7. September 2022
Iven Kurz (Evergreen) über die Übernahmen von Rurab und Vantik

Iven Kurz (Evergreen) über die Übernahmen von Rurab und Vantik

Der Robo-Advisor Evergreen * hat jüngst gleich zwei Robo-Advisors übernommen. Wir haben dazu bei Geschäftsführer Iven Kurz nachgefragt.

Herr Kurz, Sie haben Rurab und Vantik übernommen. Wie kam es dazu?

Wir haben, wie wahrscheinlich fast alle, aus der Presse von den Insolvenzen gehört. Dann haben wir den Kontakt gesucht. Wir sind dann erstmal ergebnisoffen auf die Gründer und die Insolvenzverwalter zugegangen und haben unsere Hilfe angeboten. Eine Insolvenz führt ja nicht zwangsläufig zur Liquidierung des Unternehmens. So war unsere erste Idee gar nicht die Übernahme, sondern wir konnten uns eine Kooperation sehr gut vorstellen. Es hat sich dann aber relativ schnell herauskristallisiert, dass es dazu nicht kommen wird – aufgrund verschiedener Faktoren. So kam es dann eigentlich dazu, dass wir gesagt haben – okay, dann übernehmen wir die Kundinnen und Kunden. Dadurch das beide, also rubarb und Vantik, ihre Kundendepots auch bei der DAB BNP Paribas haben, ist der Prozess auch relativ einfach. So müssen sich die Kunden zum Beispiel nicht nochmal identifizieren.

Iven Kurz, Geschäftsführer von Evergreen

 

Am Ende war die Kundenübernahme im Sinne der Gründer, denen es wichtig ist, dass ihre Kundinnen und Kunden nicht unter der Insolvenz leiden. Sie war aber auch im Sinne der DAB, da für sie mit Evergreen nur der Intermediär wechselt.

Wie sieht es mit den Kunden-Übernahmen von Rurab und Vantik aus?

Wir sind sehr zufrieden, denn wir konnten viele Kundinnen und Kunden überzeugen zu uns zu kommen und mit uns gemeinsam weiter zu investieren. Von beiden Unternehmen konnten wir bisher eine gute vierstellige Anzahl an Depotkundinnen und Kunden gewinnen. Für uns war das nicht selbstverständlich. Sowohl bei Vantik, wie bei rubarb haben viele Menschen zum ersten Mal investiert und die Insolvenz sorgt natürlich für Verunsicherung. Wir waren uns nicht sicher, wie hoch nach solch einer Erfahrung das Vertrauen in die digitale Vermögensverwaltung ist. Daher freut es uns, dass wir es geschafft haben, so vielen Anlegerinnen und Anlegern unser Konzept nahe zu bringen und ihnen ein neues, nachhaltiges Zuhause für ihre Ersparnisse zu bieten.

Was bedeuten diese Übernahmen für Evergreen?

Zunächst einmal viel Arbeit, denn einerseits wollen wir den neuen Anleger:innen den Umzug so angenehm wie möglich gestalten und zum andern wollen wir jeden neuen Kunden und jede neue Kundin von den Vorzügen einer aktiv-nachhaltigen, fairen und professionellen Geldanlage bei Evergreen überzeugen.

Haben diese Übernahmen auch Ihren Blick auf einige Geschäftsmodelle geändert und inwiefern?

Die Situation hat uns nochmal vor Augen geführt, dass Geschäftsmodell häufig dann Vorteile haben, wenn der Pfad zur Monetarisierung frühzeitig erkennbar ist. In den letzten Jahren ist der Markt im Fintech-Bereich sehr kompetitiv geworden. Es reicht häufig nicht, eine gute App anzubieten. Vielmehr muss ein klarer Kundennutzen erkennbar sein, um sich zu differenzieren. Ein gutes Beispiel hierfür sind einige Robo-Advisor aus den USA, wie Wealthfront oder Betterment. Beide Anbieter bieten ein großes Spektrum an Lösungen und begleiten ihre Kundinnen und Kunden bei allem, was mit Geld zu tun hat. Dazu kommen die geringen Gebühren in Übersee. Durchschnittlich 0,25 Prozent pro Jahr wird dort für die digitale Vermögensverwaltung bezahlt. Das sollte auch in Deutschland die Benchmark sein.

Tipp: Hier findest du unseren großen Vergleich der Angebote aller wichtigen Robo-Advisors in Deutschland.

Sehen Sie nun die Phase der Konsolidierung im Robo-Advisors-Sektor im Kommen?

Die Konsolidierung ist in vollem Gange. Nicht nur sichtbare Veränderungen, wie bei Penta oder Nuri finden statt. Auch im Hintergrund ändern sich die Eigentümerstrukturen. Das liegt auch daran, dass sich viele Geschäftsmodelle ähneln und manchmal auch kein echter Mehrwert für die Kunden entsteht. Das konnten wir auch in unserer Studie zum Asset-Management im Robo-Advisory feststellen. Erschwerend kommt nun die herausfordernde Marktsituation dazu und die Zurückhaltung bei Investoren, die nun stärker auf die Cash Flows schauen. Dabei bieten sich natürlich auch Chancen für Fintech-Investoren. Diese können auch viele gute Geschäftsmodell zu realistischen Bewertungen finden und nachhaltige Engagements aufbauen.