Investieren wie Ray Dalios Allwetter-Portfolio

Scheint die Sonne über die Börsenplätze, ist nahezu jedes einigermaßen vernünftige Portfolio im Plus. Doch wehe es ziehen erste Wolken auf und Stürme breiten sich aus. Das Allwetter-Portfolio von Ray Dalio könnte dem trotzen. Die Allwetter-Strategie ist passiv und war das Ergebnis langjähriger Studien und der Suche nach dem besten Portfolio für alle Marktphasen.

In diesem Beitrag stellen wir dar, wie jeder Anleger mit ETFs das Allwetter-Portfolio von Ray Dalio nachbauen kann.

Wer ist Ray Dalio?

Ray Dalio ist ein US-amerikanischer Unternehmer, Hedgefonds-Manager und Philanthrop. Mit einem geschätzten Vermögen von rund 18,4 Milliarden US-Dollar führt ihn Forbes in der Liste der reichsten Menschen der Welt auf Platz 57. Er ist Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater Associates.

Mit seinem Pure Alpha Fonds hat er seit dessen Auflage in den 1970er Jahren einen Gewinn von erstaunlichen 45 Milliarden US-Dollar erzielt – einer branchenweit anerkannten Auswertung zufolge ist dieser damit der beste Hedgefonds aller Zeiten. Seine Worte finden bei Investoren weltweit Gehör und so ist es kein Wunder, dass er als eine der 100 einflussreichsten Personen geführt wird.

2011 ist Dalio als CEO von Bridgewater zurückgetreten, hält aber weiterhin eine Funktion als Mentor inne. Außerdem wurde bekannt, dass Dalio die Struktur seines Fonds ändern will, um Mitarbeitern mehr Mitspracherechte bei wichtigen geschäftspolitischen Entscheidungen zu ermöglichen.

Nach dem Rückzug aus den operativen Geschäften widmet er sich mittlerweile auch mehr wohltätigen Zwecken. Er schloss sich unter anderem der von Bill Gates und Warren Buffett gegründeten Kampagne „The Giving Pledge“ an, die wohlhabende Personen dazu animiert, einen Teil ihres Vermögens zu spenden. Heute lebt er mit seiner Familie in Greenwich, Connecticut.

Warum gibt es das Ray Dalio Allwetter-Portfolio?

Ray Dalio hat in den 1990er Jahren ein Portfolio entwickelt. Der Clou: Das Portfolio soll Wind und Sturm, also gute und schlechte Börsenzeiten, gut durchstehen können. Es muss also ein Allwetter-Portfolio her, dachte sich Ray Dalio.

Das Konzept soll Dalio eigenen Aussagen zufolge zunächst für seine eigene Familienstiftung aufgesetzt haben, um das Kapital möglichst risikoarm und gleichzeitig mit guter Renditeentwicklung anzulegen.

Seit 1996 wird die Strategie im „All Weather Fund“ von Bridgewater Associates auch für Kunden umgesetzt. Das Ziel ist dabei klar: Das Portfolio soll derart ausgewogen sein, dass zu keiner Marktphase große Rückschläge zu verkraften sein sollen.

Tipp: Sie möchten wissen, wie genau ETFs funktionieren? In unserem Beitrag „Was ist ein ETF?“ haben wir das im Detail beschrieben.

Wie sieht das Allwetter-Portfolio aus?

Es stellt sich also die Frage, wie sieht das Portfolio aus und wie können es Privatanleger nachbauen. Als sich Ray Dalio in den 1990er Jahren Gedanken über die aus seiner Sicht optimale Geldanlage machte, tat er das sehr stark aus der US-amerikanischen Brille.

Anleihenquote

Mit 55 Prozent nehmen US-Staatsanleihen den größten Anteil am Allwetter-Portfolio ein. Diese teilen sich zu 40 Prozent in 30-jährige US-Staatsanleihen und zu 15 Prozent in zehnjährigen US-Staatsanleihen auf. Diese Anlagen bilden das solide Fundament im Allwetter-Portfolio.

Aktienquote

Für Schwung soll in guten Zeiten der Aktienanteil sorgen. Dieser schlägt mit insgesamt 30 Prozent im Portfolio zu Buche. Mit 18 Prozent liegt hier der Hauptschwerpunkt auf dem US-amerikanischen Standardindex S&P 500. Weitere drei Prozent wandern in die USA in Form von Small Caps, also kleineren Unternehmen. Anderen entwickelten Märkten weist Dalio ein Gewicht von sechs Prozent zu. Hier rät er zu einem Investment in den MSCI EAFE Index, der Industriestaaten ohne USA und Kanada abbildet. Da es dazu keinen ETF gibt haben wir dies näherungsweise mit vier Prozent für Europa und zwei Prozent für Asien umgesetzt. Auch Schwellenländer sind mit drei Prozent lediglich eine Randnotiz.

Rohstoffquote

Auch Rohstoffe werden zu 15 Prozent im Allwetter-Portfolio eingesetzt. Diese bieten Vorteile bei der Risikoreduktion durch eine gesteigerte Diversifikation. Zum Einsatz kommen Anlagen in Gold und weitere, breit gestreute Rohstoffe. Gewichtet werden diese mit je 7,5 Prozent.

Allokation des Ray Dalio Allwetter-Portfolios

US-Aktien bilden den Schwerpunkt des Allwetter-Portfolios. Nur 9 Prozent des Portfolios ist in ausländische Märkte investiert. US-Anleihen machen mit 55 Prozent den größten Teil im Portfolio aus.
AnlageklasseGewichtung
Anleihen
US-Staatsanleihen (30 Jahre)40 %
US-Staatsanleihen (10 Jahre)15 %
Aktien
USA (Large-Caps)18 %
USA (Small-Caps)3 %
Europa4 %
Asien2 %
Schwellenländer3 %
Rohstoffe
Gold7,5 %
Rohstoffe (gestreut)7,5 %

Welche Renditen sind mit Allwetter-Portfolio möglich?

Die Strategie lässt sich weit vor das Jahr 1996 zurückrechnen. Und die Zahlen sprechen für sich. US-Bestsellerautor Tony Robbins rechnet vor: In der Zeitspanne von 1984 bis 2013 steht ein Plus von durchschnittlich 9,7 Prozent pro Jahr. 86 Prozent dieser Zeitspanne waren positiv für Anleger. Sind Verlustjahre angefallen, lagen diese im Schnitt bei 1,9 Prozent. Im schlechtesten Fall erhöhte sich der Verlust auf 3,9 Prozent. Die Volatilität betrug über den Gesamtzeitraum 7,6 Prozent.

Auch der Buchautor und US-Blogger Ben Carlson (A Wealth of Common Sense) kommt auf ähnliche Ergebnisse. So zeigen seine Analysen für den Zeitraum von 1972 bis 2013 ganz ähnliche Werte. Im Schnitt waren hier 9,5 Prozent im Jahr zu holen, bei einer Schwankungsbreite von 7,9 Prozent. Der größte Verlust belief sich auf 4,2 Prozent.

Ben Carlson hat den Rückspiegel noch weiter verstellt. Auch hier kommen bemerkenswerte Daten heraus. In der Rückschau von 1928 bis 2013 steht immerhin ein Jahresgewinn von 7,2 Prozent. Und das obwohl der Anfang dieser Periode gleich vom größten Börsenkrach in der Geschichte heimgesucht wurde. 82,6 Prozent dieses Zeitfensters hätten Anleger auf eine erfreuliche Entwicklung blicken können. Im schlimmsten Fall stand ein Jahresminus von 17,5 Prozent. Bei dieser Rückrechnung sei allerdings erwähnt, dass sie nur näherungsweise erfolgte, da Gold und Rohstoffe hier nicht enthalten waren. Denn diese Anlageklassen waren damals nicht so ohne weiteres investierbar.

Eine mit ETFs umgesetzte Berechnung von extraETF.com zeigt, dass die Strategie auch in der jüngeren Vergangenheit funktioniert. So erwirtschaftete das ETF-Musterportfolio „Allwetter-Portfolio von Ray Dalio“ im 5-Jahres-Zeitraum 06.06.2014 – 06.06.2019 nach Kosten der eingesetzten ETFs eine Rendite von 37,89 % bzw. 6,6 Prozent pro Jahr. Diese Rendite liegt nur unwesentlich unter der langfristigen Rendite des Allwetter-Portfolios.

Renditevergleich des Allwetter-Portfolios

Finanzportale/Blogger haben die Allwetter-Strategie zurückgerechnet und kommen trotz unterschiedlicher Zeiträume zu recht ähnlichen Rendite-Ergebnissen. In der jüngsten Vergangenheit sind die Renditen allerdings etwas gesunken. Grund dafür könnte das niedrige Zinsniveau sein.
Berechnung von:Zeitraum:Rendite:
Tony Robbins1984 - 20139,7 % p.a.
Ben Carlson1972 - 20139,5 % p.a.
Ben Carlson1928 - 20137,2 % p.a.
extraETF.com2014 - 20196,6 % p.a.
Quelle: extraETF.com, eigene Recherchen

Mit welchen ETFs kann das Allwetter-Portfolio umgesetzt werden?

ETF-Vorschläge für die Anleihenquote (55 Prozent)

Ray Dalio setzt hier auf US-Staatsanleihen mit dem Laufzeiten 10- und 30 Jahre.

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartFondsvolumen in Mio. €
iShares $ Treasury Bond 20+yr UCITS ETF0,07JaPhysisch595
iShares VII PLC - iShares $ Treasury Bond 7-10yr UCITS ETF USD (Acc)0,07NeinPhysisch259

ETF-Vorschläge für die Aktienquote (30 Prozent)

Der Bereich Aktien kann mit verschiedenen ETFs umgesetzt werden. Schwerpunkt liegt ebenfalls auf Aktien der USA. Internationale Märkte werden mit 9 Prozent im Portfolio gewichtet.

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartFondsvolumen in Mio. €
iShares VII PLC - iShares Core S&P 500 UCITS ETF0,07NeinPhysisch28.558
Vanguard S&P 500 UCITS ETF0,07JaPhysisch19.997
iShares VII PLC - iShares MSCI USA Small Cap UCITS ETF USD (Acc)0,43NeinPhysisch415
iShares STOXX Europe 600 UCITS ETF (DE)0,20JaPhysisch5.762
Vanguard FTSE Developed Europe UCITS ETF0,12JaPhysisch1.725
ComStage MSCI Pacific TRN UCITS ETF0,45JaSynthetisch202
iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF0,18NeinPhysisch10.828
Vanguard FTSE Emerging Markets UCITS ETF0,25JaPhysisch1.669

ETF-Vorschläge für die Rohstoffquote (15 Prozent)

Rohstoffe werden über Gold und breit diversifiziert abgedeckt. Anleger aus Deutschland müssen für Gold auf Gold-ETCs wie Xetra-Gold zurückgreifen.

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartFondsvolumen in Mio. €
Xetra-Gold0,00Nein8.621
ETFS Physical Gold0,39NeinPhysisch7.208
Market Access Rogers International Commodity Index UCITS ETF0,70NeinSynthetisch33
ComStage Commerzbank Commodity ex-Agriculture EW Index TR UCITS ETF0,30JaSynthetisch342

Musterportfolio: Allwetter-Portfolio von Ray Dalio mit ETFs

Wie das Allwetter-Portfolio von Ray Dalio konkret mit ETFs nachgebaut werden kann, zeigt unser ETF-Musterportfolio. Dort nutzen wir insgesamt acht ETFs und einen ETC um die Anlagestrategie nachzubauen.

Die Kostenquote dieses ETF-Portfolios liegt bei 0,14 Prozent. Das Portfolio erwirtschaftet eine jährliche Ausschüttungsrendite von rund 1,3 Prozent (Stand: 06. Juni 2019).

Hier können Sie sich das ETF-Musterportfolio „Allwetter-Portfolio von Ray Dalio“ ansehen.

Kritikpunkte am Allwetter-Portfolio

Keine Frage: Das Chance-Risiko-Verhältnis der vergangenen Jahrzehnte ist beeindruckend. Man sollte aber nicht vergessen, dass gerade in den 1970er- und 1980er-Jahren die Renditen für Staatsanleihen noch wesentlich höher waren – zumindest nominal. Diese Zeiten sind längst vorbei. Es fällt damit eher schwer zu glauben, dass ein Portfolio mit einem Anleihenanteil von 55 Prozent auch in Zukunft jährlich im Schnitt knapp zehn Prozent Rendite einfahren kann.

Ebenfalls kritisch zu sehen ist der hohe Anteil der Vereinigten Staaten. Zwar ist das der weltweit größte Kapitalmarkt, dennoch ist das Land deutlich überproportional vertreten. Alle anderen großen Wirtschaftsräume stellen nur unwesentliche Beimischungen dar. Ebenso bleiben die Chancen der Schwellenländer weitestgehend ungenutzt.

Fazit zum Allwetter-Portfolio

In den vergangenen Jahrzehnten hätten Anleger mit dem Allwetter-Portfolio von Ray Dalio eine ansehnliche Rendite erwirtschaftet, ohne dabei nervös werden zu müssen. In den meisten Jahren stand ein Plus und in den negativen Jahren fielen die Verluste meist nicht stark ins Gewicht. Kritisch zu sehen ist allerdings der extrem hohe Anteil der USA. Das erscheint nicht ausgewogen.

Eine gute Alternative mit einem global diversifizierten Ansatz ist die Anlagestrategie des norwegischen Staatsfonds. Diese haben wir ebenfalls in einem ausführlichen Artikel beschrieben.

Tipp: Bei Direktbanken können ETFs zu besonders günstigen Konditionen gehandelt werden. In unserem Broker-Vergleich haben wir die Konditionen der Banken zum Handel von ETFs gegenübergestellt und miteinander verglichen. Jetzt den Broker-Vergleich lesen!