BNP Paribas legte heute einen neuen ETF auf Anleihen von Unternehmen auf, welche strengen SRI-Kriterien hinsichtlich sozial verantwortlichen Handelns gerecht werden. Das Extra-Magazin sprach dazu mit Claus Hecher, dem Leiter der ETF-Geschäftsentwicklungsabteilung bei BNP Paribas Asset Management.

Was ist das Besondere an dem neu aufgelegten nachhaltigen BNP Paribas Easy Anleihen-ETF?

Der vom ETF abgebildete Bloomberg Barclays MSCI Euro Corporate SRI Sustainable Reduced Fossil Fuel Index umfasst Schuldinstrumente von Emittenten mit Investment Grade-Rating, die zudem ein ESG-Rating von MSCI von mehr als BBB besitzen, wobei das Auswahlprinzip „Best in Class“ zugrunde gelegt wird. Ausgeschlossen sind hierbei Unternehmen, die nicht die Grundsätze der UN-Initiative Global Compact einhalten und die in Bereichen wie Alkohol, Glücksspiel, Pornografie, Tabak, Kernkraft, GVO oder Waffen tätig sind. Darüber hinaus untergewichtet dieser Index Sektoren mit dem höchsten CO2-Fußabdruck. Dazu zählen z.B. Branchen, die fossile Brennstoffe fördern oder in der Produktion verwenden.

Im Basisindex von Bloomberg sind 2.467 Anleihen enthalten, im neuen ETF dagegen nur 410 Titel. Das klingt nach einem harten Auswahlprozess. Nach welchen Kriterien wird hierbei ausgewählt?

Beim Screening der Anleiheschuldner geht es um den Ausschluss derjenigen, bei denen schwere Kontroversen feststellbar sind, also negative Auswirkungen von Produkten, Dienstleistungen oder internen Prozessen im Bereich Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung. Typische Beurteilungskriterien wären beispielsweise giftige Emissionen, ein zu hoher CO2-Fußabdruck, Gefahren eines Produktes für den Kunden, Kinderarbeit, Geldwäsche oder Betrug. Im zweiten Schritt werden die oben genannten Werte-basierten Ausschlüsse von Unternehmen der in Antwort 1 dargestellten Branchen  vorgenommen. Schließlich scheiden die Unternehmen mit den niedrigsten ESG Bewertungen durch MSCI aus dem Anlageuniversum aus. Erlaubt sind ohnehin nur Mindestratings von BBB auf einer Skala von BBB- bis AAA als beste Einstufung. Auf Ebene der Bonds werden nur Emissionen von mindestens 800 Mio. Euro berücksichtigt.

Durch die deutliche Reduktion der Indexmitglieder kommt es zu erheblichen Veränderungen hinsichtlich der Sektorengewichtung. Was sind dabei die größten Unterschiede?

Im Vergleich zum Bloomberg Barclays Euro Aggregate Corporate Index als Ausgangsuniversum werden Schuldtitel von  Banken, Kommunikationsunternehmen und Technologieunternehmen übergewichtet. Wie der Ausschluss von Unternehmen, die fossile Brennstoffe fördern, herstellen oder in hohem Masse verbrauchen, erwarten lässt, sind Energiekonzerne und Versorger am stärksten untergewichtet.

Wie sieht es mit den Laufzeiten und den Ländergewichtungen aus?

Die Laufzeitbänder 1-3, 3-5, 5-7, 7-10 haben eine ähnliche Gewichtung. Dazu kommen noch Langläufer mit 6 Prozent Anteil am Index. Die durchschnittliche Duration beträgt 5,42 Jahre. Das höchste Ländergewicht halten französische Emittenten mit 22,8 Prozent. Es folgen Emittenten mit Sitz in den USA oder im Vereinten Königreich. Bei der Auswahl der Unternehmen kommt es auf den Euro als Anleihewährung an, nicht auf den Sitz des Unternehmens, der auch außerhalb des Euroraumes liegen kann.

Viele der Unternehmen sind Mischkonzerne und betätigen sich auf verschiedenen Geschäftsfeldern. Gibt es eine bestimmte prozentuale Grenze für umstrittene Sektoren?

Beim Ausschluss gilt Nulltoleranz für Hersteller kontroverser Waffen. Für die anderen unter Antwort 1 genannten Geschäftsfelder sind lediglich Umsatzanteile von maximal fünf Prozent im Konzern erlaubt.

Müssen Anleger durch die geringere Diversifikation Renditeverluste einkalkulieren?

Aufgrund des Nachhaltigkeits-Rating besteht die Möglichkeit eines verbesserten Wertzuwachses. Für eine simulierte frühere Wertentwicklung des im September 2018 neu geschaffenen Index bis 1. Januar 2013 ergab sich per Stichtag 31.12.2018 ein höherer Wertzuwachs vor Kosten in Höhe von 1,18 Prozentpunkten gegenüber dem Bloomberg Barclays Euro Aggregate Corporate Total Return Index als geeignetes Referenzmaß. Simulierte Ergebnisse oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung. Der Anleger sollte sich über die typischen Preisrisiken von Unternehmensanleihen im Klaren sein: steigende Kapitalmarktzinsen sowie eine Ausweitung der Credit Spreads würden sich negativ auf die Wertentwicklung auswirken. Währungsrisiken sind nicht zu beachten, da der ETF ausschließlich in Euro denominierte Anleihen investiert.

BNP Paribas legte bereits im Jahr 2002 seinen ersten Nachhaltigkeits-ETF auf. Inzwischen gehört BNP Paribas zu den wichtigsten Anbietern auf dem Gebiet nachhaltiger und sozial verantwortlicher Produkte. Was ist der Grund für eine Fokussierung auf diesem Gebiet und wie sehen Sie die Akzeptanz solcher ETFs bei Privatanlegern?

Die Fokussierung auf die Integration von Nachhaltigkeit in die Investmentprozesse von BNP Paribas Asset Management hat für die strategische Ausrichtung der Firma eine hohe Priorität. Gerade haben wir unsere global Sustainability Strategy veröffentlicht. Bereits in 2002 sind wir der Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCG) beigetreten, waren in 2006 Gründungsunterzeichner der UN Principles for Responsible Investment (PRI). Die United Nations Global Compact Principles stellen einen Minimalstandard für unsere Investmentprodukte dar. Schließlich bekennen wir uns dazu, unsere Portfolios in Einklang mit den im Pariser Klimaschutzübereinkommen definierten Zielen zu bringen. Im ETF-Bereich sind wir durch die Auflage des BNP Paribas Easy Low Carbon 100 Europe UCITS ETF bereits im Jahr 2008 Vorreiter, wenn es um die Dekarbonisierung eines Portfolios geht. Per Stichtag 25.2.2019 verwalten wir in sechs nachhaltigen ETF knapp 2 Milliarden Euro und zählen somit zu den Top 3-Anbietern für dieses ETF-Segment (Quelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management).

Weitere Informationen zu dem neuen Produkt finden Sie hier.