Asset Allocation – Risiko und Ertrag im Einklang

Relevante Anlageklassen für ETF-Anleger

Überblick

Asset Allocation meint die konsequente Umsetzung einer Anlagestrategie, die versucht, Risiko und Ertrag in Einklang zu bringen, indem verschiedene Vermögenswerte Eingang in das Anlageportfolio des Anlegers finden. Eine solche Strategie steht im Gegensatz zu einem Ansatz, der sich auf eine einzelne Anlageklasse konzentriert.

Unter Asset Allocation wird die Einteilung des Kapitalmarktes in unterschiedliche Klassen (Assets) oder Anlagesegmente verstanden. Diese Klassen unterscheiden sich unterschiedlich stark bezüglich ihrer Wertentwicklung zueinander und anderer Faktoren wie z.B. Zinsraten, Wechselkursen sowie Konjunkturentwicklung. Das Besondere einer Geldanlage in verschiedenen Segmenten, also einer Asset Allocation sind die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Anlageklassen.

Die wichtigsten Anlageklassen sind:

  • Aktien
  • Anleihen (Festverzinsliche Wertpapiere)
  • Immobilien (Immobilienaktien)
  • Geldmarkt (z.B. Tagesgeld)
  • Rohstoffe (z.B. Edelmetalle, Energierohstoffe, Industriemetalle)
  • Alternative Investments (Private Equity, Hedgefonds)

Die Wechselwirkungen mehrerer Klassen (Assets)

Mehr Sicherheit

Die Asset Allocation basiert also auf dem Prinzip, dass sich verschiedene Vermögenswerte in unterschiedlichen Markt- und Wirtschaftsbedingungen unterschiedlich entwickeln. Und weil sich diese Anlageklassen i.d.R gut ergänzen, versprechen sich Anleger von ihren Investments mehr Sicherheit. Niemand kann zwar die Entwicklungen am Finanzmarkt vorhersagen, aber über die Entwicklung einzelner Anlageklassen während eines Konjunkturzyklus – Aufschwung, Hochkonjunktur (Boom), Abschwung (Rezession) und Tiefphase (Depression) – lassen sich einige Grundannahmen aufstellen. Hier nur ein paar Beispiele.

In Zeiten von Wachstum, steigern Aktien ihren Wert, in Zeiten einer Depression entwickeln sich eher Staatsanleihen positiv für Anleger. Rohstoffpreise schnellen nach oben, auch weil sie i.d.R. knapper werden, wenn die Inflation zunimmt und der Wert von Gold steigt in Krisenzeiten besonders.

Weniger Risiko

Doch was bedeutet das für interessierte Anleger? Eine Asset Allocation bedeutet im Grunde, auf „mehrere Pferde” zu setzen, besonders für den Fall, dass eines „lahmt”. Gerät eine meiner Anlageklassen ins Hintertreffen – z.B. aufgrund einer Wirtschaftskrise – so mag die eine oder andere Klasse(n) für ausreichend Deckung sorgen, um finanzielle Verluste auszugleichen.

Also verteilen Anleger die Risiken auf verschiedene Assetklassen, sodass nicht das gesamte Investitionsvolumen in eine Anlage gesteckt wird, die sich möglicherweise am schlechtesten entwickelt. Auf einen Aufwärtstrend folgt bekanntermaßen ein Abwärtstrend. Doch ein Portfolio aus verschiedenen Anlageklassen, die sich während einzelner Marktphasen unterschiedlich entwickeln, kann das Risiko durch Streuung des Fondsvermögens auf mehrere Papiere deutlich minimieren.

Mehr Rendite

Mit einer solide diversifizierten Asset Allocation erzielen Anleger ein deutlich besseres Chancen-Profil. Denn durch ein breit gestreutes Portfolio sind Investoren eher vor starken Turbulenzen am Markt geschützt, holen aber in Boomzeiten der Wirtschaft auch mehr Rendite rein.

Doch dabei ist es wichtig zu verstehen, dass die Konjunkturzyklen in einzelnen Ländern und Regionen i.d.R. nicht synchron, sondern zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten verlaufen. Deshalb sollten Anleger nicht nur in die heimische Märkte investieren (Stichwort: Home Bias), sondern ihre Investments rund um den Globus aufteilen. Schließlich kann jeder Markt auf der Welt in einem oder mehreren Jahren schlechter abschneiden als die anderen Volkswirtschaften.

In der Praxis könnte so ein breit diversifiziertes Portfolio also aus mehreren Small Caps, Mid Caps und Blue Chips aus verschiedenen Ländern, ausgewählten Staatsanleihen und gewissen Rohstoffen bestehen.

Entwicklung wichtiger Anlageklassen im Vergleich

Korrelation der verschiedenen Assetklassen
Wichtige Anlageklassen im Vergleich

Vorteile einer Asset Allocation mit ETFs gegenüber Aktien:

Risikostreuung

Durch die Streuung des Fondsvermögens auf mehrere ETFs wird ein Risikomix erreicht, der bei Investments in Einzelaktien sonst nur mit sehr hohen Anlagebeträgen möglich wäre.

Bequemlichkeit

Der Anleger muss sich nicht dauernd um seine Geldanlage kümmern. Durch die Anlage in ETFs erreicht der Anleger eine sehr breite Streuung und spart sich damit die Zeit einzelne Aktien auszuwählen und zu analysieren.

Fondskonstruktion

Abhängig von den persönlichen Anlagepräferenzen gibt es für jeden Anlagewunsch bzw. jede Anlagestrategie einen passenden ETF. Privatanleger sollten sich aber auf die großen, breit gestreuten Indizes wie MSCI World oder FTSE All World fokussieren.

Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Asset-Allocation-Strategien vor.

Asset-Allocation-Strategien im Vergleich

Es gibt verschiedene Arten von Asset-Allocation-Strategien, die entweder auf Anlagezielen, Risikotoleranzen, Zeit oder Diversifikation basieren. Die verbreitetsten Formen der Asset Allocation lautet wie folgt:

Strategische Vermögensallokation

Das Hauptziel einer strategischen Asset Allocation ist es, einen Asset-Mix zu schaffen, der ein optimales Gleichgewicht zwischen erwartetem Risiko und Rendite für einen langfristigen Anlagehorizont bietet. Strategische Asset-Allocation- Strategien sind generell konjunkturunabhängig, das heißt: sie verändern ihre Position/Gewichtung nicht in Bezug auf sich ändernde Wirtschafts- oder Marktbedingungen.

Dynamische Vermögensallokation

Die dynamische Asset Allocation ähnelt der strategischen Vermögensallokation, da die Portfolios durch einen Asset-Mix gebildet werden, der ein optimales Gleichgewicht zwischen erwartbaren Risiko und erwartbarer Rendite für einen langfristige Anlagestrategie schafft. Analog zur strategischen Vermögensallokation halten auch die dynamischen Strategien weitgehend das Risiko ihrer ursprünglichen Anlageklassen bei. Im Gegensatz zur strategischen Asset Allocation verändern die dynamischen Portfolios jedoch ihre Positionen/Gewichtungen im Laufe der Zeit, indem sie sich an Veränderungen in der Wirtschaft oder auf dem Markt anpassen.

Taktische Asset Allokation

Die taktische Asset Allocation beschreibt eine Strategie, bei der ein Investor einen aktiveren Ansatz verfolgt, indem er versucht, sein Portfolio in diejenigen Vermögenswerte, Sektoren oder Aktien stärker zu positionieren, die das größte Potenzial für erwartbare Gewinne aufweisen. Während ein klassischer Asset-Mix ähnlich wie ein strategisches oder dynamisches Portfolio aufgebaut ist und hauptsächlich passiv verwaltet wird, werden taktische Vermögensallokation wesentlich aktiver gehandelt. Das bedeutet aber auch, dass taktische Assets sich vollständig in und aus ihren Kernanlageklassen bewegen können.

Core-Satellite-Strategie

Alles kreist um den Kern? Genau! Core-Satellite-Strategien enthalten in der Regel ein „zentrales” strategisches Element, das den größten Teil des Portfolios ausmacht, während sie die sog. dynamische oder taktische „Satelliten”-Strategie anwenden, die einen kleineren Teil des Portfolios ausmacht. Auf diese Weise sind Core-Satellite-Strategien im Grunde ein Hybrid aus den oben genannten strategischen, dynamischen und taktischen Allokationsstrategien.

Investieren auf Basis modernster wissenschaftlicher Erkenntnisse

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt: Die Performance eines Portfolios wird zu 80 Prozent von der strategischen und taktischen Asset-Allocation bestimmt. Die Theorie: Fällt in einem Portfolio beispielsweise der Kurs eines Rohstoffinvestments, wird dieser Verlust etwa durch einen Aktiengewinn ausgeglichen. Auf diese Weise soll das Risiko eines Wertpapierportfolios langfristig reduziert werden, ohne auf Renditechancen zu verzichten. Dabei kommt es keineswegs auf die Einzeltitelauswahl an, so mehrere Studien.

Zuletzt (2009) untersuchten drei Forscher der Erasmus University Rotterdam die Diversifikationsvorteile für ein Portfolio, indem sie zehn verschiedene Anlagekategorien gleichzeitig in einer Mittelwertanalyse und einem Marktportfolioansatz unterscheiden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Immobilien, Rohstoffe und Hochzinsanleihen den größten Mehrwert für den traditionellen Asset-Mix aus Aktien, Anleihen und Bargeld darstellen. Eine Studie mit einer so breiten Abdeckung der Anlageklassen wurde bisher nicht durchgeführt.

Brauchen Anleger einen Asset Manager?

Zeigt eine Anlagestrategie eine Outperformance, so ist die Welt für den Asset Manager und den Anleger in Ordnung. Der Asset Manager kann damit seine hohen Gebühren rechtfertigen und der Anleger kann das Gefühl genießen, mit seinem Investment besser als der Markt abgeschnitten zu haben. Mal abgesehen davon, dass es den wenigsten Asset Managern gelingt, konstant eine Outperformance mit dem anvertrauten Geld zu erwirtschaften, so ist Outperformance eine relative und keine absolute Kennzahl.

Was in den wenigsten Fällen nicht hinterfragt wird, ist, wie diese Kennzahl zustande kommt. Ein erster Blick sollte auf die gewählte Benchmark fallen. Bei genauerem Hinsehen wird sich häufig herausstellen, dass die Benchmark nur ansatzweise mit der gefahrenen Strategie des Asset Managers vergleichbar ist. Auch werden gerne Kursindizes anstatt Performanceindizes verwendet, die die Ergebnisse des Asset Managers von vornherein besser aussehen lassen.

Grundsätzlich muss hinterfragt werden, warum eine Anlagestrategie eine höhere Rendite als eine andere Strategie aufweist. Es muss also absolut betrachtet werden und nicht relativ. Genauso, wie sich die Medizin durch Forschung laufend weiterentwickelt und die Menschen von dem medizinischen Fortschritt profitieren, so kann heute durch die Finanzmarktforschung sehr verlässlich erklärt werden, welche Faktoren für die Performanceentwicklung verantwortlich sind.

Fazit

Zentrale Erkenntnis ist, dass die Entwicklung von Anlagestrategien nur zu einem winzigen Teil von den Fähigkeiten (Markt-Timing & Aktienauswahl) einen aktiven Asset Managers abhängt. Die höhere Rendite entsteht nicht durch die Hand des Asset Managers, sondern durch das Eingehen von höheren Risiken. Es braucht also keinen aktiven Asset Manager für teures Geld, sondern passive, kosteneffiziente Anlagestrategien, die diese wissenschaftlich nachgewiesenen Risikoprämien für den Anleger einsammeln.

Genauso wie wir uns nicht in einem Krankenhaus auf dem medizinischen Stand vor 50 Jahren behandeln lassen würden, so sollten wir auch unser hart erarbeitetes Geld auf Basis modernster wissenschaftlicher Erkenntnisse investieren.

Wichtige Fragen, kurz erklärt

Kann Asset Allocation auch nach hinten los gehen?

Wie bei jeder Geldanlage gibt es auch hier keine Garantie auf Erfolg. Es gibt verschiedene Gründe, warum die gewählte Asset Allocation nicht funktioniert. Das Verhalten von menschlichen Investoren ist von Natur aus voreingenommen. Auch wenn man sich für eine Asset Allocation entscheidet, ist die Umsetzung eine Herausforderung. Gute Renditen befeuern meist den Hang zu mehr Risiko, schlechte Renditen den Hang zu weniger Risiko, doch so einfach ist es in der Realität leider nicht. Außerdem führt die Auswahl der Wertpapiere innerhalb der Anlageklassen nicht unbedingt zu einem Risikoprofil, das auch der Anlageklasse entspricht. Und eine langfristige angelegte Asset-Allocation-Strategie sagt nichts aus über ihr kurzfristiges Verhalten.

Soll man Anlagen mit einer schlechten Wertentwicklung abstoßen?

Schwer zu sagen, denn natürlich mag es sich auszahlen, an Anlagen mit einer schlechten Wertentwicklung festzuhalten. Niemand weiß genau, zu welchem Zeitpunkt die ungünstige Entwicklung umschlägt. Eine Assetklasse, die lange Zeit wenig Rendite abwirft, kann plötzlich nach oben schießen und zum Spitzenreiter im Portfolio avancieren. Das trifft vor allem auf Anlageklassen zu, deren Performance sich unabhängiger von den gängigen wirtschaftlichen Kennzahlen entwickelt. Ein Beispiel: Wenn die Wirtschaft eine Rezension erlebt, werden Sie als Anleger womöglich dankbar aufatmen, dass Sie Staatsanleihen in ihrem Portfolio besitzen, selbst wenn diese vorher einen eher „mäßigen” Ertrag abwarfen.

Kann ich mein Risikoprofil selbst berechnen?

Zunächst einmal ist die Risikobereitschaft von Person zu Person unterschiedlich. Junge Anleger tendieren zu mehr ältere Hasen zu weniger Risiko. So gilt bei vielen Finanzberatern die Faustregel: Die Zahl 100 minus dem Alter des Anlegers ergibt den Anteil an risikoreichen Anlageklassen im Portfolio. Doch es gibt noch andere Kriterien, die Ihnen helfen ihr persönliches Risikoprofil zu erahnen. Wenn Sie nur wenige Jahre investieren möchten, sollten Sie mehr auf heimische Staatsanleihen bauen, da Aktien – zumindest über kurze Zeiträume – stärkeren Schwankungen unterliegen. Wer langfristig investiert, für den gilt es, verstärkt auf Aktien zu setzen. Falls sie ein hohes Risiko dabei nicht scheuen, sind sie gut beraten ihr Portfolio möglichst breit und rund um den Globus auf der Basis von Anleihen, Immobilien, Aktien und Rohstoffen aufzubauen.

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