Kommentar: ETFs schaden der Volkswirtschaft? So ein Blödsinn!

ETFs schaden der Volkswirtschaft? Das meinen Kritiker. Da fragt man sich: Geht es vielleicht auch eine Nummer kleiner? Die neuen Argumente der ETF-Gegner muten fadenscheinig und überzogen an.

Kürzlich berichtete die FAZ über eine Debatte, die aktuell in den USA geführt wird. Offenbar etabliert sich momentan ein neues Narrativ, das ETFs als Anlagevehikel negativ darstellen soll. Nach dem recht plumpen Argument „ETFs sind dummes Geld“, das zum Beispiel von Fondsmanager und Teilzeit-Verschwörungstheoretiker Dirk Müller oftmals vorgebracht wird, werden nun weitere Argumente ins Feld geführt. Die ETF-Kritiker fahren nun etwas schwerere Geschütze auf.

Kurz zusammengefasst lautet der Kernvorwurf nun: ETFs schaden der ganzen Volkswirtschaft. Puh, das muss man erstmal sacken lassen. Da kommt auch die Frage auf: Geht es noch eine Stufe drunter? Offensichtlich nicht. Klappern wir die beiden Hauptkritikpunkte einfach mal ab.

Punkt 1: Die Marktmacht der führenden Anbieter ist zu groß

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Macht der drei großen ETF-Anbieter Blackrock, Vanguard und State Street gewaltig ist. So kann sich heute kaum eines der Unternehmen des S&P 500 der Mitsprache eines großen ETF-Anbieters entziehen. Doch hierzu ist festzuhalten, dass sich die Vermögensverwalter zunehmend auf die Fahnen schreiben, bei den Hauptversammlungen umsichtig zu agieren und nicht nur Renditeoptimierung zu betreiben. ESG- und SRI-Themen, also letztlich Good Governance, rücken immer stärker in den Fokus. Dazu haben die Anbieter sogar spezialisierte Stewardship-Teams gebildet und sich feste Regelwerke für ihr Abstimmungsverhalten gegeben. 

Natürlich ist das noch ein zartes Pflänzchen, aber die Richtung stimmt. Genau wie beim Thema Nachhaltigkeit ist man hier noch ganz am Anfang. Und jeder Anfang ist bekanntlich schwer. Und ja, es gibt die Fälle, in denen Vermögensverwalter sich bei Hauptversammlungen wenig umsichtig verhalten. Doch aufgrund des gesellschaftlichen Drucks und des damit verbunden Imageverlusts werden Blackrock, Vanguard, State Street und andere in Zukunft verstärkt darauf achten – ob sie wollen oder nicht. Wer sich dennoch an der Marktmacht der großen drei Vermögensverwalter stört, kann problemlos einen anderen ETF wählen. Nutzen Sie hierzu unsere ETF-Suche.

Tipp: Hier erfahren Sie alles, was Sie über das Investieren in Nachhaltigkeits-ETFs wissen müssen.

Punkt 2: ETFs bremsen die Innovation

Mangelnde Innovation der ETF-Sparte in die Schuhe zu schieben, ist recht billig. Die Kritik zielt darauf ab, dass ETFs in aller Regel die Indexmitglieder nach ihrer Marktkapitalisierung gewichten. So fließt den großen Unternehmen mehr Geld zu als kleinen. Doch diese Praxis ist nur nachvollziehbar. Wer beispielsweise weltweit investieren möchte, möchte natürlich mehr Microsoft- und Apple-Aktien im Depot haben als den börsennotierten Mittelständler. Auch aktive Fonds gehen in aller Regel so vor. Wer etwa einen der bekannten aktiven Fonds auf den deutschen Aktienmarkt kauft, erhält im Wesentlichen eine Dax-Kopie mit sehr ähnlichen Gewichtungen.

Und ETF-Anleger sind keinesfalls gezwungen, diesen Weg zu gehen. So gibt es etwa spezielle Small- und Midcap-ETFs, mit kleineren und mittelgroßen Unternehmen, die für den breiten Mittelstand stehen. Die hierbei erhoffte Risikoprämie hört auf den Namen „Size“. Wer gar keinen Unterschied zwischen groß und klein machen möchte, kann gleichgewichtete ETFs wählen.

Tipp: ETF-Empfehlungslisten – hier finden Sie die besten ETFs zu allen wichtigen Anlageklassen.

Fazit

In Teilen ist die Kritik berechtigt. Sie scheint jedoch überzogen und lässt sich nicht als ausschließliches ETF-Problem abtun. Die ETF-Industrie bietet sogar gute Lösungsansätze. Die verantwortungsvolle Einflussnahme, auch Stewardship genannt, durch die Vermögensverwalter wird immer bedeutender.

Wer partout den großen drei ETF-Anbietern kein weiteres Geld und damit Macht zuschustern will, kann auch jeden anderen in Deutschland zugelassenen Anbieter wählen. Das geschieht ohne Qualitätseinbußen. Mit speziellen Small- und Midcap-ETFs können Sie außerdem gezielt auf kleine, innovative Unternehmen setzen – zur Freude der Volkswirtschaft und hoffentlich Ihres Geldbeutels.