Vanguard-Chef: So investieren die neuen Portfolio-ETFs von Vanguard!

Sebastian Külps ist der Chef von Vanguard in Deutschland und Österreich. Der ETF-Experte erklärt im Interview, welche Vorteile Portfolio-ETFs bieten. Plus: alle Details zu den neuen Vanguard-Produkten! 

Es handelt sich um einen der wahrscheinlich größten Trends in der ETF-Branche, der mehr und mehr auch in Deutschland an Schwung gewinnt. Sogenannte Portfolio-ETFs erfreuen sich unter Anlegern größter Beliebtheit. Nachdem einige Anbieter wie die DWS und zuletzt auch Blackrock bereits Angebote dazu ausgerollt haben im deutschen Markt, bringt mit Vanguard nun ein weiterer sehr wichtiger Anbieter in Deutschland Produkte dazu auf den Markt. Wir haben bei Sebastian Külps, dem Head of Germany & Austria bei Vanguard nachgefragt, was Anleger von den Vanguard-Produkten erwarten können.

Herr Külps, Vanguard bietet ab sofort neben Einzel-ETFs nun auch sogenannte Portfolio-ETFs an. Können Sie kurz für unsere Leserinnen und Leser, die das Produkt noch nicht kennen, zusammenfassen, was Portfolio-ETFs sind?

Sehr gern! Ein Portfolio oder Multi-Asset ETF ist nichts anderes als ein ETF, welcher aus mehreren unterliegenden ETFs zusammengestellt wird. Was bedeutet das? Nun, die vier Vanguard LifeStrategy ETFs bieten Ihnen einen kostengünstigen und vor allem unkomplizierten Zugang zu den globalen Märkten. Sie haben die Wahl zwischen 4 ETF-Portfolios mit unterschiedlichen Gewichtungen von Anleihen und Aktien für verschiedene Risiko-Renditevorstellungen, also in dem Sinn „Multi-Asset“ oder Portfolio-ETFs.

Wie breit investieren die neuen Vanguard-Produkte?

Jedes LifeStrategy Produkt investiert in 14 unterliegende Vanguard ETFs. Damit investieren Sie durch ein Produkt in über 8.800 weltweite Einzeltitel und erreichen so eine besonders breite Diversifikation. Stellen Sie sich vor, Sie müssten so etwas mit einzelnen ETFs oder sogar Einzelwerten nachbauen! LifeStrategy vereinfacht dies ungemein, gerade auch was die verschiedenen Risikoprofile angeht.

Sebsatian Külps ist der Chef von Vanguard in Deutschland und Österreich.
Sebsatian Külps ist der Chef von Vanguard in Deutschland und Österreich. Der ETF-Experte erklärt die neuen Portfolio-ETFs des Anbieters.

Welche weiteren Vorteile bieten diese Produkte?

Zum einen natürlich eine tolle Diversifikation, denn breiter gestreut geht kaum. Zum anderen aber auch die Einfachheit des Produkts. Suchen Sie sich einfach ein Risikoprofil aus, das zu Ihnen passt, und LifeStrategie erledigt sozusagen den Rest. Möchten sie ein etwas höheres Risiko fahren, dann würde eine höhere Aktienquote, zum Beispiel eine 80% Aktien- und 20% Anleihenwahl passen. Eine weiter ganz wichtige Komponente stellt auch die regelmäßige Neugewichtung (Rebalancing) innerhalb des Portfolios sicher. Das von ihnen angestrebte Risikoprofil wird so langfristig aufrechterhalten. Einfacher kann breit diversifiziertes und langfristiges Anlegen nicht sein.

Wie sind die Produktlösungen von Vanguard ausgestaltet? Gibt es Lösungen für verschiedene Risikomentalitäten?

Ganz genau. Wir haben quasi für alle Anleger und Risikomentalitäten etwas dabei. Wir starten bei 80% Aktien und 20% Anleihen, und gehen dann mit unseren vier Produkten auf 60% Aktien und 40% Anleihen, 40% Aktien und 60% Anleihen und zu guter Letzt 20% Aktien und 80% Anleihen. Das spiegelt sich auch ganz pflegeleicht in den Produktnamen wider: LifeStrategy 80, LifeStrategy 60 und so weiter. So kann jeder Anleger entscheiden, welches Risiko er eingehen möchte, je weniger risikoaffin ein Anleger ist, desto höher die Anleihenquote, denn Anleihen sind ein toller Puffer im Portfolio, gerade in volatilen Marktphasen.

Welche Kosten kommen auf Anleger zu? Sind mit den Kosten sämtliche Transaktionen innerhalb der Portfolios abgegolten?

Auch hier bleiben wir uns und unserer Unternehmensphilosophie treu, indem wir einfache und transparente Produkt- und Preisgestaltung vorleben. So sind die laufenden Kosten, oder auch die Gesamtkostenquote, bei 0,25% pro Jahr. Diese Gesamtkostenquote umfasst wirklich alle Kosten, die den Anlegern durch die Anlage in die Vanguard LifeStrategy UCITS ETFs entstehen. Während die Gesamtkostenquoten der zugrunde liegenden ETFs variieren können, wird unseren Anlegern für jeden Vanguard LifeStrategy UCITS ETF immer nur die Gesamtkostenquote von 0,25% berechnet.

Wie aktiv werden die Portfolios gemanagt?

Stellen Sie sich das so vor: die LifeStrategy Produkte selbst folgen zwar keinem Index, sie haben aber strategische Gewichtungen durch Ihren Aktien/Anleiheanteil die Sie einhalten. Die unterliegenden Produkte, also die 14 ETFs auf denen LifeStrategy basiert, sind alle passiv.

Worin unterscheiden sich Portfolio-ETFs eigentlich von den Angeboten von Robo-Advisors?

Portfolio ETFs wie unsere LifeStrategy Produkte sind eine All-in-One Produktlösung, bei dem der Anleger ein fertiges, integriertes Produkt mit einer einzigen WKN bekommt. Das bedeutet für den Anleger, dass so die ganze Arbeit übernommen wird:  Fondsallokation, Rebalancing und das zu sehr günstigen Konditionen von 0,25%. Bei den Robo Advisern haben sie mehre Bausteine, müssen sicherstellen, dass eine Software das Rebalancing übernimmt und sie haben in der  Regel eine Beratungsstrecke, den sogenannten Risk Questionnaire. Bei den meisten Robos schließen sie quasi damit einen Vermögensverwaltungs-Vertrag ab, die ebenfalls kostet.

Wie und wo können Anleger die Portfolio-ETFs von Vanguard kaufen?

Vanguard LifeStrategy Produkte können momentan über alle gängigen Direktbanken gezeichnet werden, genauso wie auf Fondsplattformen. 

Andere Anbieter sind teilweise schon etwas länger mit Ihren Angeboten auf dem Markt? Was hat Vanguard dazu bewogen, nun auch einzusteigen in dieses Produktsegment? 

Uns hat bewogen, was uns seit über 45 Jahren treibt: unsere Mission dem Anleger zu helfen, an den Kapitalmarkt zu kommen und für das Alter richtig zu sparen. Mit LifeStrategy erfüllen wir für den Anleger einen Mehrwert durch unseren unkomplizierten, leicht verständlichen Multi-Asset Ansatz. Gleichzeitig bieten wir passend durch die vier unterschiedlichen Rendite- und Risikoprofilen der Produkte eine Lösung, die für die meisten Anleger passen kann: also ein kompletter Anlagenlösungsansatz,  zu einer niedrigen Gesamtkostenquote.

Planen Sie, womöglich auch Varianten mit ESG-Kriterien anzubieten?

Vanguard überprüft seine Produktpalette kontinuierlich, um sicherzustellen, dass wir unseren Investoren die Produkte geben, die sie für eine breit diversifizierte, langfristige und kostengünstige Geldanlage benötigen. ESG spielt eine immer wichtigere Rolle in den Portfolien vieler Anleger, daher seien sie versichert, dass wir auch diesen Aspekt im Auge behalten werden.