Börsen sind stark gestiegen: Jetzt noch in ETFs investieren?

Der MSCI World Index steht wieder knapp unter seinem Allzeithoch. Sollte man jetzt noch ETFs kaufen? Die Antwort ist einfacher, als die meisten denken.

Nach dem Coronacrash und der anschließenden rasanten Erholung fragen sich viele Anleger, wie es weitergeht. Ist es für eine ETF-Geldanlage schon zu spät, wo doch der Welt-Aktien-Index MSCI World fast wieder auf seinem Allzeithoch vom 12. Februar dieses Jahres notiert? Sollte man auf diesem Kursniveau noch ETFs kaufen?

Trends folgen oder antizyklisch investieren?

Schauen wir uns die Kursentwicklung des MSCI World Aktienindex an, der über 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern abbildet, so kommen uns gleich zwei Börsenweisheiten in den Sinn:

„The trend is your friend!“, was so viel bedeutet, dass Anleger besser beraten sind, mit der aktuellen Börsenrichtung zu investieren und nicht dagegen zu wetten. Der jüngste Aufwärtstrend legt nahe, dass jetzt eher die Zeit zum Kaufen ist.

Die andere Börsenweisheit besagt genau das Gegenteil: „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind und sei gierig, wenn andere ängstlich sind!“ Dieses Zitat von Warren Buffett, dem erfolgreichsten Investor aller Zeiten, besagt, dass Anleger gerade nicht der Masse hinterherlaufen sollten.

Kurz- und langfristige Chancen mit Aktien und ETFs

Globale Aktienkurse schwanken, sie legten aber in den vergangenen Jahren im Durchschnitt auch 7 Prozent pro Jahr zu – trotz heftiger Kursrückgänge, etwa zur Jahrtausendwende oder während der Finanzkrise 2008. Das liegt daran, dass nach den größten Aktien-Crashs jeweils eine rasante Aufholrally startete: Im Schnitt gewannen die Märkte 24 Monate nach dem Tiefpunkt kumulativ 75 Prozent an Wert. Nach 60 Monaten waren es im Schnitt sogar etwa 140 Prozent. Dennoch kann keiner vorhersagen, wohin die Börsen kurz- und mittelfristig laufen. Wer das behauptet, ist ein Scharlatan.

Dennoch lassen sich aus der Vergangenheit gewisse Hinweise ziehen. So belegen Studien, dass sich das langfristige Aktienmarktpotenzial aus der Bewertung eines Marktes ableiten lässt. Eine Kennzahl, die beurteilen soll, ob eine Aktie oder ein Markt eher teuer oder billig ist, ist das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Bei dieser Kennzahl wird der aktuelle Aktienkurs zum Gewinn je Aktie gesetzt. Liegt der Gewinn je Aktie beispielsweise bei einem Euro und der Kurs der Aktie bei 24 Euro, dann ist das KGV bei 24.

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Das ist ungefähr der aktuelle Wert für die weltweiten Aktienmärkte. Historisch betrachtet ist dieses Niveau neutral, d.h. die Märkte sind im historischen Zusammenhang weder zu billig noch zu teuer. Allerdings ist bei solchen durchschnittlichen und stark vereinfachenden Betrachtungen Vorsicht geboten. Ob der Aktienmarkt nun steigt oder fällt, kann auch mit dieser Kennzahl nicht vorhergesagt werden.

Strategie statt Timing

Statt sich also mit der Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt zu beschäftigen, sollten sich potenzielle Investoren vielmehr Gedanken über ihre Anlagestrategie machen. „Mit welchen Bausteinen sollte mein Depot zusammengesetzt werden, wieviel Risiko will ich tragen und was ist mein Anlageziel?“ Die richtige Anlagestrategie ist langfristig viel wichtiger für den Erfolg oder Misserfolg einer Geldanlage als das richtige Timing. Wer nicht alles mit einmal investieren möchte, der kann auch über einen regelmäßigen ETF-Sparplan schrittweise in den Markt kommen. 

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Fazit

Ein weiteres Börsensprichwort besagt: „An der Börse wird nicht geläutet.“ Es gibt keine Methode, womit der richtige Ein- und Ausstiegszeitpunkt erkannt werden kann. Daher ist es für potenzielle Anleger viel wichtiger, die eigene Anlagestrategie zu finden und langfristig auch durchzuhalten. Heute lassen sich gleichermaßen Pro- und Contra-Argumente für eine anhaltende Börsenrally finden.

Wer breit streut, reduziert das Risiko bei einem erneuten Sinken der Aktienkurse. Dank ETFs geht das heute auch für Privatanleger sehr einfach und kostengünstig. Wer das Risiko eines Einstiegs scheut, der kann mit Hilfe eines ETF-Sparplans in kleinen Teilschritten einsteigen. Damit wird automatisch das Timingrisiko reduziert.

Denn eins sollte man sich bewusst machen: Auch das Auslassen von Chancen kann ein Risiko sein.

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