Von Thomas Brummer7. Februar 2022

Thomas Metzger (Bankhaus Bauer): So baust du dein Portfolio am besten auf

Du hast 10.000, 20.000 oder 50.000 Euro für die Geldanlage zur Verfügung? Portfolio-Profi Thomas Metzger, Leiter der Vermögensverwaltung für das Bankhaus Bauer, erklärt, wie du vorgehen kannst.

Herr Metzger, nehmen wir an, eine junge Person hat 10.000 Euro angespart und möchte nun trotz aller Sorgen um mögliche Turbulenzen an der Börse wegen der kaum vorhandenen Zinsen den Schritt an den Aktienmarkt wagen. Wie könnte ein gutes Portfolio für einen vorsichtigen Einsteiger aussehen?

Grundsätzlich würde ich in diesem Fall davon abraten, komplett alles auf einmal zu investieren. In den nächsten Wochen und Monaten dürfte es immer wieder schwache Tage geben, die Gelegenheit bieten, das Portfolio Schritt für Schritt aufzubauen. Wir sind zwar weiterhin positiv für Aktien gestimmt, dieser Optimismus ist aber mit verschiedenen Einschränkungen verbunden: Aufgrund der bestehenden Risiken und der teils hohen Bewertungen von Aktien erwarten wir für das kommende Jahr neben der Rückkehr zur Normalität auch jene zur Volatilität an den Finanzmärkten.

Die Kursentwicklung der letzten Wochen dürfte hierfür ein guter Vorgeschmack gewesen sein. Die Aufwärtsdynamik an den Aktienmärkten insgesamt wird unseres Erachtens weiter abnehmen. Für die großen Leitindizes rechnen wir daher eher mit Anstiegen im einstelligen Prozentbereich, als erneut zweistellige Zuwächse. In diesem Umfeld tun sich gerade Anfänger sicherlich leichter, wenn sie etwas Pulver trocken halten und Kursrückgänge als Chance betrachten. Sinn macht neben der sukzessiven größeren Aufstockung des Depots in schwachen Marktphasen, zusätzlich über einen regelmäßigen Fonds-Sparplan, zumindest einen Teil der monatlichen Sparquote – sofern vorhanden – zu investieren. Auch hier ist der Effekt, nicht nur ein einziges Mal in den Markt zu gehen, sondern den Einstandskurs über viele Käufe zu glätten. Ein psychologischer Vorteil für Anleger, die sich erst an die mitunter hoher Volatilität der Märkte gewöhnen müssen. Was die Allokation betrifft, würde ich gerade jungen Menschen zu einer sehr hohen Aktienquote raten.

Die Vergangenheit hat gezeigt: Wer genügend Geduld besitzt, wurde durch eine Investition in Aktien in der Regel mit recht attraktiven Renditen von über fünf Prozent jährlich belohnt. Die Kombination dieser Performance mit der zumeist langen Laufzeit eines Sparplanes machen die Idee zu einem mächtigen Instrument. Wer beispielsweise in den vergangenen 30 Jahren breit gestreut weltweit in Aktien investiert hat, konnte mit einer monatlichen Sparrate von 500 Euro weit über 700.000 Euro erzielen. Mit einer Rate von 300 Euro wurden immerhin noch circa 440.000 Euro erreicht.

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Person zwei verfügt bereits über 20.000 Euro, hat schon ein paar Jahre Börsenerfahrung hinter sich und hat auch schon einmal etwas von Faktor-Investing gehört, was sie zwar interessiert, größere Schwankungen würden sie aber belasten. Was können Sie dieser Person in Sachen Portfolio-Strukturierung raten?

Hier macht es vielleicht Sinn, im Portfolio zusätzlich mit strukturierten Investmentprodukten wie beispielsweise Zertifikaten zu arbeiten. Durch diese kann man die aktuell erhöhte Volatilität der Märkte nutzen, um gerade defensive Strategien in die Allokation zu integrieren. So bieten z.B. sogenannte Discountzertifikate die Möglichkeit, mit einem Sicherheitspuffer in den Dax oder einen anderen Index zu investieren. Da diese Papiere im Hintergrund mit Derivaten konstruiert werden, spielt die Schwankungsbreite des sogenannten Basiswertes, dies kann beispielsweise der Dax sein, hier eine entscheidende Rolle. Je höher die Volatilität, desto attraktiver sind sie für neue Käufer. Eine weitere Möglichkeit Risiken zu begrenzen stellt der Einsatz von Put-Optionsscheinen dar. Diese haben die Eigenschaft, im Preis zu steigen, wenn der Basiswert fällt. So können zum Beispiel Gewinne mit einem Put auf den Dax bei sinkenden Kursen erzielt und damit Verluste im eigentlichen Depot ausgeglichen werden. 

Eine dritte Person hat schon 50.000 Euro im Depot und ist schon länger dabei. Bisher ist das Depot des Anlegers noch etwas ungeordnet: Ein paar Einzelaktie, die ihm einst empfohlen wurden, einen aktiven Aktien-Fonds auf deutsche Standard-Werte, der ihm zwar etwas teuer erscheint, doch die Rendite war durch den allgemeinen Markttrend immerhin akzeptabel und mittlerweile hat er auch von den Vorteilen der ETFs gehört und sich einen auf den MSCI World gekauft. Wie kann dieser durchaus chancenorientierte Anleger sein Portfolio sinnvoll ins Reine bringen? 

Zunächst einmal gilt es, das Depot nach Klumpenrisiken zu durchsuchen. Es klingt zwar banal und langweilig, aber auf eine ausreichende Streuung zu achten und einzelnen Wetten ein nicht zu hohes Gewicht zu geben, ist enorm wichtig, um ein Portfolio vor zu großen Schieflagen zu schützen. Im vorliegenden Fall betrifft dies wahrscheinlich die Einzeltitel. Wichtig ist, dass diese eine Gewichtung aufweisen, die in einem sinnvollen Verhältnis zu den breiter gestreuten Fonds-Investments stehen. Grundsätzlich sollten bei einem Gewicht von über zehn Prozent eines einzelnen Titels am Portfolio meines Erachtens die Alarmglocken läuten.

Zumindest sollte man sich bei einem offensiveren Portfolio mit Hilfe des Money-Managements bzw. Risiko-Managements recht einfache Regeln schaffen, um Entscheidungen ohne psychischen Druck fällen zu müssen. Hier geht es z.B. um Wertsicherungsstrategien, die darauf abzielen, das Risiko eines Portfolios zum einen durch das Festlegen der Größe der einzelnen Handelspositionen bzw. einer ausreichenden Diversifikation des Depots aber auch durch das Definieren von maximalen Verlusten pro Position zu begrenzen. Durch das Setzen von Stopp-Loss-Kursen werden zum Beispiel Positionen automatisch verkauft, sobald sie einen vorher festgelegten Kurs erreicht haben. Somit können Verluste im Voraus begrenzt, aber auch aufgelaufene Gewinne abgesichert werden. 

Tipp der Redaktion: Mit dem extraETF Finanzmanager kannst du deine Portfolios überwachen & analysieren, Klumpenrisiken erkennen und Watchlists für deine Wertpapierlieblinge anlegen. Optimiere deine Geldanlage.

Und zum Schluss vielleicht noch über all diese Personenkreise hinweg: Bieten sich für Privatanleger auch Kryptowährungen an und weshalb?

Da wäre ich eher vorsichtig. Wer in der Lage ist, extrem hohe Schwankungen auszuhalten, kann Kryptowährungen vielleicht beimischen. Grundsätzlich können diese Instrumente das Portfolio möglicherweise breiter aufstellen. Allerdings war während des jüngsten Rückschlages der Aktienmärkte zu beobachten, dass auch Kryptowährungen deutlich Federn lassen mussten. Der erhoffte Diversifikationseffekt, der im Hinblick auf Kryptos oft positiv hervorgehoben wird, war also kaum zu spüren.

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