ETF Optionen – Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten

Mit ETF-Optionen können Zusatzerträge generiert oder Risiken begrenzt werden. Die Instrumente werden daher bei institutionellen Anlegern immer populärer. Auch Privatanleger können ETF-Optionen über bestimmte Banken handeln.

Die Aktienmärkte kennen seit Jahren nur eine Richtung – die nach oben. Die Frage nach der Absicherung eines ETF-Portfolios wurde von Anlegern daher bisher kaum gestellt. Buy-and-Hold eines diversifizierten Portfolios ist das Mantra von vielen ETF-Investoren. Institutionellen Anlegern sehen dies anders. Hier steht oft der Vermögenserhalt oder die aktive Steuerung der Risiken im Vordergrund.

Kein Wunder also, warum das in ETF-Optionen investierte Volumen in den vergangenen Jahren Stück für Stück angestiegen ist. Nach Angaben des US-Vermögensverwalters BlackRock liegt das investierte Volumen bei ETF-Optionen in den USA bereits in einer Größenordnung von rund einer Billionen US-Dollar. Auch der europäische Markt für ETF-Optionen wächst, liegt allerdings mit rund 2,6 Milliarden US-Dollar auf einem deutlich niedrigeren Niveau.

Auch die Terminbörse Eurex bestätigt diesen Trend. „Wir sehen eine deutlich steigende Nachfrage nach ETF-Optionen. Die insgesamt gehandelten Kontrakte erreichten im dritten Quartal 2019 einen neuen Höchstwert von über 1,5 Millionen“, sagt Vassilis Vergotis, Global Head of Product Design and Strategy – Equity, Index and Digital Assets an Eurex.

In diesem Beitrag erläutern wir die Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten von ETF-Optionen.

Wie funktionieren Optionen?

Optionen sind bedingte Termingeschäfte. Der Käufer einer Kaufoption (Call) erwirbt das Recht, nicht aber die Verpflichtung, zum Zeitpunkt ihrer Fälligkeit einen bestimmten Basiswert (z.B. einen ETF) zum Basispreis zu erwerben. Durch den Kauf eines Calls lässt sich mit relativ geringem Kapitaleinsatz auf steigende Preise des Basiswertes setzen. Ein Put verbrieft dagegen das Recht, nicht aber die Verpflichtung, einen bestimmten Basiswert zu einem vorab festgelegten Preis zu verkaufen. Käufer von Puts spekulieren auf fallende Kurse des Basiswertes oder möchten eine bestehende Position gegen fallende Kurse absichern.

Welche Arten von Optionen gibt es?

Mit Optionen können Käufer und Verkäufer insgesamt vier unterschiedliche Positionen einnehmen. Die folgende Tabelle stellt diese Positionen dar. Im Folgenden erläutern wir die Optionspositionen im Detail.

 Käufer der OptionVerkäufer der Option
CallLong Call
- zahlt Optionsprämie
- besitzt Kaufrecht
Short Call
- erhält Optionsprämie
- Stillhalter in Wertpapieren
PutLong Put
- zahlt Optionsprämie
- besitzt Verkaufsrecht
Short Put
- erhält Optionsprämie
- Stillhalter in Geld

Long Call

Als Long Call wird der Kauf einer Kaufoption (Call) bezeichnet. Der Besitzer der Option hat das Recht, aber nicht die Verpflichtung, den Basiswert zu einem vorab festgelegten Preis (Basispreis) zu kaufen. Für dieses Recht zahlt der Käufer des Calls eine Optionsprämie an den Verkäufer der Option (Short-Call).

  • Strategie: Der Käufer eines Calls rechnet mit steigenden Kursen des Basiswertes.
  • Gewinnchance: Unbegrenzte Gewinnchance bei steigendem Basiswert.
  • Verlustrisiko: Verlust ist auf gezahlte Optionsprämie begrenzt.

Long Put

Als Long Put wird der Kauf einer Verkaufsoption (Put) bezeichnet. Der Besitzer der Option hat das Recht, nicht aber die Verpflichtung, den Basiswert zu einem vorab festgelegten Preis zu verkaufen. Für dieses Recht muss der Käufer des Puts eine Optionsprämie an den Verkäufer (Short-Put) zahlen.

  • Strategie: Der Käufer eines Puts rechnet mit sinkenden Kursen des Basiswertes.
  • Gewinnchance: Unbegrenzte Gewinnchance bei fallendem Basiswert.
  • Verlustrisiko: Verlust ist auf gezahlte Optionsprämie begrenzt.

Short Call

Als Short Call wird der Verkauf einer Kaufoption (Call) bezeichnet. Der Verkäufer ist der sogenannte Stillhalter der Option. Er hat damit die Verpflichtung, den Basiswert auf Verlangen des Call Besitzers zum Basispreis zu liefern. Dafür erhält er die Optionsprämie. Der Verkäufer eines Calls rechnet mit fallenden, stagnierenden oder maximal leicht steigenden Kursen.

  • Strategie: Der Verkäufer eines Calls rechnet mit fallenden/stagnierenden Kursen.
  • Gewinnchance: Erhaltene Optionsprämie ist maximaler Gewinn.
  • Verlustrisiko: Unbegrenzt bei steigendem Basiswert (sofern nicht gedeckt).

Short Put

Als Short Put wird der Verkauf einer Verkaufsoption (Put) bezeichnet. Der Verkäufer ist der Stillhalter der Option und hat die Verpflichtung, dem Käufer der Option den Basiswert auf dessen Verlangen hin zum Basispreis abzunehmen. Dafür erhält er die Optionsprämie. Der Verkäufer des Puts rechnet mit steigenden, stagnierenden oder maximal leicht fallenden Kursen.

  • Strategie: Der Verkäufer eines Puts rechnet mit steigenden/stagnierenden Kursen.
  • Gewinnchance: Erhaltene Optionsprämie ist maximaler Gewinn.
  • Verlustrisiko: Maximaler Verlust entsteht wenn Basiswert auf Null fällt.

Optionen vs. Optionsscheine – was ist der Unterschied?

Privatanleger kennen die Begriffe Call und Put in Zusammenhang mit Optionsscheinen. Diese Form von Optionen sind in der Grundkonstruktion auch sehr ähnlich. Beide beinhalten das zuvor beschriebene Recht zum Kauf- oder Verkauf eines Basiswerts. Davon abgesehen gibt es aber erhebliche Unterschiede. So werden Optionen an einer Terminbörse (z.B. Eurex) gehandelt, die Optionsmerkmale sind dabei standardisiert und verschiedene Market Maker sorgen für eine fortlaufende Preisstellung und die notwendige Liquidität der Optionen.

Optionssscheine werden hingegen von einer Investmentbank ausgegeben, die Konditionen werden von der jeweiligen Emissionsbank festgelegt und sie sind außerbörslich oder über bekannte Börsenplätze wie die Börse Stuttgart oder die Börse Frankfurt handelbar. Die Preisstellung erfolgt allerdings ausschließlich  von der Emissionsbank was eine gewisse Abhängigkeit gegenüber dieser darstellt. Ein weiterer Unterschied ist das Ausfallrisiko. Bei Optionen tritt die Optionsbörse (Eurex) als Kontrahent für den Kontrakt ein. Der Optionsschein ist eine Schuldverschreibung der Emissionsbank, geht diese Pleite (vgl. Lehman Brothers) können Anleger erhebliche Verluste erleiden. Mit einem Optionsschein kann zudem immer nur eine Long-Position eingegangen werden. D.h. es kann ein Call oder ein Put gekauft werden. Optionen bieten zudem die Möglichkeit auch eine Short-Position einzugehen. Ein Call kann also ge- oder verkauft werden, ebenso wie ein Put.

Wie setzt sich der Optionspreis zusammen?

Der Optionspreis setzt sich aus zwei Komponenten zusammen, dem inneren Wert und dem Zeitwert

Der innere Wert entspricht der Differenz zwischen dem Kurs des Basiswerts und dem Basispreis der Option. Eine Option hat nur dann einen inneren Wert, wenn der Kurs des Basiswerts über (Call) bzw. unter (Put) dem Basispreis der Option liegt.

Beispiel: Der Kurs des Basiswerts liegt bei 100 Euro. Die Call-Option hat einen Basispreis in Höhe von 80 Euro. Der innere Wert der Option liegt demnach bei 20 Euro.

Der Zeitwert einer Option stellt die Chance dar, dass die Erwartung des Käufers der Option während der verbleibenden Restlaufzeit der Option eintritt. Für diese Chance ist er bereit einen bestimmten Preis (Zeitwert) zu bezahlen. Der Zeitwert entspricht der Differenz zwischen dem Optionspreis und dem inneren Wert der Option. Der Zeitwert fällt umso stärker, je näher die Option an den Verfallstermin rückt. Am Laufzeitende ist die Option nur noch den inneren Wert wert.

Beispiel: Der Kurs des Basiswerts liegt bei 100 Euro. Die Call-Option kostet 35 Euro und hat einen Basispreis in Höhe von 80 Euro. Da der innere Wert der Option bei 20 Euro liegt, hat diese Option aktuell einen Zeitwert in Höhe von 15 Euro.

Welche Faktoren beeinflussen den Preis einer Option?

Der Preis einer Option lässt sich auf Basis verschiedener Parameter berechnen. Die wesentlichen Preiseinflussfaktoren von Optionen sind dabei:

Preisfaktor:Begründung:
Kurs des Basiswert:Den größten Einfluss auf den Optionspreis hat der Preis des Basiswertes. Jede Preisveränderung des Basiswertes spiegelt sich in einer Veränderung des Optionspreises wider. Das Ausmaß der Veränderung hängt vom Verhältnis zwischen Basispreis und Kurs des Underlyings sowie der Restlaufzeit ab.
Restlaufzeit:Je länger die Restlaufzeit, desto größer ist die Chance für den Käufer einer Option, dass sich seine Erwartungen hinsichtlich der Kursentwicklung des Basiswertes erfüllen. Umgekehrt wird das Risiko für den Optionsverkäufer durch eine abnehmende Laufzeit immer geringer. Der Zeitwert nimmt somit ab und damit der Optionspreis. Der abnehmende Zeitwert „arbeitet“ damit für den Optionsverkäufer und gegen den Besitzer der Option.
Volatilität:Bei ansonsten gleichen Bedingungen wird eine Option auf einen Basiswert mit hoher impliziter Volatilität grundsätzlich teurer sein als auf ein Underlying mit niedriger impliziter Volatilität. Ein Volatilitätsanstieg hat also immer steigende Optionspreise zur Folge.
Ausschüttung:Normale Ausschüttungen aus dem Basiswert, die während der Laufzeit der Option anfallen, entgehen dem Optionskäufer. Gleichzeitig gibt der Kurs am Ausschüttungstag aber entsprechend nach. Eine hohe Ausschüttung wird deshalb tendenziell den Preis einer Call-Option verringern. Bei einer Put-Option ist dieser Effekt umgekehrt.
Zinssatz:Im Normalfall ist das Halten des Basiswertes mit Kapitalkosten verbunden, die umso höher ausfallen, je höher das Zinsniveau ist. Diese Kosten werden durch den Erwerb eines Calls (Long-Call) gespart. Mit steigenden Zinsen nimmt deshalb der Wert einer Call-Option zu. Bei Puts verhält es sich in der Regel genau umgekehrt.

So wirkt eine Veränderung der Preisfaktoren auf den Optionspreis

ETF-Optionen Preisfaktoren
Diese Faktoren beeinflussen den Optionspreis von ETFs.

Warum ETF-Optionen einsetzen?

Optionen bieten Anlegern die Möglichkeit auf eine erwartete Bewegung nach oben oder nach unten zu spekulieren. In der einfachsten Form können hierfür Put- oder Call-Optionen verwendet werden, aber auch Kombinationen verschiedener Optionen und Basispreise sind denkbar. Die meisten Anleger verwenden Optionen allerdings um auf eine Bewegung des Basiswertes zu spekulieren. Es gibt aber auch Strategien, um Risiken abzusichern oder zusätzliche Erträge zu generieren.

Grund:Begründung:
Absicherung:Durch den Einsatz von Put-Optionen können sich ETF-Anleger gegen einen Kursrückgang absichern.
Zusatzerträge:Der Verkauf von ETF-Optionen bietet in Zeiten niedriger Marktrenditen und Zinsen Zusatzerträge.
Spekulation:Durch den Einsatz von ETF-Optionen kann die Markterwartung mit einem Hebel umgesetzt werden.

Wie funktionieren Optionen auf ETFs?

Gehandelt werden Optionen hierzulande über die Eurex, eine der größten Terminbörsen der Welt. Neben Optionen können an der Eurex auch Futures gehandelt werden.

ETF-Optionen werden nicht wie Aktien oder ETFs in Stück gehandelt sondern in Form von Kontrakten. Ein Kontrakt verbrieft dabei meist 100 ETF-Anteile (manche ETF-Optionen verbriefen 1.000 ETF-Anteile). Die genauen Kontraktspezifikationen für ETF-Optionen können auf der Website der Terminbörse Eurex entnommen werden.

Ein großer Vorteil von Optionen ist, dass die Spezifikationen der Kontrakte standardisiert sind. Es gibt also definierte Basispreise bzw. Basispreisstufen, Laufzeiten und Kontraktgrößen. Auch das Settlement und die Handelszeiten sind genau festgelegt und veröffentlicht. Bei Fälligkeit von ETF-Optionen müssen entsprechende ETFs geliefert werden. Darüber hinaus sorgen an der Eurex Market Maker mit verbindlichen Geld- und Briefkursen für entsprechende Liquidität der Optionen.

Auf welche ETFs werden ETF-Optionen angeboten?

Aktuell werden an der Eurex ETF-Optionen für 28 ETFs angeboten. Darunter 20 Aktien-ETFs, drei Anleihen-ETFs und fünf Rohstoff-ETFs. Neben ETFs auf bekannte Indizes wie den MSCI World, S&P 500, MSCI Emerging Markets oder MSCI Europe werden auch für ein paar Sektor-ETFs ETF-Optionen angeboten (siehe Tabelle).

ETF-OptionAnlageklasse ETF-OptionAnlageklasse
iShares Core DAX® UCITS (DE) Options (EXS1)AktieniShares EURO STOXX® Banks 30-15 UCITS (DE) Options (EXX1)Aktien
iShares Core EURO STOXX 50® UCITS Options (EUN2)AktieniShares European Property Yield UCITS Options (IPRP)Aktien
iShares Core MSCI Europe UCITS Options (IQQY)AktieniShares S&P 500 Energy UCITS Options (IUES)Aktien
Xtrackers MSCI Europe UCITS Options (DBXA)AktieniShares S&P 500 Financials UCITS Options (IUFS)Aktien
iShares STOXX® Europe 600 UCITS (DE) Options (EXSA)AktieniShares S&P 500 Health Care UCITS Options (IUHC)Aktien
iShares Core MSCI World UCITS Options (IWDA)AktieniShares S&P 500 IT UCITS Options (IUIT)Aktien
Xtrackers MSCI World Swap UCIT Options (DBXW)AktieniShares S&P 500 Utilities UCITS Options (IUUS)Aktien
iShares Core FTSE 100 UCITS Options (ISF)AktieniShares J.P. Morgan USD EM Bond UCITS Options (OEMB)Anleihen
iShares FTSE 250 UCITS Options (MIDD)AktieniShares USD Corporate Bond UCITS Options (OQDE)Anleihen
iShares MSCI Emerging Markets UCITS Options (IDEM)AktieniShares USD High Yield Corporate Bond UCITS Options (OHYU)Anleihen
Xtrackers MSCI Emerging Markets UCITS Options (DBX1)AktieniShares Physical Gold Options (IGLN)Rohstoffe
iShares SMI® (CH) Options (XMT)AktieniShares Physical Silver Options (ISLN)Rohstoffe
iShares Core S&P 500 UCITS Options (CSPX)AktienWisdomTree physical Gold Options (OPHA)Rohstoffe
iShares MSCI Brazil (DE) Options (4BRZ)AktienWisdomTree WTI Crude Oil Options (OCRU)Rohstoffe
Xtrackers MSCI World Swap UCIT Options (DBXW)AktienXetra-Gold® Options (OXGL)Rohstoffe
Quelle: Eurex, Stand: 24.10.2019

Anlagestrategien mit ETF-Optionen

Wie zuvor kurz beschreiben gibt es unzählige Möglichkeiten ETF-Optionen im Portfolio einzusetzen. Die bekanntesten Optionsstrategien erläutern wir im Folgenden.

Covered Call

Die Covered Call Strategie gehört zu den am häufigsten angewendeten Optionsstrategien. Mit einem Covered Call wird eine einfache und zielführende Optionsstrategie genutzt, um die Rendite des Portfolios erhöhen. Der Optionsanleger kann eine zusätzliche Rendite erzielen, indem er eine Call-Option schreibt (verkauft), deren Ausübungspreis über dem Kurs des Basiswertes (ETF) liegt. Da sich die ETFs im Besitz des Anlegers befinden, ist die geschriebene Call-Option gedeckt. Hierdurch erhält die Strategie auch ihren Namen. Wenn der Kurs des ETFs am Verfallsdatum über dem Ausübungspreis der geschriebenen Call-Option notiert, wird die Option ausgeübt und der Stillhalter muss die ETFs liefern. Der Anleger ist dazu verpflichtet, seine ETFs zum Ausübungspreis der geschriebenen Call-Option zu liefern. Dies ist normalerweise kein Problem, da der Anleger die ETFs in seinem Besitz hat. Diese ETFs werden jetzt an den Vertragspartner geliefert, der die Call-Option ausgeübt hat. Die erhaltene Prämie für die geschriebene Call-Option ist die zusätzliche Rendite des Anlegers.

Protective Put

Mit einer Protective Put Strategie deckt der Anleger das Risiko des Preisverfalls einer Portfolioposition ab. Er kauft eine Put-Option auf einen oder mehrere Werte, die er selbst im Portfolio hat. Für die Absicherung bezahlt er eine Prämie. Die bezahlte Optionsprämie ist vergleichbar mit der Prämie für eine Versicherung zur Deckung des Risikos. Der Verlust der Position ist auf die Differenz zwischen dem Kaufpreis der Aktien und dem Ausübungspreis der Put-Option sowie der bezahlten Optionsprämie begrenzt.

Butterfly

Bei einem Long Butterfly erwartet der Anleger, dass der Basiswert (ETF) beim Verfall der Option innerhalb einer bestimmten Bandbreite notiert. Je nach Markterwartung kann der Butterfly auf eine Bewegung des Basiswertes nach oben, unten oder seitwärts ausgerichtet werden. Ein Butterfly besteht immer aus vier Optionen mit unterschiedlichen Ausübungspreisen aber der gleichen Laufzeit.

Straddle

Bei einem Straddle setzt der Anleger auf einen Anstieg der impliziten Volatilität oder auf eine große Auf- bzw. Abwärtsbewegung des Basiswertes (ETF). Dazu kauft er Put- und Call-Optionen mit dem gleichen Ausübungspreis und Verfallsdatum. Die bezahlte Prämie entspricht dem maximalen Verlust am Verfallstermin. Die Gewinnchange ist dabei theoretisch unbegrenzt. 

Strangle

Ein Strangle hat viele Gemeinsamkeiten mit einem Straddle. Auch hier wird auf einen Anstieg der impliziten Volatilität oder eine Bewegung des Basiswerts (ETF) gesetzt. Beim Kauf eines Strangle werden gleichzeitig Put- und Call-Optionen mit dem gleichen Verfallstermin gekauft. Der Unterschied zum Straddle liegt darin, das die Ausübungspreise der Optionen nicht identisch sind, zudem sind beide Optionen aus dem Geld. Dies steht im Gegensatz zum Straddle, bei dem beide Optionen am Geld sind. Die Investitionskosten eines Strangle sind deshalb geringer. Um einen Gewinn zu erzielen muss die Bewegung des Basiswert aber größer sein als beim Straddle.

Exkurs: Volatilität

Beim Handel von Optionen spielt die Volatilität eine wichtige Rolle. Volatilität ist ein Maß für die Schwankungsbreite und -intensität eines Basiswertes (z. B. eines ETFs). Unterschieden wird dabei zwischen historischer und impliziter Volatilität. Die historische Volatilität gibt an, wie stark sich die Renditen Basiswert in einem zurückliegenden Betrachtungszeitraum bewegt haben. Für den Preis einer Option ist allerdings die für die Zukunft erwartete Volatilität (implizite Volatilität) relevant. Diese wird aus dem Preis der derzeit gehandelten Optionen abgeleitet. Hohe Werte signalisieren eine nervöse Stimmung an den Märkten. Je höher die Volatilität ist, desto teurer werden Call- und Put-Optionen. Für den Verkäufer einer Option ist dies gut, denn die Prämieneinnahme wird dadurch erhöht. Der Käufer einer Option muss im Gegenzug mehr für das Recht bzw. die Versicherung bezahlen.

Risiken von ETF-Optionen

Optionsgeschäfte können für Anleger, je nach eingegangener Position, hohe Verlustrisiken bedeuten. Zum Schutz der Anleger ist für den Handel von Optionen deshalb eine Finanztermingeschäftsfähigkeit (Zulassung zum Handel mit Finanztermingeschäften) notwendig. Sollen auch Stillhalterpositionen eingegangen werden, müssen Anleger zudem umfangreiche Sicherheitsleistungen (Margin) stellen.

Bevor Anleger in den Handel von Optionen einsteigen, sollten sie sich daher ausführlich über die Chancen und Risiken dieser Wertpapiere informieren. Es bietet sich zudem an zunächst mit geringen Beträgen erste Erfahrungen zu sammeln.

Bei Short-Positionen ist besondere Vorsicht geboten, denn hier besteht bei ungedeckten Geschäften ein unbegrenztes Verlustrisiko.

Welche Direktbanken bieten ETF-Optionen an?

Optionen können nur über bestimmte Banken gehandelt werden. Die Bank braucht dazu eine Anbindung an die Terminbörse Eurex. Von den bekannten Direktbanken bieten die Comdirect, Consorsbank, Degiro, Onvista Bank und der Lynxbroker den Handel an der Eurex an. Neben ETF-Optionen können dort zudem Optionen auf Indizes, Aktien und Futures gehandelt werden.

Die Gebühren für den Handel von ETF-Optionen unterscheiden sich allerdings deutlich (siehe Tabelle). Zudem sollten Anleger auch die Gebühren bei Ausübung einer Option im Blick behalten. Meist wird dabei eine Gebühr analog eines Wertpapierkaufs in Rechnung gestellt. Es kann also deutlich günstiger sein die Optionen vor Fälligkeit einfach zu verkaufen.

Welche Kosten entstehen beim Handel von ETF-Optionen?

Kostenbeispiel Optionshandel: Ein Anleger kauft 10 Kontrakte der iShares Core MSCI World UCITS Options (IWDA) mit einem Basispreis von 55 Euro, Laufzeit Dezember 2019. Der Optionspreis liegt bei 4,19 Euro. Der Kurs des ETFs liegt bei 53,21 Euro. 1 Kontrakt = 100 ETF-Anteile.
BankKosten OptionshandelKosten OptionsausübungKostenbeispiel* 
Comdirect4,50 Euro (mind. 19,00 Euro) 4,90 Euro + 0,25 % des Ordervolumens (mind. 9,90 Euro, max. 59,90 Euro)45,00 EuroJetzt Depot eröffnen
Consorsbank12,25 Euro + 0,50 % auf die Optionsprämie in Euro (mind. 7,25 Euro)17,50 Euro (pro Serie)33,20 EuroJetzt Depot eröffnen
Lynxbroker2,00 Euro pro KontraktGratis20,00 EuroJetzt Depot eröffnen
Degiro0,90 Euro pro Kontrakt1,00 Euro pro Kontrakt9,00 EuroJetzt Depot eröffnen
Onvista Bank1,50 Euro pro Kontrakt (mind. 12,50 Euro)3,00 Euro pro Kontrakt (mind. 12,50 Euro)15,00 EuroJetzt Depot eröffnen
Quelle: extraETF.com, Stand: 24.10.2019 * Kosten der Bank zzgl. EUREX Kosten.

Fazit

Für informierte Anleger stellen ETF-Optionen eine Bereicherung für die Anlagestrategie dar. Neben der Möglichkeit zur Absicherung eines Portfolios oder zur Renditesteigerung dürfen die entstehenden Risiken aber nicht außer Acht gelassen werden. Eine ausführliche Beschäftigung mit der Materie Derivate ist angeraten.

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