ETF-Namen – anschaulich erklärt

ETF-Namen bestehen nicht aus Hieroglyphen, sondern liefern wichtige Informationen auf einen Blick. Wer damit allerdings zum ersten Mal in Berührung kommt, dem kann beim Anblick der Produktnamen – z. B. iShares S&P 500 EUR Hedged UCITS ETF (Acc) oder Lyxor Core Morningstar US (DR) UCITS ETF – Dist – schon mal schwindlig werden.

Doch diese Bezeichnungen folgen einem bestimmten Muster. Wer die einzelnen Elemente bzw. Bausteine auseinanderhalten kann, erkennt bereits am ETF-Namen wichtige Parameter, die ein ETF-Produkt mitunter schon sehr detailliert beschreiben – beispielsweise ob es sich dabei um einen Aktien-ETF, Anleihen-ETF oder Short-ETF handelt oder ob er ausschüttend oder thesaurierend konstruiert ist.

Da es allerdings auch eine Menge kryptischer Abkürzungen gibt, die nicht mal einheitlich verwendet werden, erklären wir in diesem Beitrag anhand mehrerer Beispiele,  wie Anleger (auch die längsten) ETF-Namen richtig lesen und verstehen.

Wie setzt sich ein ETF-Name zusammen?

Der Name eines ETFs setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. Zu Beginn steht immer der Name des Emittenten bzw. des ETF-Anbieters

  1. Beispiel: iShares S&P 500 EUR Hedged UCITS ETF (Acc)
  2. Beispiel: Lyxor Core Morningstar US (DR) UCITS ETF -Dist

Name des ETF-Anbieters

Bei den beiden Beispielen ist es leicht zu erkennen, dass es sich bei den Emittenten um iShares (1) und Lyxor (2) handelt.

Weitere bekannte ETF-Anbieter sind: Amundi, BNP Paribas Easy, Commerzbank (► Zum Testbericht), Deka, ETFS, Fidelity (► Zum Testbericht), First Trust, Franklin Templeton, FundRock, HSBC, iShares, Invesco, JP Morgan, LGIM, Lyxor (ComStage), Ossiam, Pimco, SPDR, Tabula, Think, UBS, Unicredit, VanEck, Vanguard, WisdomTree, Xtrackers.

Name des Index

Nach dem Anbieter folgt der Indexname, der mitunter recht lange sein kann (Beispiel 3) und darüber Aufschluss gibt, welcher Index nachgebildet wird.

  1. Beispiel: ComStage STOXX Europe 600 NR UCITS ETF
  2. Beispiel: BNP Paribas Easy MSCI World SRI S-Series 5% Capped
  3. Beispiel: UBS (Irl) ETF plc – MSCI United Kingdom IMI Socially Responsible UCITS ETF

Zu 1. Anders als der EURO STOXX 50-Index, bezieht sich der STOXX Europe 600 auch auf Länder Europas, die nicht den Euro als Währung führen (z. B. Schweiz, Großbritannien oder Schweden). An der Zahl lässt sich ablesen, dass der Index auf 600 Unternehmen zielt. Der EURO STOXX 50 bezieht sich hingegen nur auf die 19 EU-Länder, die der Eurozone bereits beigetreten sind und bildet darin die 50 stärksten (nach Marktkapitalisierung) Unternehmen ab. Bei STOXX handelt es sich übrigens um ein Kunstwort aus englisch Stocks (=Aktien) und Exchange (=Börse).

Zu 2. Der Name MSCI World dürfte den meisten Anlegern bereits ein Begriff sein. MSCI steht für den Namen des Index-Anbieters, World für dessen Investmentstrategie, die auf Unternehmen der Industrieländer auf der ganzen Welt zielt.

Zu 3. Beispiele wie der UBS (Irl) ETF plc – MSCI United Kingdom IMI Socially Responsible UCITS ETF, aber auch der iShares Core MSCI World UCITS ETF, zeigen bereits, dass es nicht immer ganz einfach ist, zu erkennen, wo der Name des Emittenten aufhört und der Indexname beginnt. UBS (Irl) ETF plc? Diese Besonderheiten lassen aber sich einfach entschlüsseln.

UBS natürlich ist der Anbieter, der mit vollem Namen UBS Exchange Traded Funds, eine Tochter der UBS Group AG heißt. Deshalb das Kürzel: UBS (Irl) ETF. (Irl) steht dafür, dass der ETF in Irland (auch: IE) „beheimatet” ist. Die Angabe des Fondsdomizils im ETF-Namen können Anleger als Vermarktungsmaßnahme betrachten. So können etwa ETFs, die viele US-Aktien enthalten, steuerliche Vorteile bieten, wenn das Fondsdomizil Irland ist. Früher gab es noch mehr solcher Besonderheiten, doch seit dem Investmentsteuergesetz von 2018 spielt das Fondsdomizil (mit Ausnahme Irland) keine große Rolle mehr. Plc steht für Public Limited Company (PLC). Es handelt sich dabei um eine Rechtsform für Kapitalgesellschaften in Großbritannien (so wie es in Deutschland z. B. die GmbH gibt).

Doch was bildet der Index genau ab. Die Kombination MSCI (…) IMI bedeutet lediglich, dass auch der Index auch auf Small Caps zielt und nicht nur auf Large Caps und Mid Caps beinhaltet. Leider sind diese Abkürzungen von Indexanbieter zu Indexanbieter verschieden. United Kingdom steht natürlich dafür, dass der Index auf Unternehmen zielt, die ihren Sitz in Großbritannien oder Nordirland haben.

Socially Responsible, abgekürzt auch SRI, betont die Nachhaltigkeit des Investments. So vermeidet der Index Unternehmen oder Produkte abzubilden, deren soziale und ökologische Auswirkungen sie als schädlich erachten. Im Factsheet heißt der ETF in voller Länge UBS ETF (IE) MSCI United Kingdom IMI Socially Responsible UCITS ETF (hedged to EUR) A-acc.

Wer also Emittent und Indexname auf einen Blick auseinanderhalten möchte, sollte nicht nur die wichtigsten Namen der ETF- und Indexanbieter (oder auch Indizes) kennen. Man kann die vielen ergänzenden, spezifischen oder regulatorischen Merkmale nicht einfach ignorieren, wenn man die Namen von ETFs verstehen will.

Wie man bereits an den obigen Beispielen leicht erkennen kann, ist die Struktur von ETF-Namen auf keinen Fall einheitlich. Allein deshalb tut man gut daran, zu sagen, dass ein ETF-Name grundsätzlich aus drei Bestandteilen (1. Anbieter, 2. Index, 3. Ergänzungen) besteht, auch wenn manche Experten von vier Kategorien ausgehen, da sie die regulatorischen Merkmale (UCITS, SICAV, OGAW) als eigene Kategorie betrachten.

Doch wer regulatorische Merkmale als eigene Kategorie verkaufen will, müsste demnach auch die Hinweise zur Währung, Ertragsverwendung, Replikation, Indexart oder zu den Finanzinstrumenten als eigene Kategorien eines ETF-Namens anführen. 

Regulatorische Merkmale

UCITS werden Anleger bei jedem in Europa handelbaren ETF lesen. Wesentlich seltener sind die Kürzel OGAW, SICAV und OIEC. Die Abkürzung UCITS steht für „Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities“. Dies ist die Anlagerichtlinie „Organismus für gemeinsame Anlage in Wertpapiere (OGAW), welche den Anlegerschutz innerhalb der Europäischen Union regelt. Geregelt wird darin unter anderem, in welche Vermögensgegenstände investiert werden darf. Die Gewichtungsobergrenze einer Aktie im Fonds beträgt so zum Beispiel 20 Prozent. 

Der regulatorische Rahmen „UCITS” ist die herkömmliche Anlagerichtlinie bei ETFs. Von ganz wenigen Ausnahmen mal abgesehen, (z. B. wenn Anleger an einer ausländischen Börse handeln), können ETF-Anleger in Deutschland in keinen ETF investieren, der nicht dem europäischen Regelwerk folgen würde! So ist das Kürzel UCITS insofern wichtig für den Anleger, weil es Rechtssicherheit nach europäischen Standards garantiert. Im ETF-Namen allerdings kann man sich das Kürzel auch gleich wegdenken, weil es so gut wie alle in Deutschland handelbaren ETFs sowieso im Namen tragen.

Weitere mögliche Abkürzungen sind SICAV (französisch für: Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities), was “Investmentgesellschaft mit variablem Grundkapital“ mit Sitz in Luxemburg bedeutet, oder das britische Pendant OEIC (Open-Ended Investment Companies), was offene Investmentgesellschaft mit Sitz in Großbritannien bedeutet. Doch selbst wenn ETFs die Abk. SICAV oder OEIC im ETF-Namen tragen und in Deutschland gehandelt werden dürfen – dann unterliegen auch sie den europäischen Anlagerichtlinien, kurz: UCITS.

Warum steht am Ende ETF?

Am Ende steht gar nicht immer ETF, sondern auch ETC oder ETN und genau das ist der Grund, warum die Bezeichnung im Namen schon Sinn macht, oder besser: Sinn machen kann. Natürlich können Anleger, die ohnehin nur mit ETFs handeln möchten, auf den Zusatz ETF in Namen verzichten, solange sie wissen, dass es sich dabei auch um einen ETF handelt. Steht am Ende des ETF-Namens ETC oder ETN oder auch ETP handelt man mit einem anderen Finanzprodukt.

Exkurs: Was bedeuten die Kürzel ETC, ETN und ETP? 

Beispiel 1: Invesco Physical Gold ETC
Beispiel 2: BNP Paribas Easy RICI Enhanced Kupfer TR USD ETF
Beispiel 3: iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF

Exchange Traded Commodities (ETCs) sind börsengehandelte Wertpapiere. Sie verfolgen an Warenbörsen gehandelte Rohstoffe sogenannte Commodities und erlauben den Anlegern den Handel mit verschiedenen Gütern – z. B. mit Edelmetallen, Agrargütern und vielen anderen Rohstoffen. Rechtlich gesehen sind ETCs Schuldverschreibungen, also kein Sondervermögen wie bei ETFs.

ETC steht dabei für das Investment in nur einen Rohstoff (vgl. Beispiel 1) in diesem Fall Gold. Für ein Investment in mehrere Commodities (vgl. Beispiel 3) existieren auch ETF-Produkte. Physical bezieht sich auf die Replikationsart des Index, die in diesem Fall physisch erfolgt: der Anbieter kauft und lagert den Rohstoff tatsächlich ein. Das ist aber eher die Ausnahme. Da es bei den meisten Handelsgütern viel zu kompliziert oder gar unmöglich wäre, sie einzulagern, werden sie synthetisch also künstlich nachgebildet. Die verschiedenen Arten der Indexabbildung weisen dabei je nach Produkt und Anlageziel Vor- und Nachteile auf.

Die Abkürzung ETN steht für Exchange Traded Notes. Die Abkürzung ETP werden Anleger kaum in einem ETF-Namen vorfinden. ETP ist lediglich ein Oberbegriff und heißt ausgeschrieben Exchange Traded Product.

Sonstige Hinweise im ETF-Namen

Welche Hinweise zur Währung, Ertragsverwendung, Replikationsart und Indexart gibt es? Welche Abkürzungen sollten ETF-Anleger noch kennen?

Hinweise zur Währung

Beispiel 1: iShares V PLC – iShares S&P 500 EUR Hedged UCITS ETF (Acc)
Beispiel 2: iShares V PLC – iShares Gold Producers UCITS ETF USD (Acc)
Beispiel 3: iShares € Corp Bond 1-5yr UCITS ETF EUR (Dist)
Beispiel 4: ComStage CBK Commodity ex-Agriculture Monthly EUR Hedged ETF
Hedged, Daily, Monthly

Nach dem Indexnamen gibt es Angaben über die Währung des ETF. Der S&P 500 Index in Beispiel 1 ist eigentlich ein in US-Dollar notierter Index. Die Abkürzung EUR Hedged bedeutet nun, dass dieser ETF währungsgesichert gegenüber dem US-Dollar ist. Damit ist das Währungsrisiko gegenüber dem US-Dollar abgesichert. Das gilt natürlich bei allen ETFs die das Wörtchen Hedged im Namen tragen. Manche dieser währungsgesicherten ETFs (Hedged) tragen als Zusatzangabe Daily oder Monthly. Sie geben an, in welchem Zeitintervall die Währungsabsicherung angepasst wird – monatlich oder täglich.

CHF, GBR, USD, CNY, $, €

Währungsabkürzungen, die Anleger kennen sollten, stehen für Schweizer Franken CHF, Britische Pfund GBP, United States Dollar USD (Beispiel 2), chinesische Renminbi CNY. Manche Anbieter nutzen nur Symbole, etwa $ für US-Dollar oder € für Euro (vgl. Beispiel 3), um auf die gehandelte Währung hinzuweisen. 

Ertragsverwendung

Beispiel 1: iShares Core MSCI Europe UCITS ETF EUR (Dist)
Beispiel 2: iShares MSCI Europe UCITS ETF EUR (Acc)
D, Dis, Dist sind drei verschiedene Abkürzungen, die alle dasselbe meinen: Jedes dieser Kürzel steht für Ausschüttende ETFs – in Englisch „distributing etfs”. Bei einem ausschüttendem ETF werden den Anlegern die Dividenden oder Zinsen auf ihrem Konto gutgeschrieben.

Analog dazu wird bei thesaurierenden ETFs die Abkürzung C oder Acc verwendet. Bei einem thesaurierenden ETF werden die anfallenden Zinsen oder Dividenden direkt in den ETF reinvestiert.

Indexreplikation

Beispiel 1: Lyxor Euro Stoxx 50 (DR) UCITS ETF
Beispiel 2: ComStage MSCI Emerging Markets TRN UCITS ETF
Beispiel 3: BNP Paribas Easy MSCI EMU SRI 5% Capped
Beispiel 4: Deka DAX® ex Financials 30 UCITS ETF
DR

Bei direkter Replikation des abgebildeten Index findet man häufig auch das Kürzel DR im ETF-Namen. DR steht für direkte Replikation. Das Gegenteil sind syntetische Replikationen.

Indextyp

TR, GR

Häufig ist auch die Bezeichnung TR oder GR im Namen zu finden. Diese Kürzel stehen für Total Return (Gesamtertrag) bzw. Gross Return (Bruttoertrag), es handelt sich also um einen Performance-Index: Das heißt Dividenden und Sonderausschüttungen fließen in den Index brutto ein. Nachteil dieser Berechnungsmethode sind die vom ETF-Besitzer zu zahlenden Quellensteuern, die vom Fondsvermögen abgezogen werden. Wenn die Quellensteuer nicht eingerechnet wird, verfälscht das natürlich den Gesamtertrag. 

NR, TRN

Das ist bei den Index-Bezeichnungen NR (Net Return, Nettoertrag) bzw. TRN (Total Return Net, Nettoertrag gesamt) nicht der Fall. Bei den mit den Abkürzungen NR bzw. TRN versehenen ETFs profitiert der Anleger an den Nettodividenden nach Steuer. In deren Berechnung fließen nur die Nettozinsen nach Abzug der Quellensteuer ein.

PR

Manchmal taucht auch der Begriff PR auf, der für Price Return steht. Dann werden die durch Zinsen und Dividenden erzielten Vermögenswerte im Portfolio schlichtweg ignoriert.

Indexzusätze

Capped

5% Capped – wie der Name vermuten lässt – bezeichnet „Capped” eine Kappungsgrenze. Diese kann auch viel höher liegen zum Beispiel bei 20% oder 30%. Je niedriger jedoch diese Kappungsgrenze ausfällt, desto diversifizierter ist das Portfolio des ETFs. Bei dem BNP Paribas Easy MSCI EMU SRI 5% Capped ETF bezieht sich die Kappungsgrenze auf die im Index vertretenen Unternehmen: Der Aktienanteil eines Unternehmens darf maximal 5% betragen. Capped kann sich aber genauso auf Länder oder Branchen beziehen. Nachvollziehen lässt sich das einfach, wenn man das Factsheet oder die Anlegerinformation zu Rate zieht.

ex 

Der Deka DAX® ex Financials 30 investiert in die 30 größten Unternehmen des Deutschen Aktienindex und das aber ex Financials. Das ex steht dabei dafür, dass Finanzunternehmen vom Index nicht berücksichtigt werden, sie werden quasi ausgeklammert. Das kann auch ganze Märkte oder Länder betreffen (z. B. ex Agriculture, Financials oder ex Japan).

Zum Beispiel: ComStage CBK Commodity ex-Agriculture Monthly EUR Hedged ETF

Anleihen-ETFs: Ein Begriffsuniversum für sich

Anleihen (engl. Bonds) gibt es viele und das spiegelt sich in langen (und teilweise nicht einheitlichen) ETF-Namen wider. So gibt es nicht wenige seltsam anmutende Abkürzungen, die Anleger nur bei Anleihen-ETFs vorfinden. Beginnen wir mit den verschiedenen Anleihe-Arten – Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Aggregate, inflationsgeschützte Anleihen, Pfandbriefe, Wandelanleihen und Floater – und erklären die wichtigsten Begriffe und Abkürzungen.

Staatsanleihen (Government Bonds)

Government Bond & Sovereign Bonds

Staatsanleihen heißen auf englisch Government Bonds – im ETF-Namen auch als Gov. Bonds oder Govt. Bonds abgekürzt. vgl. iShares € Govt Bond 3-5yr UCITS ETF. Sie werden aber auch als Sovereign Bonds bezeichnet – im ETF-Namen auch mit Sov. abgekürzt. vgl. JPMorgan ETFs (Ireland) ICAV – USD Emerging Markets Sovereign Bond UCITS ETF.

Treasury Bonds

Bei Treasuries oder Treasury Bonds handelt es sich um US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von mehr als 10 Jahren. In diesem Beispiel sogar 20 Jahre: iShares $ Treasury Bond 20+yr UCITS ETF.

Unternehmensanleihen (Corporate Bonds)

Unternehmensanleihen sind nichts anderes als Corporate Bonds, die fast immer als Corp-Bonds ausgewiesen sind: iShares € High Yield Corp Bond UCITS ETF.

High Yield steht in diesem Fall für Anleihen mit hoher Verzinsung. Klingt erstmal positiv, ist es aber nicht unbedingt. Eine andere (spöttische) Bezeichnung für High Yield Bonds lautet Junk Bonds, was mit „Ramsch-Anleihen” übersetzt werden kann. Hintergrund ist schlichtweg der, dass die Höhe der Zinsen bei Anleihen i. d. R. negativ mit ihrer Bonität (AAA, BBB, B usw.) korreliert.

Aggregate Bonds (Gemischte Anleihen)

Die Bezeichnung Aggregate Bonds klingt erstmal kompliziert, bedeutet aber nichts anderes, als dass das ETF-Produkt sowohl in Staatsanleihen als auch in Unternehmensanleihen investiert vgl. SPDR Bloomberg Barclays Euro Aggregate Bond UCITS ETF.

Inflationsgeschützte Anleihen (Inflation Linked)

Inflation-linked Bonds oder inflationsgeschützte Anleihen, z. T. auch inflationsindexierte Anleihen genannt, bieten dem Anleger Schutz vor dem Inflations­risiko. So z. B. der iShares € Inflation Linked Govt Bond UCITS ETF. 

Bei diesen und anderen inflationsgeschützten Anleihe-ETFs erfolgt regelmäßig eine Anpassung der Verzinsung an die Inflationsrate, die sich am Verbraucherpreisindex orientiert. Das soll die Anleger gegen einen Kaufkraftverlust des investierten Kapitals absichern. 

Pfandbriefe (Covered Bonds)

Bei Covered Bonds oder Pfandbriefen handelt es sich um festverzinsliche Wertpapiere Sie werden von Hypothekenbanken bzw. Pfandbriefbanken herausgegeben. Im ETF-Namen wird Covered Bond gerne mit Cov. Bond abgekürzt. In seltenen Fällen liest man auch Mortgage Backed Securities (zu deutsch: Hypothekenbrief) statt Covered Bond. vgl. Xtrackers II EUR Covered Bond Swap UCITS ETF.

Wandelanleihen (Convertible Bonds)

Als Convertible Bonds oder Wandelanleihen werden mit einem Nominalzins ausgestattete Anleihen bezeichnet, die dem Besitzer das Recht verbriefen, sie Aktien eintauschen. Für diese Convertible Bonds bestehen aber Fristen (Wandlungsfrist) und ein vorher festgelegtes Verhältnis (Kurs), zu dem die Anleihen in Aktien eingetauscht werden dürfen, vgl. UC Thomson Reuters Balanced European Convertible Bond UCITS ETF.

Variabel verzinsliche Anleihen (Floater Rate Notes (FRN))

Floater Rate Notes (FRN) oder variabel verzinsliche Anleihen bezeichnen Anleihen, die eine variable Verzinsung aufweisen. Diese bemisst sich meist an einen Referenzzinssatz (z. B. Libor). So investiert z. B. der Amundi Index Solutions – Amundi Floating Rate USD Corporate Index in auf US-Dollar lautende variabel verzinsliche Anleihen mit Investment-Grade-Rating, die von privaten Unternehmen emittiert werden. vgl. iShares € Floating Rate Bond UCITS ETF

Sonstige Hinweise bei Anleihen-ETFs

Investment Grade

Das Gütesiegel Investment Grade bekommen Anleihen mit höchster Bonität verliehen. In diese Kategorie fallen Wertpapiere, die von den Ratingagenturen mit AAA, AA, A oder BBB benotet werden, vgl. Lyxor EuroMTS All-Maturity Investment Grade (DR) UCITS ETF.

Interest Rate hedged

Interest Rate hedged ETFs enthalten eine Absicherung gegen das Zinsänderungsrisiko. Gegen dieses Szenario wappnen sich entsprechende ETFs durch den Abschluss von Terminkontrakten, was auch einen gewissen Nachteil mit sich bringt: Fallen die Zinsen nämlich weiter, profitieren Anleger nicht vom damit verbundenen Kursanstieg der Anleihen, vgl. iShares V PLC – iShares € Corp Bond Interest Rate Hedged UCITS ETF.

3-5 (year), 1-3yr etc.

Die Jahresangaben bei Anleihen-ETFs belaufen sich oft auf 1-3 oder 3-5 Jahre (im ETF-Namen abgekürzt mit year, yr oder einfach nur 3-5, manchmal aber auch auf 10 Jahre oder mehr. Die Jahresangabe bezieht sich dabei auf Restlaufzeit der im Index enthaltenen Wertpapiere (Anleihen). 3-5 yr gibt Anlegern also Auskunft darüber, dass in diesem ETF nur Anleihen enthalten sind, deren Fälligkeit noch mindestens 3 Jahre, aber höchstens 5 Jahre in der Zukunft liegt. vgl. iShares € Govt Bond 3-5yr UCITS ETF oder Xtrackers II Eurozone Government Bond 3-5 UCITS ETF.

Liquid

Aktien die nicht liquide (flüssig) sind, können schwer ge- oder verkauft werden. Dasselbe gilt bei Anleihen. Vom sogenannten Liquiditätsrisiko sind Anleger immer dann betroffen, wenn sie ihre Aktien oder Anleihen nicht zum marktüblichen Preis, sondern unter Wert verkaufen können. Demnach kosten liquide Anleihen in der Regel auch mehr als illiquide. Dafür können diese eine höhere Rendite aufweisen. Der Zusatz liquid kennzeichnet also Anleihen, die häufig gehandelt werden und dem Anleger eine größerer Flexibilität einräumen. vgl. Deka iBoxx € Liquid Corporates Diversified UCITS ETF.

Long-, Short-, Leveraged-ETFs

Was sind Short ETFs? Was sind Long-ETFs? Und was sind Leveraged-ETFs?

Beispiel 1: Xtrackers S&P 500 2x Leveraged Daily Swap UCITS ETF
Beispiel 2: Lyxor Bund Daily (-2x) Inverse UCITS ETF
Beispiel 3: ComStage Bund-Future Double Short UCITS ETF
Beispiel 4: WisdomTree EURO STOXX Banks 3x Daily Short
Beispiel 5: WisdomTree Emerging Markets 3x Daily LeveragedBeispiel 6: L&G DAX Daily 2x Long UCITS ETF

  • Long = ETF bildet die Wertentwicklung eines Index “1 zu 1” nach (Faktor 1)
  • Short = ETF bildet die Wertentwicklung eines Index invers/umgekehrt nach (Faktor 1)
  • Leveraged = ETF bildet die Wertentwicklung den Index mit einem Faktor größer 1 ab

Unter Short-ETFs versteht man spekulative Finanzinstrumente, die für Anleger entwickelt wurden, die eher kurzfristig auf Tagesbasis und spekulativ handeln möchten. Einfach gesagt sind Long-ETFs, dasselbe wie Short-ETFs, zielen aber in die gegengesetzte Richtung – und das auch mit Hebel (Leveraged). „Short” oder auch „Inverse” wettet darauf, dass der Index fällt. „Long” wettet darauf, dass der Index steigt. Die Zahlen „1x, 2x, 3x, 4x” stehen dafür, wie hoch der „Hebel”, bzw. die Wette angesetzt wird, ob der Index fällt oder steigt.

Im Falle des WisdomTree EURO STOXX Banks 3x Daily Short sehen wir einen dreifachen Hebel auf Short, also nach unten. Soll heißen: Fällt der Index tatsächlich um einen Punkt bekommt der Anleger das Dreifache an Performance. Steigt er jedoch entgegen der Richtung auf die gewettet wurde, dann fällt der Wert des ETF-Produkts auch um das Dreifache.

Short ETFs können überdies auch mit -2x, -3x usw. gekennzeichnet sein (Beispiel 2), oder wie in Beispiel 3 mit Double Short. Beispiel 4 wettet auf fallende Kurse mit dreifachem Hebel, Beispiel 5 wettet auf steigende Kurse ebenfalls mit dreifachem Wetteinsatz. Den Zusatz Short findet man manchmal auch bei Anleihen-ETFs, doch dann meint es etwas völlig anderes und darf nicht verwechselt werden.

Verwechslungsgefahren

Verwechslungsgefahr 1: „Short-Anleihen-ETFs” sind keine Short-ETFs

Beispiel: iShares € Ultrashort Bond UCITS ETF
Beispiel: iShares $ Short Duration Corp Bond UCITS ETF
Die Bezeichnung Short (Duration) oder Ultrashort bei diesen beiden Anleihen-ETFs haben nichts mit spekulativen Short-ETFs zu tun. Es handelt sich dabei lediglich um die Laufzeit der enthaltenen Anleihen mit kurzer (Short) oder sehr kurzer (Ultrashort) Restlaufzeit.

Verwechslungsgefahr 2: Core & Prime haben nichts mit Prime Value zu tun

Beispiel 1: iShares Core MSCI World UCITS ETF
Beispiel 2: Amundi Index Solutions – Amundi Prime Japan
Beispiel 3: UBS ETF – Factor MSCI EMU Prime Value UCITS ETF
Die Bezeichnungen „Core” (Beispiel 1) und „Prime” (Beispiel 2) sind im Grunde nur Marketing-Floskeln, die ausdrücken, dass die ETF-Produkte besonders populäre und/oder günstige ETFs darstellen. Sozusagen die Kernbausteine für ein breit diversifiziertes ETF-Portfolio. Anders: MSCI EMU Prime Value: Hier bezieht sich der Begriff Prime Value die Unternehmen, die im Index abgebildet sind. Diese unterliegen hohen Qualitätsmerkmalen, worauf der Begriff Prime Value eben hinweisen soll. Für diese Merkmale existieren jedoch keine verbindlichen Regeln. Ein genauer Blick in den Referenzindex schafft Klarheit darüber, welche Kriterien genau gemeint sind.

Fazit: ETF-Namen einfach verstehen?

Muss man wirklich all diese Begriffe und Abkürzungen aus dem Stehgreif wissen? Nur um zu verstehen, um was für einen ETF es sich handelt? Und welche Besonderheiten der zugrundeliegende Index aufweist? Nein. 

Allein deshalb schon nicht, weil viele der aufgezeigten Details für den „Otto-Normal-ETF-Besitzer” keine wirkliche Relevanz haben. Im Grunde reichen zum Verständnis aller ETF-Namen drei Dinge völlig aus.

  1. Teilen Sie den Namen in seine wesentlichen Bestandteile: Zuerst kommt immer der Name des ETF-Anbieters. Es folgt der Indexname, der im wesentlichen darüber Auskunft gibt, in welche Teile der Welt, in welche Märkte oder in welche Rohstoffe Sie investieren. Und wenn Sie sich danach für einen oder mehrere ETFs besonders interessieren, finden Sie die wesentlichen ergänzenden Hinweise im Factsheet, in der Anlegerinformation (KIID) und natürlich (sehr viel detaillierter) auf extraETF.com – und zwar auf der jeweiligen ETF-Produktseite.
  2. Prüfen Sie immer, was für eine Finanzinstrument Sie vor Augen haben. Handelt es sich dabei wirklich um einen ETF? Investieren Sie in nur einen Rohstoff, haben Sie vermutlich einen ETC vor sich.
  3. Streichen Sie die überflüssigen Bezeichnungen gedanklich weg. Es gibt andere Parameter, die oft viel entscheidender sind, ob dieser oder jener ETF für Sie in Frage kommt.

Repräsentatives Beispiel für (fast) alle ETF-Namen

iShares VII PLC – iShares Core MSCI Pacific ex-Japan UCITS ETF

Beginnen wir vorne und nehmen den Namen Stück für Stück auseinander.

  • iShares: Okay geschenkt: das ist der ETF-Anbieter, der Emittent.
  • VII: Nicht weiter wichtig: die römische Sieben bezeichnet nur eine Tochterfirma von iShares. Das spielt für Sie als Anleger im Grunde keine Rolle.
  • PLC: Die Abkürzung plc steht für eine Rechtsform für Kapitalgesellschaften in Großbritannien, ist also nicht weiter von Interesse.
  • iShares: Schon wieder iShares? Es ist es aber nicht Teil des Indexnamens (MSCI Pacific ex Japan), sondern lediglich eine unnötige Wiederholung des Anbieters.
  • Core: Der Begriff sagt lediglich aus, dass es sich um Basisprodukt bzw. einem Kerninvestment handelt. Das mag aufgrund des hohen Fondsvolumen und der daraus resultierenden niedrigen TER (=Gesamtkostenquote) von Interesse sein, muss es aber nicht. 
  • MSCI: Ist der Name des Indexanbieters.
  • Pacific: Dieser ETF investiert also in die Länder der Pazifik-Region (z. B. Australien, Hongkong, Singapur, Neuseeland). Das ist wichtig.
  • ex-Japan: Der ETF investiert nicht in Japan. Das ist auch wichtig.
  • UCITS: Alle in Deutschland gehandelten ETFs unterliegen den europäischen Richtlinien, also nicht wirklich von Bedeutung.
  • ETF: Das ist eine Klarstellung, dass es sich hier um einen ETF handelt.

Trennen wir nun wichtig von nicht so wichtig und voilà: iShares MSCI Pacific ex-Japan