Anlagestrategien digitaler Vermögensverwalter

Mittlerweile gibt es in Deutschland schon knapp 30 digitale Vermögensverwalter. So vielfältig die Anbieter, so verschieden sind auch die Angebote und deren Anlagestrategien. Angesichts der großen Anzahl digitaler Vermögensverwaltungen wird es immer schwerer, sich einen Überblick über die jeweiligen Anlagestrategien zu verschaffen. Ein Versuch die wichtigsten Strategien zu beschreiben.

Die Anlagestrategien im Vergleich

Grundsätzlich lohnt sich der Besuch der Website des Anbieters. Dort gibt es oft Whitepapers, die die jeweilige Anlagestrategie im Detail erläutern.

Wir haben in diesem Artikel auf verschiedene Kategorisierungen zurückgegriffen. Anhand dieser fünf Kriterien beleuchten wir nun die Anlagestrategien der wichtigsten Robo-Advisors.

Eine eindeutige Kategorisierung ist allerdings nur schwer möglich, da sich die Anlagestrategien teilweise untereinander vermischen oder die Anbieter verschiedene Modelle anbieten.

Passive und prognosefreie Strategien

Ein typischer Vertreter dieser Kategorie ist Easyfolio mit seinen drei Anlagestrategien Easyfolio 30, 50, 70. Die Zahlen entsprechen der jeweiligen Gewichtung von Aktien im Portfolio, der Rest entfällt auf Anleihen (Staats-, Unternehmens- und Hochzinsanleihen). Die prozentuale Verteilung der einzelnen Regionen im Aktienanteil erfolgt entsprechend der wirtschaftlichen Bedeutung (BIP) für die weltweite Wertschöpfung. Jedes Portfolio umfasst 15 ETFs. Mindestens einmal im Jahr erfolgt eine Wiederanpassung an die festgelegte Gewichtung (Rebalancing). Auf Market-Timing wird bewusst verzichtet.

Auch der digitale Vermögensverwalter Growney setzt auf diese Anlagestrategie mit Gewichtung nach BIP. Angeboten werden die fünf Anlageportfolios grow 20, 30, 50, 70 und 100. Auch hier drückt die Zahl den jeweiligen prozentualen Aktienanteil im Portfolio aus. Investiert wird in rund 2.400 Aktien aus mehr als 45 Staaten. Zudem wird in Unternehmensanleihen sowie Investment-Grade-Staatsanleihen aus dem Euroraum investiert. Jedes Portfolio besteht aus sechs bis acht ETFs. Einmal im Jahr erfolgt ein Rebalancing. Zudem werden die Gewichtungen der Aktien und Anleihen regelmäßig überwacht und gegebenenfalls angepasst, so dass diese Anlagestrategie schon semiaktive Züge trägt.

Weitere prominente Vertreter folgten. So bietet Weltsparen (Weltinvest) nach diesem Vorbild vier Portfolios mit den Aktienquoten 30, 50, 70 und 100 Prozent an. Die Gewichtung erfolgt zur Hälfte nach Marktkapitalisierung. Abgebildet werden die jeweiligen Märkte jeweils mit Vanguard-ETFs. Als zusätzliche Komponente enthalten die Portfolios auch Aktien kleinerer mittelständischer Unternehmen, um damit eine Überrendite zu erzielen.

Semiaktive und prognosefreie Strategien

Typische Vertreter für semiaktive Anlagelösungen sind die fünf angebotenen Fintego-Portfolios. Je nach gewähltem Risikoanteil schwankt der Aktienanteil zwischen 10 und 90 Prozent. Investiert wird dabei entsprechend des Risikoprofils in Aktien global, Aktien Schwellenländer, Staatsanleihen Europa, Unternehmensanleihen Europa sowie Rohstoffe. Anders als bei der statischen Form wird eine Obergrenze für Abweichungen eingebaut. Bei einer 15-prozentigen Abweichung von der ursprünglichen Gewichtung erfolgt ein automatisches Rebalancing.

Insgesamt 15 Risikoklassen bietet Vaamo an. Investiert wird nicht nur in ETFs oder ETCs, sondern auch in Indexfonds des Anbieters Dimensional. Zu den Anlageklassen gehören neben Aktien und Anleihen auch Immobilien und Rohstoffe. Der Anteil risikobehafteter Assets beträgt je nach Portfolio zwischen 30 und 100 Prozent. Jedes Portfolio umfasst zwischen zehn und zwölf Positionen.

Der Anbieter Quirion bietet zehn verschiedene Portfolio-Modelle an. Investiert wird in Aktien und Anleihen, wobei die Gewichtung der Aktienkomponente je nach gewähltem Risikoprofil zwischen 10 und 100 Prozent schwanken kann. Durch die Beimischung von Value-Aktien und Small Caps soll der Markt übertroffen werden. Bei einer zehnprozentigen Abweichung von der gewählten Ursprungsgewichtung erfolgt auch hier automatisch ein Rebalancing.

Der Robo-Advisor Liqid investiert bei Liqid Global in ETFs auf Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Gold und den Geldmarkt. Angeboten wird diese Anlagestrategie in 20 verschiedenen Risikoklassen. Neben regelmäßigen Rebalancings erfolgt eine Wiederanpassung an die ursprüngliche Gewichtung bei Über- bzw. Unterschreitung bestimmter Schwellenwerte.

Bei Vaamo investiert der Anleger je nach gewähltem Risikoprofil in ETFs und Dimensional-Indexfonds auf Aktien (Large und Mid Caps), Anleihen, Rohstoffe und Immobilien. Angeboten werden derzeit 15 verschiedene Risikoklassen. Der Aktienanteil beträgt je nach gewähltem Risikoprofil zwischen 30 und 100 Prozent. Jedes Portfolio besteht aus zehn bis zwölf unabhängig ausgewählten ETFs oder Indexfonds. Jeder ETF muss ein Mindestvolumen von 100 Millionen Euro aufweisen, physisch replizierend sein, möglichst eine geringe Gesamtkosten aufweisen und es dürfen keine Ausgabeaufschläge erhoben oder Kickbacks/Provisionen gezahlt werden. Es gibt hierbei eine tägliche Überwachung der Kundendepots. Bei Überschreitung bestimmter Abweichungsgrenzen von der ursprünglichen Gewichtung erfolgt automatisch ein Rebalancing. Einen Mindestanlagebetrag gibt es nicht.

Beim Sparkassen-Robo-Advisor Bevestor hat der Anleger die Auswahl zwischen fünf Anlagestrategien der Serie „Select“. Die Serie setzt überwiegend ETFs ein. Bei den Produkten haben Investoren die Wahl zwischen einer Aktienquote von null bis 90 Prozent. Anleger können hierbei auch bis zu drei individuelle Investmentthemen beimischen. Es erfolgt eine ständige Überwachung der Portfolios. Je nach Risikoprofil gibt es maximale Verlustschwellen zwischen 2,5 und 20 Prozent.

Auch der neue Anbieter Oskar setzt auf eine solche Strategie mit festgelegten Schwellen. Angeboten werden hierbei die Aktienquoten 50, 60, 70, 80 und 90 Prozent. Der Rest entfällt auf Anleihen und einem Inflationsschutz (Gold, inflationsgeschützte Anleihen). Oskar bietet dabei auch spezielle Angebote für Kinder an.

Semiaktive und prognoseorientierte Strategie

Bei der Sutor Bank kann der Anleger zwischen den vier Risikostufen „konservativ“ (0 bis 30 Prozent Aktien), „ausgewogen“ (30 bis 60 Prozent Aktien), „dynamisch“ (50 bis 100 Prozent Aktien) und „dynamisch+“ (80 bis 100 Prozent Aktien) wählen. Investiert wird in Aktien der verschiedensten Anlageregionen, in Staats-, Unternehmens- und inflationsindexierte Anleihen sowie in den Geldmarkt. Regelmäßige definierte Rebalancings gibt es nicht. Der Anlageausschuss der Sutor Bank entscheidet monatlich über Gewichtung und Rebalancing entsprechend prognoseorientierter Vorgaben. Investiert wird aber langfristig, häufige, hektische Umschichtungen werden bewusst vermieden. Daher ordnet sich der Anbieter mehr der semiaktiven Anlagestrategie zu, obwohl ein Anlageausschuss entscheidet.

Aktive und prognosefreie Strategie

Bei Ginmon können die Anleger in zehn verschiedene Risikoprofile investieren. Die Aktienquote liegt zwischen 10 und 100 Prozent. Risikoorientiertere Portfolios gestatten eine höhere Gewichtung von Schwellenländer-Aktien, Small Caps und Value-Aktien, um langfristig eine höhere Rendite zu erzielen. Die Anzahl der Positionen im Portfolio beträgt 3 bis 13 ETFs. Das steueroptimierte Rebalancing findet bei jeder Einzahlung oder Zins- und Dividendenzahlung statt. Ein Full-Rebalancing wird automatisch durchgeführt, wenn ein Portfoliobaustein zehn Prozent von der Zielallokation abweicht.

Aktive und prognoseorientierte Strategie

Bei Cominvest, dem Angebot von Comdirect, können Anleger zwischen den fünf Strategien „Ertrag“, „Balance“, „Wachstum“, „Dynamik“ und „Chance“ wählen. Die Strategien unterscheiden sich jeweils nach der zulässigen Schwankungsbreite (Volatilität). Diese beträgt zwischen 4 (Ertrag) und 20 Prozent (Chance). Investiert wird je nach Risikoprofil in Aktien und Anleihen der verschiedensten Anlageregionen sowie in Rohstoffe und Edelmetalle. Innerhalb der Angebote „Wir gemeinsam“ und „Wir für Sie“ wird börsentäglich die Einhaltung der Schwankungsbreite der Strategien überprüft. Alle 16 Wochen erfolgt eine Überprüfung der Rendite-Risiko-Erwartung der einzelnen Anlageklassen und es erfolgt gegebenenfalls eine Optimierung des Portfolios.

Ein anderes Konzept verfolgt Investify. Hier investiert der Anleger sowohl in ein breit diversifiziertes Basisportfolio als auch in ein selbst gewähltes Themenportfolio wie beispielsweise „Disruptive Welt“ oder „Alternde Bevölkerung“. Beim Basisinvestment werden sechs verschiedene Portfolios angeboten. Die Mindestgewichtung des Basisportfolios beträgt 25 Prozent. Die Zusammensetzung orientiert sich an den Musterportfolios des Kooperationspartners Blackrock. Die Beimischung der Themeninvestments erfolgt in Abstimmung mit dem Investor. Investify kalkuliert je nach Risikoprofil und Themenwahl des Kunden eine individuelle Allokation. Das Anlagerisiko wird dabei stets für Themen- und Basisanlage analysiert und überwacht.

Tipp: Neben Investify bietet auch der Robo-Advisor Solidvest die Möglichkeit der Anlagestrategie verschiedene Themeninvestments beizumischen. Wir das im Detail funktioniert haben wir im Beitrag „Robo-Advisor mit Themeninvestments“ beschrieben. 

Ein aktives Risiko-Management mit rund 100 jährlichen Transaktionen pro Depot erfolgt beim Branchenprimus Scalable Capital. Angeboten werden 23 Risikokategorien mit jeweils 10 bis 15 ETFs. Das aktive Management erfolgt anhand der Risiko-Kennzahl Value-at-Risk (VaR). Per Risikomanagement-Technologie schichtet man die Portfolios permanent um und investiert je nach Marktlage in risikoreichere oder risikoärmere Anlageklassen.

Aktiv gemanagt durch das Investment-Team von HQ Trust ist die Strategie Liqid Select. In hocheffizienten Märkten (z. B. Europa, Japan, USA) wird in ETFs investiert, in weniger effizienten Märkten werden aktive Fondsmanager mit aussichtsreichen Anlagestrategien identifiziert.

Visualvest bietet zehn Strategien an, die aus ETFs, aktiv verwalteten Fonds oder nachhaltigen Fonds bestehen. Davon sind sieben passive und aktive Fonds sowie drei aktive grüne Fonds. Investiert wird jeweils in Aktien, Anleihen, Rohstoffe und den Geldmarkt. Gemanagt werden die Portfolios von der Fondsgesellschaft Union Investment. Die Gewichtung erfolgt anhand des sogenannten Risk-Parity-Ansatzes, das heißt jede Anlageklasse soll in etwa mit dem gleichen Risiko im Portfolio vertreten sein. Ein häufiges Umschichten gibt es nicht, ein Austausch erfolgt auf Basis langfristiger Orientierung.

Ein „bewertungsorientiertes“ Risikomanagement nach dem Value-Ansatz verfolgt Whitebox entsprechend der Arbeitsweise eines echten Vermögensverwalters. Es werden unter Beachtung fundamentaler Kennzahlen möglichst unterbewertete Anlageklassen herausgefiltert. Entsprechend der modernen Portfolio-Theorie erfolgt die Zusammensetzung nach dem Mean-CVaR-Risikoansatz. Die Portfolios werden zudem umfangreichen Stresstests unterzogen. Das Angebot besteht aus insgesamt 13 Anlagestrategien. Eingesetzt werden 11 bis 17 ETP-Produkte.

Robin, der digitale Vermögensverwalter bietet 16 Anlagestrategien mit verschiedenen Gewichtungen bei Aktien, Anleihen und Rohstoffen an. Zum Einsatz kommen 9 bis 13 ETFs. Die Auswahl erfolgt über ein Computersystem im Zusammenspiel mit dem Expertenteam der Deutschen Bank. Die Überwachung der Schwellen, wahlweise von 5 bis 20 Prozent, erfolgt auf Basis der Risikokennzahl Value at Risk (VaR).

Unsere Robo-Advisor Empfehlungen

Wir empfehlen auf Basis unseres Robo-Advisor-Test 2019 die folgenden digitalen Vermögensverwalter.
AnbieterKosten bei 10.000 €MindestanlageBesonderheit 
Quelle: extraETF.com, Robo-Advisor-Test 2019
Quirion0,00 %ab 5.000 €10.000 € kostenfreiMehr Infos
Visualvest0,60 %ab 500 €GreenfoliosMehr Infos
Fintego0,70 %ab 2.500 €Auszahlplan möglichMehr Infos
Ginmon0,75 %ab 5.000 €Viele AnlageklassenMehr Infos
Scalable Capital0,75 %ab 10.000 €MarktführerMehr Infos

Fazit zu den Anlagestrategien

Die Strategien der Robo-Advisors sind sehr verschieden. Sie reichen von rein passiven bis hin zu vollständig überwachten Lösungen. Schauen Sie sich vor der Entscheidung auf der Anbieter-Website oder im Robo-Advisor-Vergleich auf extraETF.com die Strategie genau an.

Es gilt die Faustregel: Je größer der Aufwand für die tägliche Überwachung, desto höher die Gebühren.

Was Sie vor der Entscheidung für einen Robo-Advisor wissen sollten

  1. Überlegen Sie sich im Vorfeld, welche Anlageziele Sie verfolgen und wie aktiv die Anlagestrategie sein soll, um Ihr angestrebtes Anlageziel zu erreichen.
  2. Informieren Sie sich auf der Website des Anbieters oder auf unabhängigen Finanzportalen wie zum Beispiel extraETF.com über die Angebote der Robo-Advisors.
  3. Rein passive Anlagestrategien beruhen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der modernen Portfoliothorie, dass Anlagedepots über einen langen Anlagezeithorizont breit über Anlageklassen und -regionen gestreut sein müssen, um Verlustrisiken zu reduzieren. Sinken die Kurse, erleidet der Anleger Verluste. Der Anleger sollte also die Märkte selbst im Blick haben. Dafür sind die Gebühren niedriger.
  4. Mit der täglichen Depotüberwachung erhalten Sie ein Rundum-Paket. Eine Garantie für Verlustvermeidungen erhalten Sie aber auch dort nicht. In der Regel werden höhere Verwaltungsgebühren fällig.
Tipp: Wir haben die Angebote der in Deutschland aktiven digitalen Vermögensverwalter (Robo-Advisors) verglichen und bewertet. Für jeden Anbieter haben wir einen ausführlichen Testbericht erstellt. Jetzt den Robo-Advisor-Vergleich lesen!