Wie sicher sind digitale Vermögensverwalter?

Bei der Geldanlage sind die Deutschen vorsichtig. Investmentfonds oder Aktien liegen meist bei der Hausbank im Depot, seit einigen Jahren auch bei der Direktbank des Vertrauens.

Die moderne Version kostengünstig und fast ohne Aufwand Geld anzulegen, hört auf die Bezeichnung „digitale Vermögensverwaltung“, oft ist auch von Robo-Advisors die Rede. Doch wie sicher sind diese relativ jungen Dienste, zumal erst vor wenigen Wochen die digitalen Vermögensverwalter Werthstein und Prospery ihren Betrieb einstellen mussten?

Was passiert wenn ein Robo-Advisor pleite geht?

Trotz der vielen Vorteile von digitalen Vermögensverwaltern. Die Sorge, die über allem schwebt: Was, wenn der Robo-Advisor pleite geht? Ist mein Geld futsch? Nein.

Auch bei einer Insolvenz müssen sich die Kunden von seriösen Robo-Advisors keine Sorgen machen. Das gilt auch für Werthstein-Kunden. „Robo-Advisors agieren in den meisten Fällen als unabhängiger Vermögensverwalter. Die eigentlichen Vermögenswerte der Kunden liegen nicht direkt dort, sondern bei einer Bank, bei der dann auch das Depot hinterlegt ist,“ sagt Sebastian Hasenack, Vertriebsleiter der Online-Vermögensverwaltung von Solidvest.

Das Depot wiederum setzt sich aus den Vorgaben des Vermögensverwalters zusammen. So fließt das Geld in unterschiedliche Wertpapiere. Investiert der Robo-Advisor das Geld ganz überwiegend in Wertpapiere, wie es bei den meisten der Fall ist, können Anleger völlig unbesorgt sein: Die Wertpapiere in den Kundendepots sind rechtlich gesehen Sondervermögen, das vom Vermögen des Verwalters oder der Bank unabhängig aufbewahrt ist.

Das bedeutet, dass die Wertpapiere auch im Insolvenzfall vollumfänglich dem Kunden gehören und nicht in die Insolvenzmasse einfließen.

Die Verrechnungskonten und Kundendepots werden in der Regel nicht beim digitalen Vermögensverwalter selbst geführt, sondern bei einer Partnerbank. „Für das Vermögen des Kunden ist mit Trennung von Vermögensverwaltung und -verwahrung darüber hinaus das Risiko weiter minimiert“, fährt Hasenack fort.

Wie erkennt man unseriöse Anbieter?

Hier gilt der gesunde Menschenverstand: Kommt Ihnen eine Geschäftspraktik seltsam vor, lassen Sie die Finger davon. Es handelt sich dann möglicherweise um einen unseriösen Anbieter.

Ein erstes wichtiges Indiz, woran Anleger das erkennen können, ist die Frage, wohin sie ihr Geld überweisen sollen. „Seriöse Anbieter werden den Kunden niemals dazu auffordern, das Geld auf das Geschäftskonto des Unternehmens oder gar auf das Privatkonto des Geschäftsführers zu überweisen“, sagt Christian Schneider-Sickert, Geschäftsführer des digitalen Vermögensverwalters Liqid.

„Der richtige Weg ist es stattdessen, ein Referenzkonto für den Kunden zu eröffnen, von dem alle Ein- und Auszahlungen abgewickelt werden, damit die Sicherheit der Zahlungsströme gewährleistet ist. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass das Geld des Kunden vor dem Zugriff durch Dritte geschützt ist“, erklärt Schneider-Sickert.

Ebenso gilt es vorsichtig zu sein, wenn ein Anbieter horrende Renditen verspricht und Risiken dabei ausblendet. Übertrieben hohe Kosten sind auch ein Grund, einen Anbieter zu meiden, schließlich sollen Verbraucher auch etwas von den Kostenvorteilen der Digitalisierung haben.

Achten Sie auf die unterschiedlichen Lizenzen

Es gibt allerdings auch Robo-Advisors, die das Geld der Kunden nicht selbst investieren, sondern lediglich als Anlagevermittler auftreten. „Hier sollte der Kunde aber erst recht stutzig werden, wenn der Vermittler ihn dazu auffordert, ihm das Geld, das er anlegen möchte, direkt zu überweisen“, warnt Liqid-Chef Schneider-Sickert.

Nur Anbieter mit einer Lizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) zur Finanzportfolioverwaltung können für Privatkunden als Vermögensverwaltung tätig sein. Dies bedeutet auch, dass die Vermögensverwaltung anhand des vereinbarten Vermögensverwaltungsvertrages Transaktionen eigenständig durchführen darf, um das Depot nach den vorgegebenen Kundenwünschen zu überwachen – und bei Bedarf anzupassen.

Anbieter, die als Vermittler auftreten, sind aber nicht zwangsläufig unseriös. Für Anleger, die sich regelmäßige Anpassungen an die Marktgegebenheiten wünschen, sind sie jedoch ungeeignet. Wer allerdings die anfangs gewählte Allokation beibehalten möchte, für den kann ein seriöser Finanzanlagevermittler völlig ausreichend sein.

Wie finde ich einen guten Robo-Advisor?

Dazu meint Hasenack: „Unterm Strich sind zwei Punkte bei der Wahl eines Robo-Advisors von Bedeutung. Zum einen der Track-Record (die Erfolgsbilanz), also wie sich der Vermögensverwalter in der Vergangenheit – auch in Krisenphasen – geschlagen hat, und zum anderen die beteiligten Personen, die hinter dem Robo-Advisor stehen. Welche Erfahrungen haben sie und wie solvent ist der Anbieter?“

Unsere Robo-Advisor Empfehlungen

Wir empfehlen auf Basis unseres Robo-Advisor-Test 2019 die folgenden digitalen Vermögensverwalter.
AnbieterKosten bei 10.000 €MindestanlageBesonderheit 
Quelle: extraETF.com, Robo-Advisor-Test 2019
Quirion0,00 %ab 5.000 €10.000 € kostenfreiMehr Infos
Visualvest0,60 %ab 500 €GreenfoliosMehr Infos
Fintego0,70 %ab 2.500 €Auszahlplan möglichMehr Infos
Ginmon0,75 %ab 5.000 €Viele AnlageklassenMehr Infos
Scalable Capital0,75 %ab 10.000 €MarktführerMehr Infos

Fazit

Kein seriöser Anbieter würde einen Kunden dazu auffordern, Geld auf ein Geschäftskonto des Unternehmens oder auf ein Privatkonto des Geschäftsführers zu überweisen. Ansonsten müssen sich Kunden keine Sorgen machen. Guthaben sind über den Einlagensicherungsfonds geschützt, Wertpapiere als Sondervermögen.

Tipp: Wir haben die Angebote der in Deutschland aktiven digitalen Vermögensverwalter (Robo-Advisors) verglichen und bewertet. Für jeden Anbieter haben wir einen ausführlichen Testbericht erstellt. Jetzt den Robo-Advisor-Vergleich lesen!
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