Der Sparerpauschbetrag – Steuern sparen leicht gemacht

Seit Januar 2018 hat sich durch das neue Investmentsteuergesetz vieles geändert, was die Besteuerung von Investmentfonds und ETFs anbelangt. Der Sparerpauschbetrag hat sich dabei allerdings nicht verändert. Er stellt eine der wenigen Möglichkeiten dar, wie Anleger Steuern sparen können – und zwar Singles bis zu 801 Euro bzw. Verheiratete bis zu 1602 Euro im Jahr. Daher ist der Sparerpauschbetrag für einen langfristigen Vermögensaufbau und vor allem für Kleinanleger von großer Bedeutung. 

Wir klären in diesem Beitrag, worauf es zu achten gilt, um den Steuerpauschbetrag Jahr für Jahr optimal zu nutzen.

Wie den Sparerpauschbetrag nutzen?

Der Sparerpauschbetrag markiert die Grenze von Kapitalerträgen, bis zu der man keine Steuern entrichten muss. Für Alleinstehende beläuft sich der Betrag auf 801 Euro, für verheiratete Paare bzw. gemeinsam veranlagte Personen auf 1.602 Euro. Dieser Betrag kann jedes Jahr steuerlich geltend gemacht werden. Dazu müssen Anleger lediglich einen Freistellungsauftrag bei ihrer depotführenden Bank hinterlegen.

Besitzen Anleger mehrere Depots, kann es durchaus Sinn machen, den Freistellungsauftrag auf verschiedene Banken zu verteilen. Welche Aufteilung dabei sinnvoll ist, hängt logischerweise damit zusammen, welche Wertpapiere man mit Gewinn veräußern möchte oder auch damit, ob Ausschüttungen stattfinden.

Mal angenommen man besitzt einen ausschüttenden ETF, der jährlich 600 Euro ausschüttet, dann kassiert man diese steuerfrei und kann die verbleibenden 201 Euro immer noch an andere Stelle – für andere Kapitalerträge – geltend machen.

Steuerpauschbetrag bei ausschüttenden ETFs

Das große Plus bei ausschüttenden ETFs besteht darin, dass jährliche Erträge, wenn sie unter dem Sparerpauschbetrag liegen, steuerfrei „kassiert” werden können.

Wenn der Anleger die jährlichen Ausschüttungen dann in seinen ETF reinvestiert muss er diese Gelder nicht wieder versteuern, denn sie wurden ja bereits versteuert. Denn Gewinne, auf die der Freistellungsbetrag geltend gemacht wurde, sind steuerlich abgegolten. Die Sache hat nur einen Haken: Die Wiederanlage ausgeschütteter Erträge kann Transaktionskosten verursachen, da die wenigsten Banken diesen Service kostenlos anbieten. So kann die erhoffte Steuerersparnis schnell von den zusätzlichen Gebühren „aufgefressen” werden.

Will man mit der Ausschüttung dagegen nur den eigenen Geldbeutel aufstocken, kann man jährlich bis zu 801 Euro (bzw. 1602 Euro) mitnehmen – und das steuerfrei.

So viel können Anleger steuerfrei anlegen

Aus der folgenden Tabelle können Sie entnehmen, welchen Anlagebetrag Sie bei einer angenommenen Rendite (Ausschüttungsrendite) steuerfrei anlegen können. 

Ein Single mit einem Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro kann bei einer Ausschüttungsrendite von 3 Prozent demnach 26.700 Euro steuerfrei anlegen. Bei Paaren verdoppelt sich dieser Betrag auf 53.400 Euro.

 FreibetragRendite 1 % p.a.Rendite 2 % p.a.Rendite 3 % p.a.Rendite 4 % p.a.Rendite 5 % p.a.
Singles801 Euro80.100 Euro40.050 Euro26.700 Euro20.025 Euro16.020 Euro
Paare1.602 Euro160.200 Euro80.100 Euro53.400 Euro40.050 Euro32.040 Euro
Tipp: Nutzen Sie unseren ETF-Steuerrechner, um verschiedene Szenarien der Besteuerung von Investmentfonds bzw. ETFs durchzuspielen.

Zu bedenken bleibt Folgendes: Wenn die Ausschüttungen nicht reinvestiert werden, geht das Geld vom Depotbestand ab und mindert die Rendite. Ausnahme: Sie finden eine Bank, die Ihre Ausschüttungen kostenlos reinvestiert – und zwar dauerhaft. Ansonsten kann die Steuerersparnis aufgrund der Gebühren hinfällig werden. Solche Einzelheiten klärt man am besten mit einem Steuerberater.

Steuerpauschbetrag bei thesaurierenden ETFs 

Grundsätzlich werden seit dem Investmentsteuergesetz 2018 beide Arten der Ertragsverwendung steuerlich gleich behandelt. Während man bei ausschüttenden ETFs i.d.R. nur die Ausschüttungen versteuert, wird bei thesaurierenden ETFs jährlich die Vorabpauschale von der depotführenden Bank an das Finanzamt abgeführt. Und auch wenn die jährliche Steuerzahlung in Form der Vorabpauschale erst einmal eine Belastung darstellt, gilt zu beachten. Der Depotwert muss im sechsstelligen Bereich liegen, damit der Freibetrag die Vorabpauschale nicht mehr vollständig abdeckt.

Wenn der Steuerpauschbetrag die Vorabpauschale nicht auffangen kann, oder bereits an anderer Stelle geltend gemacht wurde, müssen Anleger ausreichend Geld auf ihrem Konto hinterlegt haben, sonst droht eine Meldung beim Finanzamt.

Wenn man aber von Kauf bis Verkauf rechnet, im Idealfall 15 Jahre und mehr, kann der Zinseszins bei thesaurierenden ETFs (durch die Steuerstundung) maximiert werden, da keine Gelder abfließen. Anleger, die die finale Steuerzahlung lieber hinauszögern möchten, sind mit einem thesaurierenden ETF also gut beraten.

Hinweis: Die Vorabpauschale entfällt nicht generell bei ausschüttenden ETFs. Die Vorabpauschale beträgt bei ausschüttenden ETFs nur häufig den Wert Null und zwar aus folgendem Grund: Der Basisertrag, der die Berechnungsgrundlage der Vorabpauschale darstellt, wird mit der Ausschüttung verrechnet. Wenn die Ausschüttung größer ist als der Basisertrag, und das ist in den meisten Fällen der Fall, ist die Vorabpauschale gleich Null, da die Differenz nicht negativ sein darf. Nur wenn die Differenz zwischen Basisiertrag und Ausschüttung einen positiven Wert annimmt, so muss diese versteuert werden. Für ein anschauliches Beispiel nutzen Sie am besten unserer ETF-Steuerrechner.

Wie und wann den Freistellungsauftrag einrichten?

In der Theorie können Anleger ihren Freistellungsauftrag bis zum letzten Werktag des laufenden Jahres bei ihrer depotführenden Bank einrichten. In der Praxis verlangen viele Geldhäuser, aufgrund des bürokratischen Aufwands, dass Anleger dies bis spätestens Mitte Dezember tun. Da rückwirkende Anträge nicht wirksam sind und der Freibetrag dann nicht mehr geltend gemacht werden kann, sollten Anleger es also nicht auf die lange Bank schieben und idealerweise spätestens bis Anfang Dezember aktiv werden, um auf der sicheren Seite zu sein.

Der Prozess selbst ist kinderleicht. Entweder Anleger richten ihren Freistellungsauftrag online ein oder sie rufen kurz an und hinterlegen ihre Steueridentifikationsnummer, die die Bank zum Abwickeln der Steuer benötigt. Ist der Freistellungsauftrag einmal fristgerecht eingegangen, so gilt er auch für die folgenden Jahre weiter – es sei denn Anleger ändern den Betrag oder widerrufen.

Tipp: Wenn Sie ihr Depot auflösen, müssen Sie ihren Freistellungsauftrag separat kündigen, sonst bleibt er (ungenutzt) bestehen.

Worauf müssen Anleger beim Sparerpauschbetrag besonders achten?

Aufteilen nicht vergessen: Der Sparerpauschbetrag gilt für alle Kapitalerträge, also nicht nur für Veräußerungsgewinne oder Ausschüttungen bei ETFs, sondern für Dividendenzahlungen aus einzelnen Aktien oder Zinszahlungen aus einem Tagesgeldkonto. Deshalb kann es unter Umständen sehr wichtig sein, dass Anleger die 801 Euro (bzw. 1602) auf verschiedene Banken aufteilen.

Richtig rechnen: Anleger müssen dabei allerdings selbst im Blick behalten, dass sie über die verteilten Freistellungsaufträge in Summe nicht den erlaubten Sparerpauschbetrag überschreiten. Sonst gibt es Probleme mit dem Finanzamt und bei „Wiederholungstätern” könnte auch ein Ordnungsgeld verhängt werden.

Auch für Kinder nutzen: Auch Kinder haben Anspruch auf den Sparerpauschbetrag. Die Aktien oder ETFs müssen dabei aber auf den Namen des Kindes angelegt sein, sodass das Vermögen nicht ohne Weiteres an die Eltern überführt werden kann. Die optimale Geldanlage für Kinder haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst.

Jährlich nutzen: Der Sparerpauschbetrag kann jedes Jahr geltend gemacht werden. Im Idealfall zahlen ETF-Anleger keine Vorabpauschale oder kassieren ihre Ausschüttungen steuerfrei, indem sie ihren Freistellungsauftrag rechtzeitig bei der depotführenden Bank hinterlegen. Zudem sollte auch überlegt werden ob man zum Jahresende nicht anteilige Kursgewinne realisiert, um so den Sparerpauschbetrag optimal auszunutzen.

Zurücklehnen: Die Bank kümmert sich automatisch um die Abwicklung der Steuer und Anleger müssen nicht selbst aktiv werden.

Keine Steuer bei niedrigem Einkommen

Übrigens: Anleger, die mit Ihrem gesamten Einkünften unter den jeweils aktuellen Grundfreibetrag liegen, können sich grundsätzlich von der Abgeltungssteuer befreien lassen. Dazu kann man beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen. Der Grundfreibetrag liegt 2020 bei 9.408 Euro für Singles und 18.816 Euro bei Verheirateten. Einkommen, egal ob aus Kapitalvermögen oder anderen Einkommensquellen, die unter diesem Freibetrag liegen können damit steuerfrei eingenommen werden.

Wenn Sie mehr über den Steuerprozess bei ETFs erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen unseren Beitrag zur Investmentsteuerreform 2018.