Anleger aufgepasst: So finden Sie die für Sie besten ETFs

Blicken Sie im ETF-Dschungel noch durch? Kein Problem. Wir zeigen Ihnen, wie Sie zielsicher die für Sie passenden ETFs finden. 

Mittlerweile gibt es in Deutschland weit mehr als 1.800 ETFs auf die verschiedensten Anlageklassen, Regionen und Branchen weltweit. Bei der breiten Auswahl ist es gerade für Einsteiger häufig schwierig die richtige Wahl zu treffen. Im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds oder Zertifikaten sind ETFs einfach konstruiert und sehr transparent. Trotzdem empfehle ich, bei der ETF-Suche über einige Kriterien nachzudenken.

Das sind die wichtigsten Kriterien für den Kauf von ETFs:

  • In welchen Markt möchte ich investieren, d.h. welchen Anlagefokus habe ich?
  • Akzeptiere ich Währungsrisiken?
  • Ausschüttend oder thesaurierend?
  • Welche Replikationsmethode bevorzuge ich?
  • Wie hoch sind die Kosten?
  • Wie groß ist der Fonds und von welchem Anbieter wird er verwaltet?

Anlagefokus des ETFs

An erster Stelle steht der Anlagefokus. Privatanleger sollten sich vor dem Aufbau eines ETF-Portfolios ihrer Anlageziele bewusstwerden. Für Anleger, die beispielsweise viel Wert auf Sicherheit legen, macht ein Aktien-ETF Portfolio mit Schwellenländer-Unternehmen wenig Sinn.

Die Index-Auswahl ist äußerst relevant, um den gewünschten Anlageerfolg zu erreichen. Manche Indizes enthalten nur wenige Aktien oder sind nach wenig nachvollziehbaren Kriterien zusammengestellt. Anderer ETFs basieren wiederum auf spezifischen Strategien, die einem aktiven Investmentfonds ähneln und auf eine Überperformance abzielen (z.B. Smart-Beta-ETFs). Gerade Börsenneulinge sollten sich zunächst auf die etablierten Indices von großen Anbietern konzentrieren, die möglichst breite Teile des Marktes abdecken.

Für Aktien aus den USA wäre das zum Beispiel der S&P500, der MSCI USA oder der MSCI North America. Für Aktien aus Europa kommen der Euro Stoxx 50 oder der noch breiter gestreute Euro Stoxx 600 in Frage. Einer der beliebtesten Indizes für Aktien aus der ganzen Welt ist der MSCI World. Dieser beinhaltet rund 1.600 Aktienunternehmen aus 23 Industrieländern. Wer aufgrund noch breiter streuen möchte, nimmt zusätzlich noch Aktien aus Schwellenländer mit dem MSCI Emerging Markets Index auf. Zu all diesen Indizes existieren passende ETFs von verschiedenen Anbietern.

Gerade für kleine Depots und Sparaufträge eignet sich für den Aktienteil eine Kombination aus dem MSCI World und dem MSCI Emerging Markets. Mit ein bisschen Erfahrung können nach und nach bestimmte Länder und Branchen in das Portfolio aufgenommen werden.

Währungsrisiken

Oft übersehen Börsenneulinge, welche Risiken sie tatsächlich mit ihren Investments eingehen. Ganz vorne mit dabei sind die Währungsrisiken (und natürlich aus Währungschancen). Sobald wir außerhalb des Euroraumes investieren, unterliegen deutsche Anleger den Schwankungen des Euro gegenüber anderen Währungen. Kaufe ich einen ETF mit US-amerikanischen Staatsanleihen, dann ist meine Wertentwicklung nicht nur abhängig davon, ob diese Anleihen steigen oder fallen, sondern in erheblichen Maße auch davon, ob der Euro steigt oder fällt. Steigen die US-Staatsanleihen, aber der US-Dollar fällt, kann es sein, dass ich einen Verlust erleide.

Wollen Anleger dieses Währungsrisiko vermeiden, sollten sie auf währungsgesicherte (hedged) ETFs zurückgreifen. Diese eleminieren das Risiko, welches sich aus den Wertschwankungen der Fremdwährungen ergeben. Der Nachteil: Diese Absicherung kostet. Zum einen berechnen die Anbieter meist Gebühren für den höheren Verwaltungsaufwand, was sich in der Gesamtkostenquote bemerkbar macht. Zum anderen kann die Absicherung kosten. Die Höhe wird durch die Zinsdifferenzen der Währungsgebiete bestimmt und kann unter Umstäden für den Anleger ganz schön teuer werden.

Es gibt nicht per se eine Empfehlung, ob ETFs mit oder ohne Währungssicherung bevorzugt werden sollen. Das hängt stark davon ab, in welchen Währungsräumen und wie lange angelegt wird. Für mich gilt: Je länger ich anlege und je mehr ich meine Anlagen weltweit streue, desto weniger nutze ich währungsgesicherte Indexfonds. Anleger sollten sich jedoch vor der Investition bewusst sein, wie viel Fremdwährungsrisiko sie in ihrem Portfolio haben wollen.

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Kosten

Wenn Anleger etwas bei der Geldanlage kontrollieren können, dann sind es die Kosten. Diese haben einen enormen Einfluss auf die Vermögensentwicklung und sollten niemals unterschätzt werden. Grundsätzlich sind zwar alle ETFs günstig. Es bestehen jedoch oft Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern.

Im Durchschnitt liegen die Kosten bei einem ETF zwischen 0,1 und 0,8 Prozent. Je exotischer der Index, desto teurer auch der ETF. Aus dem Grund ist es empfehlenswert auf etablierte Indizes zu setzen, da hier auch der Wettbewerb zwischen den Anbietern größer ist.

Informationen zu den Kosten finden Anleger im Anlageprospekt eines ETFs oder auf der entsprechenden Internetseite. Die sogenannte Gesamtkostenquote („Total Expense Ratio“, TER) enthält alle relevanten Faktoren und lässt sich gut vergleichen. Allerdings sind die Kosten nicht das einzige Kriterium, auf das Anleger achten sollten.

Ertragsverwendung

Aktien-ETFs fließen regelmäßig Erträge in Form von Dividendenzahlungen der darin enthaltenen Unternehmen zu. Anleihen-ETFs erhalten Zinszahlungen von den Emittenten der von ihnen gehaltenen Anleihen. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie ETFs mit diesen Erträgen umgehen:

  • Thesaurierender ETFs reininvestieren die Gewinne unmittelbar in neue Aktien und Anleihen. Das Kapital bleibt im Fonds und Anleger müssen sich keine Gedanken um die Wiederanlage ihres Vermögens machen. Darin und im konsequenten Ausnutzen des Zinseszinseffekts liegt der große Vorteil dieser Strategie.
  • Ausschüttende ETFs geben die Dividenden- und Zinszahlungen direkt an die Anleger weiter. Diese Form der Ertragsverwendung ist besonders dann vorteilhaft, wenn Ziel der Geldanlage der Aufbau eines passiven Einkommensstroms ist. Anleger bleibt bei dieser Methode zudem ein größerer Spielraum beider Wiederanlage des Kapitals. Sie können das Geld beispielsweise dafür nutzen, in einen anderen ETF zu investieren und ihr Vermögen breiter zu streuen.

Die Entscheidung für die eine oder andere Methode ist am Ende des Tages abhängig von den persönlichen Anlagezielen. Ich persönlich setze mehrheitlich auf thesaurierende ETFs, da ich auf diese Art meinen Vermögensaufbau auf Auto-Pilot stelle und das Maximum aus dem Zinseszinseffekt holen kann.

Tipp: Hier finden Sie die kostengünstigsten Anbieter für ETF-Sparpläne.

Fondsvolumen

Das Fondsvolmen gibt Auskunft darüber, wie viel Geld der Anbieter in dieser Strategie verwaltet. Anleger sollten nicht in einen zu kleinen Indexfonds investieren. Zu klein ist ein ETF dann, wenn das verwaltete Vermögen („Assets under Management“, AuM) unter 100 Millionen Euro liegt. Ein kleiner Fonds trägt nämlich das Risiko einer potenziellen Liquidation oder Zusammenlegung mit einem anderen Fonds. Das hat im Normalfall keine „wesentlichen“ Konsequenzen für Investoren, kann aber zusätzliche Kosten für die Wiederanlage des Kapitals verursachen.

Aus dem Grund empfiehlt es sich, auch hier auf etablierte Anbieter zu setzen und sich vor dem Kauf über das Volumen des Indexfonds zu informieren.

Replikationsmethode

Die Unterschiede in den Replikationsmethoden führen meist nur zu marginalen Unterschieden in der Wertentwicklung. Wir unterscheiden zwischen einer physischen Replikation und der synthetischen Replikation. Während die Fondsgesellschaft beim physischen Replizieren alle (vollständige Replikation) Aktien oder zum größten Teil (optimiertes sampling) in der gleichen Gewichtung „physisch“ kauft und hält, wie der zugrundeliegende Index, wird bei synthetisch replizierenden ETFs die Wertentwicklung über sogenannten Swap-Geschäfte realisiert. Ein synthetisch replizierender ETF auf den S&P500 Index kann zum Beispiel ausschließlich japanische Anleihen kaufen und die Wertentwicklung dieser Anleihen gegen die Wertentwicklung des S&P500 Index mit einer Bank tauschen.

Ich persönlich bevorzuge physisch replizierende ETFs, weil mich das Wissen beruhigt, dass die Wertpapiere tatsächlich auch beim Anbieter (physisch) existieren.

Fazit: ETFs erleichtern die Geldanlage ungemein. Durch ihre breite Streuung können Anleger mit wenigen Käufen einen hohen Diversifikationsgrad erreichen und ihr Chancen-/Risikoprofil verbessern. Doch trotz der vielen Vorteile gilt es nicht unvorsichtig zu kaufen.

ETFs können sich stark voneinander unterscheiden. Besonders bei den Kosten sollten Anleger detailliert auf die Informationen in den Prospekten schauen. Im Idealfall kann die Entwicklung des ETFs mit der Entwicklung des abzubildenden Indizes verglichen werden.

Einen Tipp, den ich Anlegern gerne mitgeben: Achten Sie bei der ETF-Auswahl darauf, ob diese sparplanfähig sind. Durch die Einrichtung eines ETF-Sparplans können Sie Ihre persönliche Geldanlage auf Auto-Pilot stellen. Das spart Zeit und Nerven.

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