört haben und zustimmen, dann ist das Geschäft getätigt. Bei der Blockchain läuft das ähnlich, jeder Teilnehmer sieht die gleichen Informationen auf dem verteilten System. Um eine Transaktion zu bestätigen und in der Blockchain festzuschreiben, muss eine kryptografische Rechenaufgabe gelöst werden. Wenn jemand die Lösung errechnet und das von 51 Prozent der Teilnehmer bestätigt wird, bekommt er dafür eine Vergütung. Beim Bitcoinsystem sind das dann Bitcoin, die auf diese Weise geschaffen werden.

Immer wieder kommen Bitcoins und andere Kryptowährungen in die Schlagzeilen. Manchmal werden die elektronischen Geldbörsen, sogenannte Wallets, ausgeräumt. Und aufgrund immer neuer Vorwürfe der Geldwäsche erwägen Staaten wie aktuell Frankreich ein Verbot bestimmter Kryptowährungen. Wie sehen Sie angesichts dieser Vorgänge deren weitere Zukunft?

Kryptowährungen sind dabei, sich als volatile und spekulative Anlageklasse zu etablieren. Sie wecken das Interesse von selbstbestimmten Anlegern, die für erhöhte Renditechancen auch höhere Risiken in Kauf nehmen. Ich glaube, dass wir noch sehr viel Veränderung im Markt für Kryptowährungen sehen werden, er wird schon in fünf Jahren nicht mehr so aussehen wie heute. Ich glaube aber auch, dass der Markt insgesamt nicht wieder verschwinden wird.

In Zuge der Digitalisierung setzt die Börse Stuttgart auch verstärkt auf die Blockchain-Technologie und sogenannte Initial Coin Offerings. Was ist dies und was sind die Vorteile dieser neuen Technologie für den Anleger?

Ein Bitcoin ist letztlich ein Stück Programmcode, ein sogenannter Token. Ein Token kann aber nicht nur wie beim Bitcoin eine Zahlungseinheit sein, sondern lässt sich flexibel mit allen möglichen Rechten und Gütern aufladen. Das können Eigentumsrechte oder Zahlungsansprüche sein wie bei einem klassischen Wertpapier, aber auch ganz andere Dinge wie ein Nutzungsrecht oder ein Rabatt für ein Produkt. Für Unternehmen, die selbst Token herausgeben und sich auf diese Weise finanzieren möchten, entwickelt die Börse Stuttgart derzeit eine Plattform mit standardisierten und transparenten Abläufen. Anleger können flexibel weltweit in Token investieren, auch mit kleinen Beträgen und zu geringen Kosten. Dabei ermöglichen Token auch neue Investmentformen durch die Art der abgebildeten Rechte und Güter.

Mancher vor allem ältere Anleger macht sich angesichts der zunehmenden Digitalisierung im Zuge des Sammelns immer weiterer Daten auch Sorgen über den gläsernen Anleger und um die Sicherheit solcher Dienste. Können Sie diese Anleger beruhigen oder worauf sollten Anleger bei solchen digitalen Angeboten achten?

Ein Kriterium ist sicherlich, wo der jeweilige Anbieter seinen Sitz hat. Bison wird von Tochterunternehmen der Börse Stuttgart getragen und ist die erste App eines Anbieters aus Deutschland für den Handel mit Kryptowährungen. Damit unterliegt Bison auch den deutschen Datenschutzbestimmungen.

Der Finanzplatz Stuttgart ist jetzt in den international anerkannten Global Financial Centres Index aufgenommen worden. Hat dazu auch die Börse Stuttgart mit ihren digitalen Vorhaben beigetragen?

Die Börse Stuttgart will bei digitalen Vermögenswerten ein Vorreiter sein, und das wird auch weltweit wahrgenommen. Als ein Akteur unter vielen am Finanzplatz Stuttgart erhöht die Börse dabei auch dessen Sichtbarkeit. In dem angesprochenen Ranking belegt Stuttgart nicht nur Platz 49 unter 102 globalen Finanzplätzen, sondern liegt sogar auf Platz 11, wenn es um eine wachsende Bedeutung in den nächsten Jahren geht.