Auszahlpläne bei digitalen Vermögensverwaltern

Ein Auszahlplan gerät bei digitalen Vermögensverwaltern neben der Geldanlage und Sparplanangeboten vermehrt in den Fokus der Kunden. Auf was müssen Sie dabei achten? Welcher Anbieter bieten einen Auszahlplan an?

Die Mehrheit der Anleger weiß wohl, was ein Sparplan ist. Von seinem Pendant – dem Auszahlungsplan – haben aber wohl die wenigsten schon etwas gehört.

Sicher, dem langfristigen Vermögensaufbau sollte mehr Beachtung geschenkt werden als dem Umgang mit dem zusammengesparten Vermögen nach Ablauf des Sparplans. Eine wohlüberlegte Entnahmestrategie erhöht jedoch deutlich die finanzielle Sicherheit des Anlegers bis ins hohe Alter.

Unterschieden wird dabei grundsätzlich zwischen zwei Strategien, dem Kapitalverzehr zum einen und dem Kapitalerhalt zum anderen.

Auszahlplan – Kapitalverzehr oder ewige Rente

Bei einer Strategie ohne Kapitalverzehr bleibt das angelegte Kapital unberührt. Die Rendite erhält der Anleger ausschließlich aus den Zinsen, die sein Vermögen erwirtschaftet. Die regelmäßigen Zahlungen fallen damit geringer aus, stehen dem Anleger dafür jedoch prinzipiell unbegrenzt zur Verfügung – in der Wissenschaft wird dieses Konzept auch ewige Rente genannt.

Bei einem Auszahlungsplan mit Kapitalverzehr wird neben den erwirtschafteten Zinsen (Kupon und Wertsteigerung) auch auf das angelegte Kapital zurückgegriffen. Zum Ende der vereinbarten Laufzeit ist dabei ein Teil oder auch das gesamte Vermögen verzehrt.

Welche Strategie ein Anleger dabei verfolgt, hängt zentral davon ab, wie hoch sein angespartes Vermögen ist. Verfügt der Sparer über einen eher geringen Kapitalstock, sollte er, um die Rentenlücke zu füllen, eine Strategie mit Kapitalverzehr wählen. Verfügt er dagegen über ein größeres Vermögen, so kann er auch eine Strategie ohne Kapitalverzehr verfolgen.

 Mit KapitalverzehrOhne Kapitalverzehr
Anlagebetrag50.000 Euro50.000 Euro
Rendite p.a.5,00 %5,00 %
Rentendauer:10 Jahreunbegrenzt
monatliche Kapitalentnahme525,38 Euro202,84 Euro
Quelle: extraETF.com, Berechnung ohne Berücksichtiung von Steuern
Tipp: Mit unserem ETF-Auszahlplanrechner erhalten Sie schnell einen Überblick, welche Auszahlhöhe unter verschiedenen Annahmen möglich sind.

Auszahlungspläne bei Robo-Advisors

Beileibe nicht alle Robo-Advisors haben einen Auszahlplan im Angebot. Lediglich sechs Anbieter bieten derzeit Auszahlungspläne an. Quirion plant im Lauf des Jahres Auszahlungspläne in das Sortiment aufzunehmen. Auch beim digitalen Vermögensverwalter Oskar steht er in den Startlöchern. Voraussichtlich im Sommer soll er Oskars Angebot ergänzen und dabei überdies auf einen Mindestdepotbestand sowie auf eine Mindestauszahlungssumme verzichten.

Bei den Robo-Advisors, die bereits einen Auszahlungsplan anbieten, unterscheiden sich die Angebote mit Blick auf Mindestdepotbestand und Mindestauszahlungsbetrag.

Fintego, Visualvest, Growney, Gerd Kommer Capital, Scalable Capital und Peningar mit Mindestdepotbestand

So bietet der digitale Vermögensverwalter Fintego einen Auszahlungsplan ab einem Depotbestand von 5.000 Euro an. Die monatliche Mindestauszahlung beträgt dabei 125 Euro. Bei Visualvest sind Auszahlungen ab 50 Euro möglich, sofern die Mindesteinlage von 500 Euro getätigt wurde. 

Growney bietet ab einer Mindestdepotgröße von 2.000 Euro die Möglichkeit zum planbaren Entsparen. Die Mindestrate liegt bei 50 Euro.

Bei Gerd Kommer Capital und Scalable Capital lassen sich Auszahlpläne ab 50 Euro einrichten, wenn zuvor mindestens 10.000 Euro angelegt werden. 

Bei Peningar ist der Auszahlplan ebenso ab 50 Euro möglich. Die Mindestanlage beträgt 5.000 Euro.

Robo-Advisors mit Auszahlplan und Mindestanlage

AnbieterKosten bei 10.000 €Mindestanlage 
Quelle: extraETF.com, Robo-Advisor-Test 2021
Fintego0,70 %ab 2.500 €Mehr Infos *
Visualvest0,60 %ab 500 €Mehr Infos *
Growney0,68 %ab 500 €Mehr Infos *
Gerd Kommer Capital0,70 %ab 10.000 €Mehr Infos *
Scalable Capital0,75 %ab 10.000 €Mehr Infos *
Peningar0,99 %ab 5.000 €Mehr Infos *

Easyfolio und Evergreen ohne Mindestdepotbestand

Die Anbieter Easyfolio und Evergreen haben im Segment der Auszahlungspläne kundenfreundliche Angebote vorzuweisen. Sie verzichten gänzlich auf einen Mindestdepotbestand.

Bei Easyfolio liegt der Mindestbetrag für Auszahlung grundsätzlich bei zehn Euro. Bei einzelnen Brokern kann der Betrag allerdings etwas höher ausfallen. Bei Evergreen liegt der Betrag sogar bei nur einem Euro.

Robo-Advisors mit Auszahlplan ohne Mindestanlage

AnbieterKosten bei 10.000 €Mindestanlage 
Quelle: extraETF.com, Robo-Advisor-Test 2021
Easyfolio0,94 %ab 100 €Mehr Infos *
Evergreen0,00 %ab 1 €Mehr Infos *

Fazit: Zu wenige Robo-Advisor mit Auszahlplänen

Drei Viertel der Robo-Advisors bieten derzeit keine Auszahlungspläne an. Einen Robo-Advisor nur aus diesem Grund zu meiden, ist jedoch sicher falsch. Performance, Volatilität und Gebühren sollten bei der Auswahl einen weitaus höheren Stellenwert einnehmen. Ein Auszahlungsplan sollte daher eher als „Kirsche auf der Torte“ denn als entscheidender Grund gegen einen Anbieter gesehen werden.

Tipp: Wir haben die Angebote der in Deutschland aktiven digitalen Vermögensverwalter (Robo-Advisors) verglichen und bewertet. Für jeden Anbieter haben wir einen ausführlichen Testbericht erstellt. Jetzt den Robo-Advisor-Vergleich lesen!

Autor Thomas Brummer

Thomas Brummer
Thomas Brummer war bereits für das Anlegermagazin "Der Aktionär" und das Verbraucherportal biallo.de tätig. Zudem hospitierte er in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf. Seit 2018 ist er Mitglied der Redaktion und seit 2020 als stellvertretender Chefredakteur für das Anlegerportal extraETF.com und das Extra-Magazin verantwortlich.
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