Xtrackers: „Vor zehn Jahren gab es noch viele Missverständnisse“

Xtrackers: „Vor zehn Jahren gab es noch viele Missverständnisse“

Anlässlich des 10jährigen Jubiläums von Xtrackers, der ETF-Marke von Deutsche Asset Management (Deutsche AM), sprachen wir mit Thorsten Michalik, Head of Coverage – EMEA & APAC, über die vergangenen Jahre und vor welchen Herausforderungen die ETF-und Asset Management-Branche in den kommenden 10 Jahren stehen wird.

Herr Michalik, seit 10 Jahren ist die Deutsche Bank im Bereich ETFs aktiv. Sie haben damals das ETF-Geschäft gestartet. Was waren damals die größten Herausforderungen, welche sind es heute?

Die größte Herausforderung am Anfang war, Investoren die Vorzüge von ETFs bekannt zu machen. Vor zehn Jahren gab es noch viele Missverständnisse, oft wurden ETFs mit strukturierten Produkten verwechselt, manche hielten ETFs für einen kurzfristigen Modetrend. Als einer der Pioniere mussten wir auf diesem Gebiet viel Basisarbeit leisten. Heute besteht die Herausforderung darin, Anlegern unter den vielen verschiedenen Möglichkeiten, die für sie individuell passenden ETFs anzubieten. Der eine Investor sucht nach Strategic-Beta-Lösungen, der andere nach effizienten Handelsmöglichkeiten, der nächste  möchte einen Vorschlag für ein ganzes ETF-Portfolio.

Auf welche Entwicklungen in den vergangenen 10 Jahren sind Sie besonders stolz und warum?

Wir sind zum zweitgrößten Anbieter passiver Indexprodukte in Europa rein durch organisches Wachstum geworden, ohne jeglichen Zukauf. Das spricht für die Stärke unserer Plattform. Ich vermute einmal, dass eine solche Entwicklung für ein heute startendes Unternehmen nicht mehr möglich wäre, dazu ist der Markt zu kompetitiv.

Xtrackers ist darüber hinaus die einzige ETF-Plattform, die sich komplett von einer überwiegend indirekten Indexabbildung zu einem fast ausschließlich physischen Anbieter gewandelt hat. Ich werde oft gefragt, ob es am Anfang die falsche Entscheidung war. Aber ohne den Fokus auf synthetische Abbildung hätten wir am Anfang nie so stark wachsen können. Wir waren eine Zeit lang der am stärksten wachsende ETF-Anbieter Europas. Jetzt haben wir mit der physischen Plattform alle Möglichkeiten für die nächste Wachstumsstufe, um weltweit in allen Regionen zu expandieren. Die Welt hat sich in den letzten Jahren geändert. Und die Deutsche Asset Management geht diesen Wandel mit, um langfristig erfolgreich sein zu können. Die Kernwerte Kosteneffizienz, hohe Liquidität, Innovation und effizientes Index-Tracking, blieben bei der Transformation unverändert.

Auch nach 10 Jahren ETFs ist das Produkt noch nicht in der vollen Breite bei den Anlegern angekommen. Wie sehen Sie die Entwicklung in den nächsten Jahren, vor allem mit Blick auf die neuen MiFID-Regeln ab 2018?

Die neuen MiFID-Regeln sind ein wichtiger Faktor. Denn mit digitalen Lösungen kann man viel einfacher die neuen Transparenz- und Informationsvorschriften einhalten. Alle großen Vermögensverwalter haben digitalen Anlageassistenten im Angebot, und fast überall spielen ETFs eine große Rolle. Überhaupt wird für ETFs die Digitalisierung eine große Rolle spielen. Noch sind die Anlagevolumen durch ETF-basierte digitale Anlagelösungen überschaubar, aber die Summen werden künftig stark steigen. Die nächste Generation der Anleger wächst mit digitalen Lösungen auf, sie wollen auch bei der Geldanlage nicht darauf verzichten.

Aber den größten Entwicklungsschub erwarte ich durch institutionelle Investoren, die jetzt massiv beginnen, ETFs einzusetzen. Denn erst jetzt sind Fondsvolumen und Preisstrukturen der meisten ETFs für Kapitalsammelstellen so attraktiv, dass sie als Alternative in Frage kommen. Das gilt für Versicherungen und Pensionskassen, aber auch für Dachfondsmanager und Verwalter von Portfolios für Privatbanken.

Mehr über die Multi-Asset-ETFs der Deutschen Bank auf Seite 2.

Inzwischen sind Multi-Asset-Portfolios in aller Munde. Sie haben 2008 mit dem Portfolio Total Return einen Multi-Asset-ETF auf den Markt gebracht. Was ist das Besondere an diesem ETF?

Der Portfolio Total Return ETF ist ein echter Pionier und hat einem ganzen Segment seinen Namen gegeben. Unter Portfolio-ETFs werden heute ganz allgemein Multi-Asset-ETFs verstanden. Unser Xtrackers Portfolio ETF deckt alle wichtigen Anlageklassen in nur einem ETF ab, basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, orientiert sich an hohen laufenden Einnahmen und an niedrigen Bewertungen, und zeigt eine exzellente Wertentwicklung in Verbindung mit sehr wettbewerbsfähigen Gebühren. Das Besondere ist aber, dass die Deutsche Asset Management gleich drei exzellente Multi Asset-Lösungen anbietet, die auf Indexprodukten basieren. Neben dem Portfolio ETF ist dies der Arero Weltfonds, entwickelt von Professor Martin Weber, der breit gestreut über Indizes in Aktien, Renten und Rohstoffe in verschiedenen Regionen anlegt. Das Konzept liefert für den langfristigen Vermögensaufbau nachweislich sehr gute Ergebnisse. Dazu kommt die Palette der Deutsche Bank Best Allocation Fonds, die die Anlageideen von Ulrich Stephan umsetzen, dem Chef-Anlagestrategen der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden. Die Fonds werden aktiv gesteuert, setzen dies allerdings weit überwiegend mit ETFs und ETCs um und haben ein Anlagevolumen von fast vier Milliarden Euro erreicht. Diese Produktpalette an indexbasierten Multi Asset-Lösungen ist in der Branche einmalig.

Die vergangenen Jahre waren bei Xtrackers geprägt von Umstrukturierungen im Unternehmen, aber auch auf Seiten der Produktpalette. Ist dieser Prozess nun abgeschlossen? Welche Schwerpunkte möchten Sie in den kommenden Monaten setzen?

Der große Umbau hin zu einer physischen ETF-Plattform ist im Wesentlichen abgeschlossen. Wir werden in den kommenden Monaten noch weitere physische ETFs auflegen, aber die Schwerpunkte liegen eher auf anderen Feldern: Xtrackers wird auf der Vertriebsseite viel stärker auftreten, wir haben neue Kollegen gewonnen, wie zum Beispiel Sven Württemberger, dem neuen Vertriebsleiter für passive Anlageprodukte in der Schweiz und Israel. Mit dem vereinheitlichten und vereinfachten Markennamen Xtrackers haben wir uns deutlicher positioniert. Zudem haben wir Anfang Juli eine neue Webseite www.xtrackers.com live geschaltet. Unsere ETF-Strategieportfolios sind ein Erfolgsmodell. Aktuell sprechen wir mit einer Reihe von Vermögensverwaltern, die unsere Portfolios als Beratungsdienstleistung nutzen wollen. Unser Researchteam um Vincent Denoiseux hat genaue Modelle für den Einsatz von Faktoren wie Value, Quality oder Low Volatiliy in einem Portfolio erarbeitet, die von Investoren genutzt werden. Kurz gesagt, Xtrackers hat sich bereits von einem reinen Produkt- zu einem Lösungsanbieter gewandelt.

Deutsche Asset Management soll im kommenden Jahr an die Börse gebracht werden. Was sind aus Ihrer Sicht die Kern-Vorteile Ihres Arbeitgebers? Warum sollten sich Anleger an einem Asset-Manager beteiligen?

Die Deutsche Asset Management ist der einzige europäische Vermögensverwalter, der die ganze Matrix aufspannen kann: Wir bieten aktiv und passiv verwaltete Investmentfonds für alle Anlageklassen, dazu Alternative Investments, Immobilien, Rohstoffe. Die ganze Palette bieten wir weltweit in allen wichtigen Regionen an, darunter in Europa, Asien und Nordamerika. Wir sind der einzige europäische Anbieter, der so global aufgestellt ist. Darüber hinaus zählt die Deutsche Asset Management in fast jedem Segment zu den führenden Anbietern. Wir sind zum Beispiel im Geschäft mit Privatanlegern die Nummer eins in Deutschland, die Nummer vier in Europa. Die Deutsche Asset Management ist der drittgrößte Vermögensverwalter weltweit mit europäischen Wurzeln, alleine auf passive Anlagen bezogen sind wir sogar der größte Europäer. Wir sind global der zweitgrößte Asset Manager für Versicherungen und die Nummer vier bei Infrastruktur-Investments. Zwei Drittel der größten deutschen Pensionsfonds arbeiten mit uns, weltweit zählen wir 800 zu unseren Kunden. Die Liste ließe sich noch weiterführen, sie gibt aber schon einen klaren Hinweis darauf, wie stark das Fundament der Deutschen Asset Management ist und wie groß die Wachstumspotenziale sind. Um diese Möglichkeiten zu nutzen, setzen wir stark auf digitale Vertriebswege, hier sind wir schon weiter als viele Wettbewerber beim Angebot an Asset-Management-Dienstleistungen. Die Entscheidung zu einer eventuellen Investition muss natürlich jeder Anleger selbst treffen, im Rahmen seiner Risikopräferenzen.

Mehr über die Herausforderungen der ETF-Branche auf Seite 3.

Vor welchen Herausforderungen steht die Asset-Management-Branche heute? Wie wird die Digitalisierung der Finanzindustrie Ihr Unternehmen verändern? Gibt es dabei auch Chancen die sie aktiv mitgestalten können?

Die Digitalisierung wird die Asset Management Industrie verändern und ich bin überzeugt, zum Positiven. Unser erster Schritt ist WISE, die „White Label Investment Software Engine“ der Deutschen Asset Management. Es ist eine B2B2C-Lösung, die wir mit Partnern anbieten, um Privatanlegern auf digitalem Wege Zugang zur Anlage-Expertise der Deutschen Asset Management zu bieten. Seit Juli sind die Basler Versicherungen unser erster Partner, bis zum Jahresende sollen noch drei bis fünf weitere folgen. Es ist der erste „Human Robo“ am Markt. Der Zugang und die Kommunikation erfolgt rein digital, dahinter steht jedoch die Expertise des Teams um Stefan Kreuzkamp, dem Chief Investment Officer (CIO) der Deutschen Asset Management. Mit einer Erfahrung von mehr als 60 Jahren in der Geldanlage haben wir es nicht nötig, diese Entscheidungen einer Maschine zu übertragen. Unser „WISE“ setzt ETFs ein, aber nicht nur. Es gibt schließlich hervorragende aktiv gemanagte Fonds. Denken Sie nur an den DWS Top Dividende von Thomas Schüßler oder den DWS Deutschland von Tim Albrecht, der in den vergangenen zehn Jahren neun Mal den Vergleichsmarkt geschlagen hat. Aktive und passive Fonds sind zwei Möglichkeiten, um eine Marktentwicklung abzubilden, da gibt es grundsätzlich kein „besser“ oder „schlechter“. Das gehört auch zur Expertise der Deutschen Asset Management, zu entscheiden, wann aktives und wann passives Management eingesetzt werden soll.

Dieses Projekt ist aber nur wie gesagt unser erster Schritt, aktiv an der Digitalisierung teilzunehmen. Weitere werden auf den Feldern wie BigData, künstliche Intelligenz, ChatBots, Virtual Reality, und Natural Language Processing in unserem Investment- und Vertriebsansatz folgen. Bei der Digitalisierung müssen Asset-Manager mit Vertrieben und Beratern sehr eng zusammen arbeiten und mit ihnen gemeinsam Lösungen entwickeln. Hier können wir als Deutsche Asset Management sehr gut unterstützen, da wir jahrzehntelange Erfahrung in der Geldanlage haben, aber auch die Anleger sehr genau kennen. Die Digitalisierung wird auch unser Unternehmen verändern.

Wie schätzen Sie den ETF-Markt in den kommenden 10 Jahren ein. Durch welche wesentlichen Entwicklungen wird er geprägt sein?

Ich denke, dass es eine zweigeteilte Entwicklung geben wird. Bei den Kernanlagen, die zum Beispiel von den Xtrackers Core-ETFs abgebildet werden, wird der Wettbewerbsdruck hoch bleiben. Unser jährlichen Pauschalgebühren betragen zum Teil nur 0,07%, wie beim db x-trackers MSCI USA Index ETF (DR). Hier zählen neben niedrigen Gebühren auch hohe Handelsvolumen und eine exzellente Betreuung durch Market Maker. Auf der anderen Seite ist es wichtig, mit innovativen Anlagekonzepten einen Mehrwert zu bieten. So ist Xtrackers der einzige ETF-Anbieter mit einer ganzen Palette an Strategic-Beta-Lösungen auf der Rentenseite. Diese Konzepte spielen gerade jetzt bei den extrem niedrigen Zinsen und teilweise verzerrten Bewertungen in manchen Segmenten ihre Vorteile aus. Das wissen Investoren zu schätzen. Diese Kombination aus äußerst kompetitiven Core-ETFs und Produkten für spezielle Situationen beherrschen nur sehr wenige Anbieter im Markt.

Die gesamte Produktpalette von Xtrackers finden Sie in unserer ETF-Suche. Details über Xtrackers finden Sie in Anbieter Porträt.