Anlagestrategien mit ETFs

Eine Anlagestrategie beschreibt die Strategie des Kaufens und Verkaufens von Aktien, ETFs, Anleihen oder sonstige Wertpapiere durch eine gezielte, längerfristig ausgerichtete Vorgehensweise zur Erzielung eines möglichst gewinnbringenden Anlageerfolgs. Anlagestrategien mit ETFs richten sich neben objektiven Kriterien, die die fundamentale und die technische Wertpapieranalyse sowie allgemeine Entwicklungsaussichten zu Konjunktur-, Zins- und Wechselkursentwicklung liefern, auch nach der finanzieller Situation und persönlichen Präferenzen des Anlegers.

Es gibt normalerweise drei verschiedene Anlagetypen, diese hängen auch eng mit dem Anlagehorizont zusammen, also der geplanten Dauer des eigentlichen Investments: den spekulativen Typen, den mittelfristigen Anleger, und den konservativen Anlegertyp. Diese unterscheiden sich sehr stark durch die Gewichtung der verschiedenen Anlageklassen, in die sie investieren.

Im Folgenden stellen wir Anlagestrategien vor, die ETF-Anleger bei der Umsetzung ihrer Anlagestrategie berücksichtigen können.

Überblick über bekannte Anlagestrategien

Die Value-Strategie

Hinter der Value-Strategie steht die Idee, dass an der Börse Unternehmen zu finden sind, deren wahre Werte gegenwärtig noch unentdeckt sind. Diese werthaltigen Unternehmen versucht der Value-Investor aufzuspüren. Ein Value-ETF wählt beispielsweise nur die Werte aus, die häufig ein niedriges Kurs-Buchwertverhältnis aufweisen und damit eine fundamentale Unterbewertung signalisieren können. Solche Unternehmen weisen meist eine gute Marktposition, überdurchschnittliche Profitabilität und eine stabile Gewinnentwicklung auf.

Unter diesen Value-Aktien filtert der Investor dann diejenigen heraus, die er gegenwärtig an der Börse verglichen mit ähnlichen Unternehmen für unterbewertet hält. Der Value-Investor spekuliert also darauf, dass der Markt die Werthaltigkeit der Gesellschaft noch nicht erkannt hat, dies aber tun wird. Die beschriebene Analyse erfordert viel unabhängige Recherche und Erfahrung. Die Ikone der Value-Investoren, der amerikanische Multimilliardär Warren Buffett, hat dieser Aufgabe seine gesamte Lebenszeit gewidmet.

Die mögliche Unterbewertung einzelner Unternehmen wird durch die Analyse verschiedenen fundamentalen Kennzahlen ermittelt. Hierzu zählen beispielsweise Kurs-Gewinn-Verhältnis, Marktwert-Buchwert-Verhältnis, Dividendenrendite, Gewinnwachstum.

Die Growth-Strategie

Anders als der Value-Ansatz konzentriert sich die Growth-Strategie weniger auf die Analyse von Einzelunternehmen, als auf die Betrachtung ganzer Branchen. Der Growth-Investor versucht, frühzeitig zukünftige Wachstumsmärkte zu erkennen und dann die Unternehmen mit der höchsten Wachstumsdynamik auszuwählen. Ein ETF der diese Strategie verfolgt, wählt die Unternehmen eines Index aus, deren Gewinnwachstum das höchste Niveau aufweisen.

Das sind oft die Gesellschaften, die sich schon früh größere Anteile an einem boomenden Markt sichern konnten und von ihrer relativen Größe profitieren. Da der Growth-Investor aber möglichst früh solche Potenziale zu erkennen versucht, beruhen seine Entscheidungen hauptsächlich auf Erwartungen, und weniger auf bereits bewährten Geschäftsmodellen wie bei Value-Titeln. So werden bei der Growth-Strategie oft Gewinne mit Aktien erzielt, deren Unternehmen noch gar keine schwarzen Zahlen schreiben. Umso wichtiger ist es für einen erfolgreichen Growth-Investor, eine Aktie systematisch abzustoßen, sobald das Unternehmen seine Wachstumshoffnungen enttäuscht.

Die Trendfolge-Strategie

Trendfolge-Handelsansätze versuchen, gewinnbringend in bereits erkennbare Kurstrends einzusteigen, indem sie bei steigenden Kursen kaufen und bei fallenden Kursen – wenn es das Anlageinstrument zulässt – leer verkaufen (short gehen). Sie steigen wieder aus, sobald der Trend „bricht“. Weil es naturgemäß unmöglich ist, einen Trend zu erkennen, bevor er sich ausgebildet hat, nennt man Trendfolger oft auch „Trittbrettfahrer“. Sie nehmen es in Kauf, nicht die gesamte Bewegung – also etwa vom tiefsten Tief eines Kurses bis zu seinem höchsten Hoch – mitzumachen, sondern immer nur einen Teil davon. Trendfolge hat also nichts mit Techniken zu tun, die auf der versuchten Antizipation von Trends beruhen.

Investoren, die dieser Anlagestrategie folgen, nehmen an, dass die bestimmten Börsenindikatoren helfen, bestehende Trends zu untersuchen und zu erkennen, ob der Trend dauerhaft ist oder vor einer Wende steht. Man unterscheidet grundsätzlich in zwei Arten von Indikatoren.

Trendfolge-Indikatoren wie der gleitende Durchschnitt helfen die Richtung bestehender Trends zu bestimmen und festzustellen, wann ein Trendwechsel eintritt. Fällt beispielsweise der Aktienkurs unter den Durchschnitt der letzten 100 Tage, so ist dies bei Beachtung dieses Indikators ein Signal zum Verkauf der Aktie.

Oszillatoren versuchen einen Hinweis darauf zu geben, ob der Markt einen bestimmten Extremwert, also Tief- oder Hochpunkt, erreicht hat. Der Vorteil von Oszillatoren besteht darin, dass sie sich antizipatorisch verhalten. Sie geben oft rechtzeitige Hinweise auf eine bevorstehende Trendwende. Etablierte Oszillatoren sind zum Beispiel der Moving Average Convergence/Divergence (MACD), der Momentum-Oszillator oder der Relative-Strength-Index (RSI).

Die Dividendenstrategie

Die Dividendenstrategie ist eine Form der Aktienanlage, bei der gezielt in Wertpapiere von Unternehmen investiert wird, die eine hohe Dividendenrendite aufweisen. Der Grund, warum man gerade auf die Dividende soviel Wert legt, liegt in der Überlegung, dass ein Unternehmen, welches eine hohe Dividende ausschütten kann, auch viel Gewinn macht und damit erfolgreich und wettbewerbsfähig ist. Daher geht man davon aus, dass diese Unternehmen den Markt langfristig schlagen.

Die Grundversion der Dividendenstrategie geht zurück auf Benjamin Graham, der die Strategie in den 30er-Jahren des letzten Jahrtausends entwickelte. Er empfahl schlicht und einfach, aus einem Index (damals der Dow Jones) die 10 Werte mit der höchsten Dividendenrendite auszuwählen und diese ein Jahr lang zu halten. Im Anschluss daran werden die Werte überprüft und eventuell ausgetauscht. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von ETFs die die Dividendenstrategie umsetzen und in in dividendenstarke Unternehmen investieren.

Die Size-Strategie

Large-Caps

Als Large-Caps werden umsatzstarke Aktien großer Unternehmen bezeichnet, auf deren Kursentwicklung führende Indizes beruhen. Sie zeichnen sich durch ein hohes Handelsvolumen und ein höheres Engagement institutioneller Investoren aus. Die Kursschwankungen fallen in der Regel geringer aus. Blue Chips an der deutschen Börse sind etwa BASF, Siemens, Volkswagen oder Allianz.

Mid-Caps

Mid-Cap ist die englische Bezeichnung für Aktiengesellschaften mit einer „mittleren Börsenkapitalisierung“. Meist weisen Mid-Caps auch ein geringeres Handelsvolumen auf als marktführende Titel („Blue Chips“). Am deutschen Aktienmarkt werden Papiere mit einem Börsenwert in der Größenordnung von rund einer bis fünf Milliarden Euro als Mid-Caps bezeichnet. Als solche werden die zum Beispiel die Unternehmen im MDAX eingestuft. Sie folgen in der Rangfolge des Börsenwertes den 30 Standardtiteln, die im DAX erfasst sind.

Mid-Caps zeichnen sich im Gegensatz zu Large-Caps in der Regel durch eine höhere Volatilität aus. Dieses höhere Risiko wird durch eine Reihe fundamentaler Vorteile bzw. Chancen aufgewogen. Mid-Caps haben durch ihre geringere Größe ein höheres Wachstumspotential, sind flexibler sowie anpassungsfähiger als Large-Caps und oft Ziel von Übernahmen, bieten also insgesamt ein höheres Kurspotential.

Small-Caps

Small-Caps sind kleine Unternehmen an der Börse. Die Aktien dieser Unternehmen lassen der Spekulation reichlich Raum und unterliegen stärkeren Schwankungen als mittlere und große Werte. Dies bietet auf der einen Seite ein höheres Kurspotential mit höheren Gewinnen als Large- und Mid-Caps aber ein sehr viel höheres Risiko. Letzteres wird noch dadurch verstärkt, dass die Analyse von Small-Cap Unternehmen sehr viel aufwendiger ist als bei größeren Unternehmen, da bei kleineren Unternehmen die Finanzkommunikation weniger ausgeprägt ist.

Die Momentum-Strategie

Hinter der Momentum-Strategie steht die Beobachtung, dass Aufwärtstrends bei Aktien oft aus längeren Seitwärtsbewegungen und kürzeren Aufschwungphasen bestehen. Der Momentum-Investor versucht, die Seitwärtsbewegungen möglichst auszusparen und die Phasen der Kursgewinne mitzunehmen. Dabei profitiert er auch von der Tatsache, dass einmal eingeschlagene Kurstrends mit höherer Wahrscheinlichkeit andauern, als dass sie enden.

Der Momentum-Investor kauft also vor allem Aktien, von denen er in Kürze einen beschleunigten Anstieg erwartet. Als Hilfsmittel dienen ihm dabei vorwiegend technische Kriterien, allen voran der Momentum-Indikator. Dieser zeigt an, wann sich der Kursanstieg einer Aktie beschleunigt. Integraler Bestandteil dieser Strategie ist auch der Einsatz so genannter Stop-Loss-Marken. Diese Verkaufslimits werden ausgelöst, sobald eine Aktie ein bestimmtes Kursniveau unterhalb des bisherigen Kurses erreicht. Damit versucht der Momentum-Anleger, seine Verluste zu begrenzen, falls eine Aufschwungphase unerwartet endet.

Die Contrarian-Strategie

Während Momentum-Anleger gleichlaufend mit dem Markttrend agieren, versuchen die Anhänger der Contrarian-Strategie genau das Gegenteil. Ihr Ideal ist es, antizyklisch zu handeln. Das heißt zu kaufen, wenn die Mehrzahl der Marktteilnehmer pessimistisch ist. Und wieder zu verkaufen, sobald die Euphorie ihren Höhepunkt erreicht hat.

Dahinter steht die Idee, dass die Kurswende nahe ist, wenn alle dasselbe tun. Kaufen alle zu steigenden Kursen, werden dem Markt irgendwann die Käufer ausgehen. Verkaufen alle zu fallenden Kursen, gibt es irgendwann keine Abgabebereitschaft mehr.

Soweit die Theorie. In der Realität ist die Contrarian-Strategie aber kaum durchzuhalten. Auch die auf der Börsenpsychologie fußende Sentimentanalyse liefert keine wirklich verlässlichen Anzeichen für eine Kurswende. Und permanent gegen den Strom zu schwimmen, fordert dem so genannten Contrarian eine fast übermenschliche Psyche ab. Außerdem kann ein solcher Anleger nur schwer mit langfristig steigenden oder fallenden Aktien umgehen.

Die Rebalancing-Strategie

Rebalancing ist die einfachste Methode antizyklisch zu investieren. Dabei wird eine grundsätzliche Aufteilung des Kapitals in verschiedene Anlagen vorgenommen. Diese Aufteilung soll während der gesamten Anlagedauer beibehalten werden. Da die verschiedenen Kapitalanlagen sich im Wert aber unterschiedlich entwickeln verändert sich die ursprüngliche Gewichtung ständig.

Beim Rebalancing wird deshalb in festgelegten Zeiträumen, beispielsweise jährlich, durch Umschichtungen die veränderte Verteilung wieder auf die Ursprungsverteilung zurückgeführt. Entwickeln sich einzelne ETFs besonders ertragreich so werden Gewinne realisiert und die Gewichtung wieder hergestellt.

Durch diese Handhabung ist der Anleger immer in der ursprünglich gewünschten Gewichtung investiert und verkauft immer zu hohen Kursen überschüssige ETF-Anteile und investiert in „günstige“ ETFs.

Die RAFI-Strategie

Bei der RAFI-Strategie erfolgt die Auswahl und Gewichtung der im Index vertretenen Aktien anhand fundamentaler Kriterien und nicht nach der Marktkapitalisierung. Im Jahr 2002 hat das Unternehmen „Research Affiliates“ ihre „Fundamental Index Strategy“, mit den Kennzahlen „Umsatz, Cash Flow, Buchwert und Höhe der Dividendenzahlung“ zur Festlegung und Gewichtung der Aktien in einem Index, vorgestellt. So soll sowohl in Bären- wie auch in Bullenmärkten eine bessere Wertentwicklung als bei Indizes nach Marktkapitalisierung erzielt werden.

Der Grundgedanke dieses Ansatzes ist einfach. Er steht nur schon deshalb auf schwankendem Boden, weil die Kennzahlen die Vergangenheit wiedergeben und nicht der Markt, sondern fundamentale Daten für eine Kursentwicklung herangezogen werden. Der Ansatz steht damit im Gegensatz zu den Grundsätzen der Portfoliotheorie. Denn hiermit soll auch der Markt geschlagen werden. Mit RAFI wird mithin der Bereich des reinen passiven Indexinvestments verlassen. Allerdings ist es damit kein klassisches Indexprodukt mehr. Andererseits werden so – teilweise offensichtliche – Marktübertreibungen wie im Internet-Hype eliminiert.

Die Core-Satellite-Strategie

In der Core-Satellite-Strategie wird der große Hauptanteil (Kern- bzw. Core-Investment) des zu investierenden Kapitals breit diversifiziert, so zum Beispiel in den MSCI World Index. Daneben werden kleinere Teile des Kapitals („die Satelliten“) in Anlagen mit höheren und teilweise sogar sehr hohen Risiken investiert. Vorstellbar ist hier beispielsweise eine Beimischung eines Sektor ETFs oder eines einzelnen Schwellenland-ETF. Je höher der Anteil der Satelliten, desto risikoreicher ist das Gesamtinvestment.

Mit dem Core-Satellite Ansatz wird häufig auch eine Mischung zwischen aktiver und passiver Anlagestrategie beschrieben. So kann ein Indexfonds (ETF) auch „aktive“ Elemente enthalten. Dabei soll der größte Teil des Kapitals – der Kern oder Core – nach wie vor in breit diversifizierte Anlagemärkte investiert werden. Damit wird das Risiko reduziert und eine Stabilität zum Vergleichsindex hergestellt.

Mit dem kleineren Teil des Portfolios, den so genannten Satelliten wird nun „aktiv“ versucht, über den Kernbereich des Portfolios hinaus zusätzliche Erträge zu erzielen. Die Kombination von reiner passiver Vermögensanlage auf der einen Seite und aktiven Fonds-Management auf der anderen Seite bedeutet aber auch, dass die reine passive Vermögensanlage verlassen wird.

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